Bilanz meines Journalismus 2011

Fast einen Monat verspätet aber dann doch noch geschafft: am 26. Dezember 2007 – also vor etwas mehr als vier Jahren – ging diese Website in Betrieb. Im vergangenen Jahr habe ich in einem Artikel bereits Bilanz über meine bis dato veröffentlichten Texte gezogen. Nun möchte ich auch für das Jahr 2011 Bilanz ziehen – welche Texte und Projekte waren gut, welche schlecht? Und was hat sich journalistisch bei mir überhaupt in dem Jahr alles getan?
Erstmal ein paar Zahlen: 2011 habe ich 55 Artikel und 7 Interviews veröffentlicht. Zum Vergleich: 2009 waren es 64 Artikel und 16 Interviews und 2010 immerhin noch 53 Artikel und 18 Interviews. Die Zahl meiner Veröffentlichung ist also gesunken, gerade bei Interviews. Allerdings erscheinen auch nicht all meine Veröffentlichungen im Internet und somit auf diesem Blog, von dem ich die Zahlen zusammengezählt habe. Zudem wurden einige Textteile auch teilweise für mehrere Artikel verwendet. Auch sagt die Zahl der Veröffentlichungen nichts über die Länge oder Qualität der Texte aus. Um auch diesen wichtigen Punkt sowie Projekte und sonstige interessante Ereignisse 2011 einfließen zu lassen hier nun meine Tops und Flops und was dazwischen war 2011:

Tops
Meine erste verdeckte Recherche im Februar 2011 war für mich auf jeden Fall ein Highlight des vergangen Jahres. Dafür war ich auf einer Jobmesse für Schüler in Göttingen unterwegs und habe mich von einem Wehrdienstberater über eine mögliche Anstellung bei der Bundeswehr beraten lassen. Die Recherche diente zum Beweis dafür, dass Wehrdienstberater die negativen Seiten des „Arbeitgebers Bundeswehr“ – also etwa die gefährlichen Auslandeinsätze, Tod und Verwundung – in ihren Beratungsgesprächen selten bis gar nicht erwähnen. Natürlich war dies nur eine Stichprobe, doch bestätigt die Recherche Berichte von Schülerinnen und Schülern.


Verdeckte Recherche am Stand der Wehrdienstberatung in Göttingen

Ein aus meiner Sicht qualitativ guter Text war auch das im September erschienene Interview mit Martin Vaňo, Senior Designer bei Bohemia-Interactive. Das Unternehmen wurde als Videospiel-Firma gegründet, verdient heute aber mehr Geld mit Trainingssimulatoren für das Militär – eine interessante Entwicklung, über die ich mit Martin Vaňo gesprochen habe.
Auch im Freitag und in der taz sind in diesem Jahr mehrere Artikel von mir erschienen – darunter ein Artikel über den PR-Auftritt der deutschen Söldnerfirma „Asgaard – German Security Group“ bei der Vorstellung des First-Person-Shooter-Videospiels „Battlefield 3“.
Im Vergleich zu meiner letzten Bilanz hat sich der Bereich „Foto“ sehr gut entwickelt. So konnte ich 2011 mehr Fotos in Zeitschriften, Magazinen und Online-Medien unterbringen als je zuvor. So wurde etwa eine komplette Ausgabe des Fachmagazins „Wissenschaft & Frieden“ mit Fotos von mir gestaltet, auch in einer GEW-Broschüre sind viele meiner Fotos zu sehen und das Team von klimaretter.info hat mittlerweile 460 Fotos von mir in ihrem Bild-Archiv. Im Dezember 2011 war dann sogar noch meine Fotoausstellung „Remeber: Bildungsstreik“ an der Universität Kassel zu sehen.
Die positive Entwicklung geht mit der Inbetriebnahme meines flickr-Accounts einher. Dort sind natürlich auch sehr viele Fotos zu sehen, die ansonsten nirgendwo veröffentlicht wurden und würden. Bevor sie aber nur auf meinem Rechner liegen, präsentiere ich sie lieber der Öffentlichkeit. Seit kurzem gibt es dort auch nicht mehr nur „politische“ Fotos, sondern auch welche von Tieren und bald wohl auch noch welche zum Thema „Natur“.
Gut lief es 2011 auch mit Vortags- und Diskussionsveranstaltungen. 2010 hatte ich 14 Veranstaltungen, 2011 waren es sogar 21 Vorträge und Diskussionen – meist zum Thema „Bundeswehr an Schulen“. Hinzu kommen noch zwei Reden auf den Ostermärschen in Gelsenkirchen und Kassel.
Dass die Informationsstelle Militarisierung e.V. für ihre Analysen, Studien und sonstigen Texte – von denen ich auch einige wenige geschrieben habe – mit dem Aachener-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, ist 2011 auch eine sehr erfreuliche Sache gewesen.
Sich das Thema Videospiele neben „Bundeswehr-Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit“ zu erarbeiten, hat auch gut geklappt. Mein Wissen über das Thema wird immer umfassender.

Zwischen Tops und Flops
Anfang Mai habe ich die Website Militainment.info in Betrieb genommen. Dort beschäftige ich mich seitdem mit der Darstellung des Militärs in den Medien – vor allem im Fernsehen und in Videospielen. Jeden Mittwoch gibt es auf der Website einen neuen Artikel oder ein neues Interview, dazwischen immer wieder Hinweise auf aktuelle Entwicklungen. Das hat bisher ganz gut geklappt, dennoch bin ich mit dem Konzept nicht zufrieden. Das Thema ist sehr umfangreich, man könnte und müsste viel mehr dazu arbeiten – meine Kapazitäten sind aber ausgelastet. Es ist so schon schwer genug, jeden Mittwoch einen qualitativ guten Text auf der Website zu publizieren. Mitstreiter für das Militainment.info-Projekt konnte ich bislang leider nicht finden. Daher werde ich mir in den kommenden Tagen weitere Gedanken zu dem Projekt machen: vielleicht wird es bald weniger regelmäßig Artikel auf Militainment.info geben – mal sehn.


Gut: das Thema Videospiele erarbeite ich mir gerade | Schlecht: Militainment.info könnte besser laufen

Aufregend und interessant war für mich die Einladung in die Sendung „ZDF log.in“ des ZDF-infokanals im Mai. Eine tolle Erfahrung und eine gute Möglichkeit zu lernen – etwa seine Argumente klarer zu formulieren. Die Diskussion mit Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Vertrauter von Verteidigungsminister de Maizière, hätte rhetorisch besser laufen können…

Flops
Die Einstellung der Jugendzeitung utopia nach 21 Ausgaben im Dezember 2011 war ein Tiefpunkt des Jahres – auch wenn ich den Schritt nach wie vor als richtig erachte. Die utopia ist zu schnell gewachsen, hat dadurch ein großes finanzielles Loch aufgerissen, das dann wieder zu harten Einsparungen und einer extremen Schrumpfung geführt hat. Mit der sinkenden Auflage sank auch die Motivation. Und auch, dass sich keine neuen Leute für das Projekt finden ließen, ist bedauerlich. Das muss ich mir als Teil der utopia-Redaktion auch auf meine Fahne schreiben. Die utopia haben wir nach einer langen erfolgreichen Zeit am Ende ganz schön in den Sand gesetzt, auch wenn es letztlich der Personalmangel war, der das Ende der Zeitung besiegelt hat. Finanziell war die Zeitung zum Schluss wieder auf einem grünen Zweig.
Generell für Ärger sorgten 2011 natürlich – wie schon in den Vorjahren – Fehler in Artikeln. So hatte ich in einem Artikel im Freitag einen Schnitzer. Und auch in anderen Texten waren Ungenauigkeiten. Sowas sollte nicht passieren. Da hilft nur: noch genauer recherchieren und auch noch mehr nachhaken.
Ein großes Problem ist für mich die „Nachhaltigkeit“ meiner Artikel. Ich schreibe Texte, sie erscheinen in einem Medium und das war’s. Der Artikel über meine verdeckte Recherche bei einem Wehrdienstberater erschien im Neuen Deutschland wie jeder andere Artikel. Niemand sonst griff das Thema auf. Auch meine anderen Artikel verhallten weitestgehend in der Medienwelt. Etwa auch der – meiner Meinung nach sehr brisante – Artikel über einen geänderten Erlass des Verteidigungsministeriums, der es der Bundeswehr nun erlaubt Kinder auf Panzer und anderes Kriegsgerät zu lassen. Wie so etwas auch laufen kann zeigt ein Artikel Steffen Hebestreit, der im Juli 2011 in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau erschienen ist: darin ging es um Jugendpressekongresse der Bundeswehr in Zusammenarbeit der der YoungLeaders GmbH. Das Thema fand auch in anderen Medien anklang und das Verteidigungsministerium und die Armee sahen sich gezwungen Besserung zu versprechen. Es liegt sicherlich viel am Medium, ob Themen weitere Verbreitung finden. Tendenziell sollte ich daher wohl verstärkt versuchen Artikel auch in „großen“ Medien unterzubringen.

Fazit
Mit meinem Text- und Bild-Journalismus 2011 bin ich soweit zufrieden. Klar, es könnte immer besser sein. Aber ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg :-)

Michi

Neues Jahr, neue Vorträge

Morgen werde ich in Kassel einen Vortrag mit der Überschrift „ Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“ halten. Am Donnerstag geht es dann nach München um dort bei einer Mobilisierungsveranstaltung gegen die jährliche NATO-Sicherheitskonferenz etwas über die Bundeswehrreform und ihre Auswirkungen betreffend der Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit der Armee zu erzählen. Auch danach ist selbstverständlich Zeit für Diskussionen!

17. Januar 2012 / 19Uhr / Vortrag: „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“ / Kassel, Universität, Nora-Platiel-Straße 6, Raum 0210 (Seite der Veranstalter)

19. Januar 2012 / 19Uhr / Vortrag: „Bundeswehrreform – was bedeutet das für uns Jugendliche?“ / München, Gewerkschaftshaus, Schwanthalerstraße 64 (Seite der Veranstalter)

Gewerkschaften im Krieg

erschienen in der Direkten Aktion (www.direkteaktion.org) Nr. 208 – November/Dezember 2011

200 Kampfpanzer nach Saudi-Arabien, Mercedes-Panzertransporter nach Libyen und U-Boote nach Israel – deutsche Waffen sind ein weltweiter Verkaufsschlager. Die deutsche Rüstungsbranche kann sich seit 2005 rühmen, die Bundesrepublik hinter den USA und Russland auf Platz drei der waffenexportierenden Länder gebracht zu haben. Sogar ganze Waffenfabriken werden exportiert. Gleichzeitig streitet Deutschland für einen dauerhaften Sitz im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen. Mit einem Sitz in diesem Gremium könnte auch Deutschland neue militärische Konflikte beeinflussen. Die Rüstungsindustrie und Wirtschaftsliberale reiben sich bereits die Hände. Und sie sind nicht allein: Auch die IG Metall freut sich.

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Fotos in GEW-Broschüre

Die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ hat eine Broschüre zum „Einsatzgebiet Klassenzimmer – die Bundeswehr in der Schule“ veröffentlicht. Geschrieben hat die 44-seitige Broschüre der Journalist Jürgen Amendt, die zwölf Fotos darin stammen von mir.

Die Broschüre kann man hier kaufen oder hier kostenlos herunterladen.

Nummer 8 und 9

Etwas über ein Jahr nach Erscheinen gibt es – was mich sehr freut – zwei weitere Rezensionen meines Buchs! Auf kritisch-lesen.de schreibt Heinz-Jürgen Voß über das „An der Heimatfront“-Buch:

Wer über die aktuellen massiven Probleme der Bundeswehr bzgl. der Rekrutierung von Nachwuchs und über ihre Lösungsstrategien informiert sein möchte, kommt an Schulze von Glaßers Buch nicht vorbei.

Eine weitere Rezension gibt es auf Amazon. Dort gibt Simon Engelkes meinem Buch vier von fünf Sternen und schreibt:

Und obwohl ich viele Ansichten des stark pazifistischen Michael Schulze von Glaßer nicht unterschreiben würde (Die Verantwortung für Fehler der Bundeswehr / Neuen Wehrmacht kurz nach ihrer Gründung sind nicht der heutigen militärischen Führung in die Schuhe zu schieben und dass Bundeswehrzeitschriften Eigenwerbung aller erster Güte sind, hat noch nie jemand dementiert.) ist sein Buch ein informatives und lesenswertes Werk. Daumen hoch!

Sehr schön!

Krieg auf dem Rechner

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 14. Dezember 2011

Hintergrund. Videospiele gehören heute vor allem für junge Menschen zum Alltag – ­insbesondere auch solche mit militaristischem Inhalt

Kriegerische Tage in der virtuellen Welt: Vor kurzem erschien das Blockbuster-Videospiel »Battlefield 3«. Der Hersteller, das Unternehmen Electronic Arts, soll 100 Millionen US-Dollar für die Werbekampagne zum Spiel ausgegeben haben. Es gab über zwei Millionen Vorbestellungen. Die Fachwelt jubelte ob der realistischen Darstellung militärischer Einsätze in dem Spiel. Und die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern: Im November 2011 erschien »Call of Duty: Modern Warfare 3« und wird Hersteller Activision wieder einen Milliardenumsatz einbringen. Auch die deutsche Spielergemeinde wird daran ihren Anteil haben. Laut einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung betrug der Umsatz mit Videospielsoftware in Deutschland 2010 insgesamt 1,86 Milliarden Euro – ein Wachstum von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über 22 Millionen Bundesbürger nutzen heute virtuelle Spiele.
Kritische Debatten drehen sich dabei oft nur um die Frage der dargestellten Gewalt. Welche politischen Aussagen die Spiele verbreiten, wird in der Öffentlichkeit kaum thematisiert. Dabei sind die in den Spielen erzählten Geschichten oft hoch brisant. Ebenso wie die Machenschaften der sie produzierenden Firmen.

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Friedenskundgebung in Kassel

In Kassel fand heute eine Kundgebung gegen den Export von – teilweise in Kassel produzierten – „Leopard 2″-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien statt.

Fotos von der Kundgebung, bei der auch Protestunterschriften an den Oberbürgermeister übergeben wurden, gibt es hier auf meinem flickr-Account.

utopia-Archiv

Von der Jugendzeitung utopia wird es erstmal keine neuen Ausgaben geben – das Projekt liegt auf Eis. Die Redaktion – von der ich ein Teil war – blickt auf 21 Ausgaben zurück. Damit diese auch für die Nachwelt erhalten bleiben habe ich alle utopia-Ausgaben (chronologisch von Nummer 1 bis 21) nochmal an dieser Stelle hochgeladen – einfach auf die Titelseite der jeweiligen Ausgabe klicken und das PDF öffnet sich – viel Spaß beim stöbern!











Bleibt tapfer! Wir sind weg…

- Dies ist die – vorläufig – letzte Ausgabe der utopia. Zum Abschied die kleine Geschichte der libertären Jugendzeitung -

Gerade hältst du die letzte Ausgabe der 2007 gegründeten Jugendzeitung utopia in den Händen. Eine von insgesamt etwa 2.076.400 utopia-Zeitungen [die Zahlen in diesem Text sind aktueller als die auf der utopia-Website], die im Laufe der Jahre gedruckt wurden. Nimmt man alle 21 Ausgaben zusammen, kommt man auf einen Gesamtauflage von etwa 391.300 Exemplaren. 112 unterschiedliche Seiten im „Berliner“ Zeitungsformat wurden von der utopia-Redaktion erstellt und in den Zeitungen abgedruckt. Nach der Statistik neugierig auf mehr Informationen über die utopia? Gerne!

„Kein Bock auf Bleiwüste? Kein Bock, jedes zweite Wort im Fremdwörterbuch nachschlagen zu müssen? Na gut, so schlimm ist die Graswurzelrevolution nicht…“, so begann im Frühjahr 2007 der in der libertären Monatszeitung Graswurzelrevolution (GWR) abgedruckte Aufruf zur Gründung einer neuen Jugendzeitung. Kurz darauf bekam das neue Zeitungsprojekt den Namen „utopia“. Mit der GWR waren wir von Anfang an fest verbunden. Am 22. Juli 2007 traf sich die Redaktion – damals drei Leute – erstmals, um die Jugendzeitung für eine gewaltfreie und herrschaftslose Gesellschaft zu basteln. Gleich bei dem Treffen in Münster wurde das noch in dieser Ausgabe zu sehende utopia-Logo entworfen. Außerdem wurde natürlich die erste Ausgabe geplant.

Die gedruckte Zeitung
Die erste Ausgabe der Zeitung erschien im September 2007 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren – wie seitdem immer lagen rund 3.500 Zeitungen der vollen Auflage der GWR bei. Die restlichen Zeitungen gingen an Jugendzentren, SchülerInnenvertretungen, Infoläden, linke Gruppen und (Klamotten-) Versände, die die utopia auslegten bzw. ihren Bestellungen beilegten. Auch auf Demonstrationen wurde die Jugendzeitung verteilt. Die Resonanz war gut und die Auflage der zweiten Ausgabe kletterte schon auf 11.500 Stück. Scheinbar hatten wir sowohl inhaltlich als auch praktisch – die Jugendzeitung konnte kostenlos über die utopia-Website www.jugendzeitung.net bestellt werden – einen Nerv getroffen. Auch die Redaktion vergrößerte sich mit jeder Ausgabe – mehr als zehn Leute waren es aber nie. Die Auflage kletterte weiter bis auf 25.000 Exemplare. Auch die Erscheinungsweise änderte sich. Mit der dritten Ausgabe für Februar und März 2008 erschien die Zeitung nun alle zwei statt alle drei Monate. So ging es bis zur fünfzehnten Ausgabe weiter – dann kam die nächste große Änderung: die utopia wurde wieder eine Quartalszeitung, die Seitenzahl wurde dafür aber von bisher vier auf acht Seiten verdoppelt! So konnten wir Portokosten sparen und hatten im Jahresschnitt dennoch mehr Seiten zur Verfügung.

Das Online-Magazin
Damit konnte unser Schreibwille aber noch immer nicht gestillt werden. Neben der gedruckten Ausgabe wurde ein Online-Magazin aufgebaut. Die einfache weiß-pinke utopia-Website musste im April 2008 einer schicken weiß-blau-grauen mit integriertem Online-Magazin weichen. Mit einigen Ausnahmen schafften wir es, etwa alle drei Tage einen neuen Artikel auf die Seite zu stellen. Hinzu kam die gedruckte Ausgabe, die von Beginn an komplett online zu lesen war. Auch heute noch könnt ihr dort alle Artikel nachlesen. Anfang 2010 gab es dann eine weitere Umstellung der Website – nun ist sie violett und etwas moderner gestaltet. Auch twitter, MySpace, Facebook sowie Schüler- und StudiVZ blieben nicht vor uns sicher.

Die Krisen
Es gab aber auch Schattenseiten. Das Online-Magazin wurde im Januar 2010 eingestellt, da die Redaktion zu klein wurde und wir uns entschlossen, uns auf die gedruckte Zeitung zu konzentrieren. Als die utopia gerade drei Jahre alt wurde, traf uns (doch relativ unerwartet) ein Schock: durch hohe Druck- und vor allem Vertriebskosten hatten wir mit den letzten Ausgaben (Nummer 17 war gerade erschienen) ein dickes finanzielles Minus gemacht. Wie immer standen uns die Freund_innen der Graswurzelrevolution, die auch das Konto der utopia verwalteten und die Buchführung machten, hilfsbereit zur Seite. Sie trugen die Schulden mit – bei der utopia musste sich aber etwas ändern. Bisher konnte die Zeitung kostenlos abonniert werden. Die vierstelligen Druck- und Vertriebskosten konnten mit Anzeigen und Spenden aber nicht mehr gedeckt werden. Daher sollten die Abonnent_innen (mit Ausnahmen) nun zumindest die Vertriebskosten selbst zahlen. Unseren bisherigen Abo-Stamm gaben wir auf, weshalb die Auflage auf 14.000 bzw. 13.000 sank.

Mit der schwindenden Auflage sank bei vielen Redaktionsmitgliedern auch die Motivation. Einige verließen die Redaktion, andere hielten den Betrieb gerade so aufrecht. Zudem hatten und haben viele utopia-Redakteur_innen mittlerweile neue Projekte. Nur noch wenige Leute sind heute wirklich bei der utopia aktiv. Richtig arbeitsfähig waren wir in den letzten Monaten nicht mehr. Daher nun das Ende des Projekts.
Wir sind traurig und blicken wehmütig, aber auch zufrieden auf die 21 Ausgaben utopia zurück. Wir haben „utopia“ zwar nicht erreicht, doch mit den Zeitungen hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken gebracht und ihnen so eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft nahegebracht. Wir hatten dabei trotz einiger Hürden viel Spaß! Und wer sagt, dass es die utopia nicht irgendwann wieder geben wird? Reanimation möglich!

Die utopia Redaktion

Zeitung machen für Dummies

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 21 (Winter 2011)

Die utopia macht dicht – doch Medienvielfalt ist wichtig. Jetzt seid ihr dran!

Bevor du beginnst deine eigene Zeitung zu machen, musst du dir erst einmal viele Fragen beantworten: Wen willst du mit der Zeitung erreichen? Über welche Themen soll berichtet werden? Wie viele Leute sind für das Projekt nötig? Wie wird es finanziert? Wie oft soll die Zeitung erscheinen? Und wie wird sie vertrieben? Wenn du zum Beispiel mit deiner politischen Jugendgruppe eine Zeitung für euren Ort machen willst, reicht es anfangs sicherlich erst einmal aus, regelmäßig ein doppelseitig kopiertes DIN A4- oder A3-Blatt als Zeitung herauszugeben. Das sollte aber möglichst regelmäßig – also beispielsweise immer am Monatsanfang – passieren. Die Kosten sind dabei gering und die Zeitungen können einfach in die Briefkästen gesteckt werden. Anders ist es da bei einer Zeitung mit breiter Verteilung wie der utopia – da braucht es schon eine gewisse Vertriebs- und Finanzierungs-Struktur. Egal was du planst, folgende Tipps können bei deinem Zeitungsprojekt helfen.

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