erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 15. Mai 2012
- Aufruf zum Protest gegen ein Benefizkonzert der Big Band der Bundeswehr in München. Ein Gespräch mit Katharina Meyer-Ilse -
Katharina Meyer-Ilse ist beim Antimilitaristischen Bündnis München aktiv
Am Dienstag, den 22. Mai, gibt die Big Band der Bundeswehr auf dem Odeonsplatz in München ein Benefizkonzert. Es soll Geld für die Special Olympics, einer Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, gesammelt werden. Warum protestieren Sie gegen eine solche Wohltätigkeitsveranstaltung?
Es handelt sich dabei unserer Ansicht nach nur oberflächlich betrachtet um eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Es wird dort nämlich einen Info-Truck für Jugendliche geben, um sie für eine Karriere beim Militär anzuwerben. Die Bundeswehr nutzt die schlechte Situation am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt aus, um Kanonenfutter für die Kriege der Zukunft zu ködern. Dabei ist sie selbst einer der Gründe für die Ausbildungsmisere, denn mit den Milliarden, die in Rüstung und Auslandseinsätze gesteckt werden, könnte man viel mehr sinnvolle und sichere Arbeitsplätze schaffen.
Daß dies bei einem Benefizkonzert zugunsten behinderter Menschen geschehen soll, ist nur noch zynisch. So mancher deutsche Soldat ist verkrüppelt aus dem Auslandseinsatz zurückgekommen. Viele erleiden dauerhafte psychische Traumata. Was in den Ländern, in denen die Bundeswehr im kriegsähnlichen Einsatz ist, an körperlichen und psychischen Schäden in der Bevölkerung angerichtet wird, wird aber gar nicht erst dokumentiert. Diese Menschen erhalten keine teure Nachbehandlung, Entschädigung oder dergleichen. Denen helfen auch die Special Olympics nichts. Sie kommen in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande gar nicht vor.
Nicht zuletzt soll mit solchen Veranstaltungen das Auftreten von Militär in der Öffentlichkeit zur Normalität werden. Auch das wollen wir nicht unkommentiert hinnehmen. Die Big Band ist mit ihren Benefizveranstaltungen eine Art Image-Polierer für die Bundeswehr. Tatsächlich ist sie aber die Begleitmusik für Angst, Elend und Tod.
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Am 8. Mai – dem Tag der Befreiung vom Faschismus – haben AktionskünstlerInnen 2012 im nordhessischen Kassel die Holländische-Straße in Halit-Yozgat-Straße umbennant. Halit Yozgat wurde 2006 in einem Internet-Café in der Holländischen-Straße von Neonazis des NSU erschoßen.
Die Stadt Kassel weigert sich die Straße wie vom Vater Halit Yozgats gefordert zum Gedenken in den Namen seines ermordeten Sohnes umzubennen und hat stattdessen nur einen Platz vor dem Hauptfriedhof zum Halit-Platz erklärt. Fotos von der inoffiziellen Straßen-Umbennenungs-Aktion gibt es hier auf meinem flickr-Account.
erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 8. Mai 2012
Studierende und Uni-Mitarbeiter machen Druck gegen Militärforschung
Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiter, startete die bundesweite Aktionswoche gegen Militärforschung an deutschen Hochschulen. In vielen Städten – etwa in Rostock und München – reihten sich Studierende und Universitätsangestellte in die Gewerkschaftsdemonstrationen ein, um auf ihr Anliegen ziviler und friedlicher Forschung und Lehre aufmerksam zu machen. Ziel der Initiativen ist es, eine sogenannte Zivilklausel in der Grundordnung ihrer Hochschule zu verankern. Damit würden sich die Einrichtungen verpflichten, nicht mehr für militärisch-kriegerische Zwecke zu forschen. An vielen Universitäten fanden in den vergangenen Tagen teils aufsehenerregende Aktionen statt.
Im nordhessischen Kassel machte ein erst im März gegründeter »Arbeitskreis Zivilklausel« von Studierenden und Uni-Mitarbeitern mit Kunstblut, Plastikpanzern und Transparenten auf die an ihrer Hochschule betriebene Militärforschung aufmerksam. In der Stadt, die viele große Rüstungsbetriebe beherbergt, will der Universitätssenat demnächst einen Beschluß fassen, mit dem die Wehrforschung zementiert und eine Zivilklausel kategorisch ausgeschlossen wird. Die studentischen Vertreter im Senat werden daher einen gemeinsam mit den Zivilklausel-Aktivisten ausgearbeiteten Änderungsantrag einbringen: »Die Wissenschaft darf sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen«, erklärte Jörg Schrader vom AK Zivilklausel Kassel zu dem Senatsantrag. Die Studierenden übergaben Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep am vergangenen Mittwoch eine kleine Fahne mit einem durchgestrichenen Panzer. Für die Zukunft planen die nordhessischen Militärkritiker eine Urabstimmung über eine Zivilklausel unter den Studierenden.
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erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 27. April 2012
An immer mehr Universitäten gründen sich Initiativen gegen Militärprojekte. Bundesweit gut vernetzte Bewegung macht mit Aktionen Anfang Mai für eine Zivilklausel mobil
Die Militarisierung von Forschung und Lehre nimmt ohne Zweifel zu«, konstatiert Dr. Dietrich Schulze. Er weiß, wovon er spricht. Der Ingenieur war von 1966 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1984 bis 2005 Betriebsratsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe. Die Einrichtung ist 2009 im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aufgegangen: War Militärforschung für das Forschungszentrum noch verboten, ist sie in der neuen Einrichtung erlaubt – und wird sogar aktiv betrieben. »An der Universität werden kognitive, intelligente Landfahrzeuge entwickelt«, so Schulze. Etwa zehn Millionen Euro sollen in die Erforschung der Fahrzeugdrohnen gesteckt werden. Die abgewählte baden-württembergische CDU-Landesregierung verneinte auf damalige Oppositionsanfrage zwar jegliche militärischen Zwecke des Projekts, in der Steuerungsgruppe sitzen laut Recherchen der Militärforschungsgegner aber zwei ausgewiesene Rüstungswissenschaftler – einer kommt direkt von der Bundeswehr-Universität in München, der andere ist in Personalunion Uni-Institutsleiter und Chef eines militärisch forschenden Fraunhofer-Instituts.
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erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 26. April 2012
Ralf Willinger ist Kinderrechtsexperte beim Kinderhilfswerk »terre des hommes«
Herr Willinger, heute findet der Mädchenzukunftstag »Girls’Day« statt, bei dem junge Frauen in typische Männerberufe reinschnuppern können. Die Bundeswehr ist dabei einer der größten Anbieter von …
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erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 14. April 2012
- Protestaktion vor einem Messestand der Bundeswehr hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Ein Gespräch mit Anna Sander -
Anna Sander ist aktiv beim »Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung« in Stuttgart. Sie steht jetzt vor Gericht, weil sie gegen die Bundeswehr demonstrierte
Im Februar vergangenen Jahres fand in Stuttgart die »didacta« statt – mit knapp 100000 Besuchern die größte Bildungsmesse Europas. Wie jedes Jahr gehörte auch die Bundeswehr zu den Ausstellern. Sie haben dagegen protestiert und wurden prompt festgenommen – jetzt steht der Gerichtsprozeß an. Weshalb eigentlich?
Mir und meinem Mitangeklagten wird vorgeworfen, bei unserer Aktion in drei Fällen Uniformen und den Teppich des Bundeswehr-Messestandes mit Ketchup verschmutzt zu haben. Wir haben uns auf den Boden vor dem Stand gelegt und wollten mit dem Ketchup das Blut von Kriegsopfern symbolisieren. Dazu haben wir über einen Lautsprecher auch noch Töne von Explosionen und Gewehrschüssen abgespielt. Der bei unserer Aktion entstandene Sachschaden durch die Ketchup-Flecken soll sich auf 100 Euro belaufen.
Wie hat die Bundeswehr denn auf die Aktion reagiert?
Im Raum Stuttgart kommt es auf Messen fast immer zu Aktionen gegen Werbestände der Bundeswehr. Von daher war der Protest für deren Offiziere sicher nicht ganz überraschend. Zudem schien es mir, daß die Polizei schon bereitstand, sie war nämlich sehr schnell an Ort und Stelle. Auch die Feldjäger haben sofort eingegriffen und versucht, die Aktion zu unterbinden.
Die Bundeswehr kann mit Kritik nicht umgehen, deshalb muß sie wohl zu solchen Mitteln greifen. Dennoch konnten wir auf der »didacta« einige Zeit einen Gegenpol zur Armeepropaganda bilden. Unsere Gruppe hat aber dann Hausverbot für den gesamten Bereich der Messe bekommen und sich auch entfernt. Ich und eine weitere Person wurden aber von der Polizei festgehalten und sogar zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit auf die Wache genommen – scheinbar suchten die Beamten irgend jemand, den sie für diese Aktion verantwortlich machen können.
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erschienen am 9. April 2012 bei Telepolis (www.telepolis.de)
- Videospiel-Produzenten werden zunehmend in der Rüstungsbranche tätig -
„Crytek“ ist eines der erfolgreichsten Software-Unternehmen in Deutschland. 1999 von den drei türkischstämmigen Brüdern Faruk, Avni und Cevat Yerli in Coburg gegründet, beschäftigt das Unternehmen mit heutigem Sitz in Frankfurt am Main mittlerweile 600 Mitarbeiter rund um den Globus. Mit First-Person-Shootern wie „Far Cry“ und „Crysis“ erlangte Crytek weltweite Bekanntheit.
Vom Anfang 2011 erschienenen „Crysis 2″ wurden über 3 Millionen Exemplare verkauft. Vor allem die von der Softwarefirma entwickelte Spiel-Engine – die visuelle, akustische sowie physikalische Darstellung im virtuellen Raum – wird sowohl bei Spielern als auch in der Fachwelt viel gelobt. Im vergangenen Dezember wurde Crytek der Deutsche Entwicklerpreis 2011 in der Kategorie „Gamestechnologie“ verliehen. Der Preis wird vom NRW-Medienministerium und der Filmstiftung-Nordrhein Westfalen vergeben. Das ausgezeichnete CryEngine genannte Videospiel-Grundgerüst reicht nah an die Realität heran. Die Software ist so gut, dass sich nicht nur andere Videospiel-Hersteller dafür interessieren – auch das Militär gehört heute zum festen Crytek-Kundenstamm.
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Rund 600 Menschen nahmen heute trotz schlechten Wetters am traditionellen Ostermarsch der Friedensbewegung im nordhessischen Kassel teil. In zwei Demonstrationszügen bewegten sich die Kriegsgegner zum Rathaus, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Meine Fotos von der Aktion gibt es hier zu sehen!
Rund 5.000 Menschen demonstrierten am 31. März 2012 in Frankfurt am Main gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem.

Der Protest in der Bankenmetropole fand im Rahmen des europäischen Aktionstags gegen Kapitalismus – kurz „M31″ – statt. In etwa vierzig weiteren europäischen Städten gab es Protestaktionen. Meine Fotos von der antikapitalistischen Demonstration in Frankfurt gibt es hier.