Archiv für Mai 2008

Die »dreckigen Deals« der Deutschen Bank

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 29.Mai 2008

Umweltschützer und Friedensaktivisten kritisieren Geldinstitut bei heutiger Hauptversammlung

Mit dem Slogan »Leistung aus Leidenschaft« tritt die Deutsche Bank in der Öffentlichkeit auf. Auch moralisch setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben hohe Standards – zumindest hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren so viele ökologische und soziale Erklärungen unterzeichnet wie kein anderes deutsches Geldinstitut. Auch auf der Homepage wird am sauberen Image gebastelt: »Moral und Markt sind kein Gegensatz«, verkündet der Vorstandschef Josef Ackermann dort in einer Pressemitteilung. An anderer Stelle brüstet sich die Bank damit, für die chinesischen Erdbebenopfer Spenden zu sammeln. Einen völlig anderen Eindruck von den Aktivitäten des Finanzinstituts bekommt, wer das von der Menschenrechts- und Umweltschutzorganisation »urgewald« erstellte »Deutsche Bank Dossier« durchliest, das am heutigen Donnerstag bei der Hauptversammlung in Frankfurt am Main verteilt wird.

weiterlesen

Clowns kaperten Spürpanzer. Protest gegen Bundeswehr bei Sportfest in Gütersloh

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 24.Mai 2008

Schon Bierwagen und Bratwurstbuden mögen nicht so recht zum Landesturnfest passen, das noch bis Sonntag im ostwestfälischen Gütersloh stattfindet. Noch fremder wirkt allerdings der »KarriereTreff« mitten auf der »NRW-Olympiade«, die am Donnerstag eröffnet wurde. Nicht Vertreter von Jobcentern oder Unternehmen bieten den Jugendlichen hier das Gespräch an, sondern die der Bundeswehr. Minderjährige grübeln beim Quiz »Auf Zack!« über Fragen des Kalibers »Wie viele Soldaten und Soldatinnen leisten Dienst im Heer?« Zu gewinnen gibt es Bundeswehr-Rucksäcke und Propagandamaterial. Ein paar Schritte weiter steht der Flugsimulator, in dem sich die Jugendlichen ordentlich durchschütteln lassen können. Wer nett fragt, darf auch mal in den »Fuchs«-Spürpanzer klettern und Soldat spielen. Sanitätsfahrzeug, Feldjäger-Motorrad und zwei »Segways« – einachsige Selbstbalance-Roller – runden den Auftritt der Truppe auf dem Schulhof des Reinhard-Mohn-Berufskollegs ab.

22.Mai 2008 - Gütersloh - Clownsarmee

Der Anwerbeversuch der Bundeswehr blieb allerdings nicht unkommentiert. Am Donnerstag nachmittag marschierten mit lautem Getöse zehn Clowns und weitere Demonstranten zum »KarriereTreff«. Die Soldaten waren sichtlich verwirrt, während die Kinder ihren Spaß daran hatten, daß die olivgrünen Soldaten mit dem bunten Staubwedel gesäubert wurden.

weiterlesen

Heute lacht ihr – morgen strahlt ihr!

erschienen im Semesterspiegel (SSP) 375 der Uni Münster (www.semesterspiegel.de)

Atommülltransporte durch Münster und das Münsterland – Normalerweise haben wohl nur die StudentInnen in den Fachbereichen Chemie und Physik etwas mit radioaktiven Materialien zu tun. Doch beinahe monatlich fahren Züge mit gefährlichem Atommüll durch Münster. Sie betreffen uns alle.

Es ist kalt an diesem Mittwochabend, dem 5. März 2008. In den Straßen der Münsteraner Innenstadt tummeln sich noch zahlreiche Menschen. Die meisten Pendler und Studenten haben den Heimweg angetreten. Die Menschenmassen drängen sich durch den schäbigen Hauptbahnhof der Domstadt. Züge fahren ein und aus. Alles scheint normal. Selbst als sich ein langer Güterzug durch den Bahnhof schiebt scheint diese Rushhour wie an jedem anderen Werktagsabend zu sein. Einzig das vermehrte Polizeiaufkommen, eine kleine Gruppe Demonstranten und winzige gelbe Schilder an den Güterwaggons könnten die ahnungslosen Menschen am Hauptbahnhof nachdenklich stimmen. Was war also in dem Güterzug?

Geheime Fracht für Russland
Man schmeckt es nicht, man riecht es nicht. Nur die kleinen „radioaktiv“-Schildchen an den dunkelroten und braunen Güterwaggons lassen die Fracht erahnen: Radioaktiver Atommüll. Keine abgebrannten Brennstäbe wie bei Castor-Transporten, sondern abgereichertes Uran, so genanntes Uranhexafluorid, fährt beinahe monatlich durch das Münsterland.

weiterlesen (SSP 375 – Seite 14)

„Camilo meldet sich bei den Streitkräften“

erschienen im Semesterspiegel (SSP) 375 der Uni Münster (www.semesterspiegel.de)

Rezension des Films: „CAMILO – Der lange Weg zum Ungehorsam“ von Peter Lilienthal.

Mehr als 4.000 US-Soldaten kamen bisher beim Irak-Feldzug der USA und ihrer Verbündeten ums Leben. Rund 30.000 US-Soldaten wurden verletzt. Was nur die wenigsten wissen: 4.600 US-Soldaten desertierten seit Beginn des Irak-Krieges und blieben der Armee fern – sie werden seitdem von der eigenen Armee gejagt.

Am 17. April feierte der Film „CAMILO – Der lange Weg zum Ungehorsam“ von Regisseur Peter Lilienthal im Cinema an der Warendorfer Straße Premiere.

Der Film handelt vom ersten US-Deserteur im Irak-Krieg – Camilo Mejia – der nach sechsmonatigem Irak-Einsatz bei einem zweiwöchigen Heimaturlaub die US-Armee verließ.

weiterlesen (SSP 375 – Seite 32)

Kommentar zum Referendum in Burma

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Am Samstag hielt die Militärregierung des durch den Zyklon Nargis verwüsteten Landes ein Verfassungsreferendum ab. Die Militärjunta ignorierte zahllose Appelle aus aller Welt, das Referendum angesichts von zehntausenden Toten und mehr als einer Million weiterer Opfer zu verschieben. Nur in einigen am stärksten von der Naturkatastrophe in Mitleidenschaft gezogenen Landesteilen wurde das Referendum ausgesetzt. Das Militär spricht von einer hohen Wahlbeteiligung und einer überwältigenden Zustimmung von 90 – 100 Prozent.

Die Opposition in dem armen Land spricht wohl zu Recht von Wahlfälschung. Die Leute sollen massiv eingeschüchtert worden sein und die Auszählungen hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben. Politiker in aller Welt kritisieren die Politik der Militärjunta: internationale Hilfe wird nur zaghaft ins Land gelassen und das Verfassungsreferendum ist undemokratisch. Dabei haben gerade die EU-Staaten – mit Ausnahme Irlands – kein Recht das Verfassungs-Referendum in Burma zu kritisieren.

weiterlesen

Uranmunition: Weltweit im Einsatz

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

BBC-online berichtete Ende April von einer erhöhten Krankheitsrate bei Kindern in Afghanistan. Die signifikante Zunahme von Frühgeburten und Missbildungen führen afghanische Ärzte auf den Einsatz von Depleted Uranium (DU) Munition in Granaten und anderen militärischen Geschossen zurück. Die wahrscheinlichen Verursacher – vornehmlich die US-Armee und die anderen am Hindukusch stationierten Armeen – und die befreundete afghanische Regierung, weisen den Vorwurf zurück. Dabei scheinen die Fakten eindeutig.

Was ist Uranmunition?
DU-Munition besteht zu einem Teil aus dem hochgiftigen Schwermetall Uran, das radioaktiv ist. Schon die Nationalsozialisten versuchten sich im Bau von Uran-Munition. Der Vorteil: die hohe Dichte des Urans zerschlägt die meisten Panzerungen. So wird Uran ausnahmslos in der Spitze von Panzer- und Bunkerbrechender Munition eingesetzt. Verwendeten die Nationalsozialisten allerdings noch Natururan in ihrer Munition – die es übrigens nie zu voller Reife schaffte – wird in heutiger DU-Munition abgereichertes Uran verwendet, was auch der Namensgeber der Munition ist. Abgereichertes Uran – so genanntes Uranhexafluorid (UF6) oder Depleted Uranium (DU) – ist ein Abfallprodukt aus der Urananreicherung, die nötig ist um Uran in Atombomben und Kraftwerken spalten zu können.

weiterlesen

Kampfansage an die Atommafia

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 6.Mai 2008

Im westfälischen Ahaus trafen sich AKW-Gegner aus europäischen Ländern zu einer Frühjahrskonferenz

Am Wochenende trafen sich rund 150 Atomkraftgegner, um sich international zu vernetzen. Aus der gesamten Bundesrepublik sowie aus Rußland, Finnland, Schweden, Ungarn, Frankreich und den Niederlanden reisten Aktivisten ins westfälische Ahaus.

Die Teilnehmer stellten zunächst ihre örtlichen Aktivitäten vor: Russische Aktivisten kämpfen zur Zeit besonders gegen Atommüllimporte. »Wir haben Container aus Frankreich und den USA entdeckt«, erzählte der Petersburger Rashid Alimow. Doch auch deutscher Müll wird nach Rußland gebracht.

weiterlesen

E.on wäscht sich grün

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 3.Mai 2008

»Etikettenschwindel« bei Kohle und Atom: Umweltschützer protestieren auf Hauptversammlung von Deutschlands größtem Energiekonzern

Der in 30 Ländern tätige multinationale Energiegigant E.on fuhr im Jahr 2007 einen Gewinn von 9,2 Milliarden Euro ein – knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum verlor der Konzern 400000 Kunden. Jetzt stellte die Menschenrechts- und Umweltorganisation urgewald einen alternativen Geschäftsbericht auf der Aktionärsversammlung des umstrittenen Konzerns vor.

e.on Hauptversammlung 2008

In der Werbung stellt sich der Energiekonzern e.on am liebsten als Klimaschützer und sauberer Energielieferant dar und wirbt mit seinem Gezeitenkraftwerk. Anläßlich der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch hatten sich Umweltschützer vor dem Tagungsort – der Essener Grugahalle – versammelt, um über die Machenschaften von Deutschlands größten Energiekonzern aufzuklären. »Unser Schattenbericht zeigt, daß das Herzstück der E.on-Geschäfte nach wie vor dreckige Energie und dreister Machtmißbrauch ist. 37 Prozent des E.on-Stroms kommt aus Kohlekraftwerken und fast 50 Prozent aus Atomkraftwerken (AKW), die Berge radioaktiven Mülls hinterlassen«, erklärte Heffa Schücking von urgewald. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt bei elf Prozent.

weiterlesen