Archiv für Juni 2008

Semesterspiegel 376

Für den Semesterspiegel habe ich als freier Mitarbeiter schon einige Artikel geschrieben. Seit dieser Ausgabe bin ich nun auch im Redaktionsteam des Semesterspiegels (SSP) der Universität Münster – was mich sehr freut! Der SSP ist die Zeitung der Studierenden in Münster und erscheint während des Semesters monatlich mit einer Auflage von rund 3.500 Exemplaren. Die Zeitung liegt an verschiedenen Stellen in der Uni aus und ist auch online auf der Homepage lesbar. Neben einem Artikel über Kriegsdenkmäler in Münster (siehe unten) konnte ich mit einigen Fotos zur 376. Ausgabe der Zeitschrift beitragen. Außerdem habe ich – wie sich das als Redakteur so gehört – noch ein paar „normale“ redaktionelle Aufgaben übernommen. Viel Spaß beim lesen!

Semesterspiegel 376 (PDF)

Zweifelhafte Helden

erschienen im Semesterspiegel (SSP) 376 der Uni Münster (www.semesterspiegel.de)

In Münster gibt es nicht nur zahlreiche Skulpturen, sondern auch Denkmäler, die zum erinnern und nachdenken anregen sollen. Woran erinnert wird, ist in vielen Fällen jedoch streitbar.

Täglich strömen die Massen der Studierenden aus der Münsteraner Innenstadt zur Mensa am Aasee und zurück. Nur die wenigsten werden dabei schon den großen grauen Klotz mit den dunklen Tafeln beachtet haben, der am Fuße der Aegidiischanze steht. „Den gefallenen Helden des Kürassierregiments V Driesen Westf. No.4 zum Gedächtnis“ ist in den Beton an der Vorderseite des Denkmals gemeißelt. Darüber drei schwarze Metallplatten mit Abbildungen. Auf der linken Tafel sind Soldaten beim Werfen von Handgranaten zu sehen, in der Mitte ein Kürassier mit Pickelhaube auf seinem Pferd mit Blick auf ein Soldatengrab. Auf der rechten Tafel sind zwei Kürassiere, von denen einer ein Fernglas hält, zu sehen. An der Spitze des 1964 errichteten Denkmals sind Rüstung, Schwerter und Fahnen aus Metall nachgebildet. Daneben die Jahreszahlen 1717 und 1919, die Zeit, in der das Regiment bestand.

Kriegsdenkmal an der Aegidiischanze in Münster (NRW)

Das zuletzt in Münster stationierte 4. Kürrasierregiment nahm an vielen Kriegen teil. Neben den schlesischen und napoleonischen Kriegen waren die Kürassiere ebenso am deutsch-französischen Krieg und auch am ersten Weltkrieg beteiligt. Auch Erhebungen der Bevölkerungen in Polen und Baden wurden von den Reitern niedergeschlagen. Das Denkmal an der Aegidiischanze soll vor allem an den ersten Weltkrieg erinnern, an dem Angriffskrieg war das Regiment vom ersten Tag an beteiligt.

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Kick it like Hessen! Studentenproteste in Nordrhein-Westfalen

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 19.Juni 2008

Düsseldorf. Lautstark machten am Dienstag nachmittag rund 2500 Studenten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf ihren Unmut über den Bildungsnotstand Luft. »Fünf vor zwölf« trafen sich Studierende aus ganz NRW um, motiviert vom Erfolg in Hessen, die sofortige Abschaffung der Studiengebühren in ihrem Bundesland zu fordern.

17.Juni 2008 - Studentendemo - Düsseldorf

»Das hier etwas grundsätzlich falsch läuft, dürfte sogar der schwarz-gelben Landesregierung nicht entgangen sein«, erklärte die Sprecherin des LandesAstenTreffens NRW, Kerstin Reichel, mit Verweis auf rückläufige Immatrikulationszahlen.

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»Atommüll wird weiter durch das Münsterland geschickt«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 12.Juni 2008

Widerstand gegen Entsorgung von Uranhexafluorid in Rußland erfolgreich. Nun wird Gift nach Frankreich gebracht. Ein Gespräch mit Matthias Eickhoff – Sprecher des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

Immer wieder wird Atommüll durch das dicht bewohnte Münsterland transportiert – kürzlich bereits zum vierten Mal in diesem Jahr. Atomkraftgegner fordern den sofortigen Stopp der Transporte. Sind sie wirklich so gefährlich?

Es wird Uranhexafluorid transportiert, das als Abfallprodukt in der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau anfällt. Wenn dieser Stoff mit Wasser in Berührung kommt – dazu reicht auch schon Luftfeuchtigkeit! – bildet sich die tödliche Flußsäure. Selbst Experten aus der Atomindustrie rechnen bei einem schweren Unfall damit, daß es – je nach Wetterlage – bis in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern Tote geben kann.

Und wohin gehen die Behälter?

Der Uranmüll wird auf Nimmerwiedersehen nach Rußland gebracht. Urenco, die Betreiberfirma der deutschen Urananreicherungsanlage, spart damit viel Geld. Die Kosten für die langfristige Entsorgung an Ort und Stelle wären enorm.

Warum nehmen die Russen den gefährlichen Stoff überhaupt an?

Das geht auf Verträge aus den 90er Jahren zurück. Damals hatte Rußland große Überkapazitäten bei der Urananreicherung, die sie mit dem Material aus Westeuropa besser nutzen wollte. Zum andern…

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Freizeitspaß mit tödlichen Folgen – die Armee braucht neue Soldaten.

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Wenn sich 1.100 Jugendliche für ein Wochenende treffen um sich in vier verschiedenen Funsportarten zu messen, hört sich das zunächst einmal gut an. Wenn der Veranstalter dann sogar noch die Kosten für Anreise und Verpflegung übernimmt und auch die Schlafplätze gratis zur Verfügung gestellt werden hört sich das – gerade in Zeiten hoher Armut – sogar grandios an. Doch schon hier könnte der eine oder die andere misstrauisch werden. Denn was gibt es heute noch gratis?

Vom 30. Mai bis 1. Juni 2008 fanden im nordrhein-westfälischen Warendorf die „Bw-Olympix ’08“ statt. Die „Bw-Olympix“ sind kein normales Jugendsportevent. Zwischen Beachvolleyballfeld und Streetballhalle reihen sich Panzer, Hubschrauber und andere militärische Gerätschaften. Die „Bundeswehr-Olympix“ sind eine Veranstaltung des Jugendmarketings der deutschen Armee um neue Rekrutinnen und Rekruten für den weltweiten Kriegseinsatz zu werben. Neben dem Sport konnten sich die deutschen Jugendlichen (TeilnehmerInnen mussten die deutsche Staatsangehörigkeit nachweisen) gleich beim Wehrdienstberater über eine „Karriere“ bei der Armee informieren oder gleich in den ausgestellten Kampfpanzer Leopard 2 steigen.

Bw-Olympix 2008 - Warendorf - 30.Juni 2008 - Leopard2 Panzer

Auch ein Spähpanzer vom Typ Fennek war mit voller Ausrüstung – samt Granatwerfer und Aufklärungsdrohne – auf dem Gelände der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf zu finden. Die Panzerbesatzungen standen für Fragen bereit und erklärten den jungen Menschen bereitwillig die komplizierte Technik der Armeefahrzeuge.

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Utopia Nummer 5 ist raus!

Es war wieder viel Arbeit aber es hat sich gelohnt – in den letzten Tagen wurde die fünfte Ausgabe der herrschaftslosen und gewaltfreien Jugendzeitung Utopia gedruckt und ausgeliefert! Neben dem Thema Abschiebung/Migration – zu dem ich auch einen Artikel beisteuern konnte – geht es in dieser Ausgabe auch um die Verschwendung von Lebensmitteln, das Thema „Pelz“ und Tierrecht so wie Kapitalismus(-kritik).

Nachdem die Utopia im September 2007 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren gestartet ist, hat die Zeitung mittlerweile eine Auflage von 16.000! Die vierte Ausgabe – mit einer Auflage von 12.000 – war innerhalb weniger Wochen vergriffen. Die Zeitung für junge Menschen kann als PDF online gelesen oder auf der Homepage www.jugendzeitung.net kostenlos bestellt und abonniert werden. Utopia ist Luxus!

Utopia Nr.5 – Sommer 2008 (PDF)

Abschiebung ins Fremde

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 5 (Sommer 2008)

Ende Oktober 2006 wurde die fünfköpfige Familie Thadchanamoorthy nach Sri Lanka abgeschoben. Eine Abschiebung, beispielhaft für alle, die täglich in der Bundesrepublik Deutschland stattfinden.

Kiddinan Thadchanamoorthy flüchtete 1994, seine Frau Menaka 1999 vor dem schwelenden Bürgerkrieg in Sri Lanka. Das Ehepaar stellte einen Asylantrag und lebte fortan im nordrhein-westfälischen Warendorf. Auch für ihr drei Kinder Apisan (8), Apirami (5) und Apinaeja (3), die alle in Deutschland zur Welt kamen, wurde ein solcher Antrag gestellt. Alle Anträge wurden abgelehnt.

Während des Aufenthalts in Warendorf integrierten sich die Thadchanamoorthys in die Gesellschaft: die Kinder besuchten den Kindergarten und die Schule, der Vater arbeitete und die Familie nahm am Gemeindeleben teil. Am 17. Oktober 2006 änderte sich dies schlagartig: Herr Thadchanamoorthy wurde – ohne etwas verbrochen zu haben – in das Abschiebegefängnis Büren gesperrt. Menaka wurde in das Gefängniskrankenhaus Fröndenberg gebracht – nachdem sie im Bürgerkrieg misshandelt wurde, leidet sie unter einem Trauma. Die drei Kinder – das jüngste wurde noch gestillt – wurden dem Jugendamt übergeben. Die ganze Familie wurde auseinander gerissen – mit Berufung auf das deutsche Ausländerrecht.

Ein Wiedersehen gab es erst im Flugzeug nach Sri Lanka – dem Land aus dem das Ehepaar geflohen war und das die drei Kinder noch nie gesehen hatten. Am 25. Oktober wurde die Familie abgeschoben – jedoch ohne Papiere. Zwar hatten die Behörden der Familie ein Visum für Sri Lanka besorgt, doch dies war auf den Flughafenbereich beschränkt.

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Atommüllzug blockiert

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Atommülltransport von der Urananreicherungsanlage in Gronau nach Russland wurde – wie schon im Januar – von einer Atomkraftgegnerin blockiert. Demonstration gegen den Atommüllexport in Münster.

Nachdem der Transport schon zwei Mal verschoben wurde rollte am vergangenen Mittwoch erneut ein Zug mit giftigem Uranmüll durch das Münsterland. Anti-Atom-Initiativen riefen zu Protesten gegen den hochgefährlichen Atomtransport auf. Im nordrhein-westfälischen Münster beteiligten sich rund 70 Leute an einer bunten Demonstration.

4. Juni 2008 - Anti-Atom-Demo - Münster

Die Aktivisten warteten jedoch vergeblich auf die Durchfahrt des Zuges durch den Münsteraner Hauptbahnhof. Die französische Atomkraftgegnerin Cécile Lecomte hing – wie schon im Januar – zwischen Bäumen über den Gleisen und hinderte den Uranmülltransport an der Weiterfahrt. Trotz des Einsatzes mehrerer Hundertschaften und eines Hubschraubers gelang es der Französin sich bei Steinfurt-Borghorst zwischen die Bäume zu hängen.

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Probleme bei der Urenco

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Atommülltransport erneut verschoben. Erweiterung der Urananreicherungsanlage immer noch nicht in Betrieb gegangen.

Die Probleme der Betreiberfirma der einzigen Urananreicherungsanlage Deutschlands häufen sich. Nachdem ein Atommülltransport von der Gronauer Atomanlage nach Russland schon am 16. Mai nicht fuhr, ist der Transport auch am vergangenen Mittwoch ausgefallen – obwohl der Zug samt Lokomotive bereitstand. Auch die Polizei zeigte sich aufgrund des nun schon zum zweiten Mal verschobenen Transports sichtlich verwirrt. Auch das für den Transport nahe dem Rotterdamer Hafen bereitstehendes Schiff wurde wieder wegbeordert. Urenco äußert sich grundsätzlich nicht zu den misslungenen Atommülltransporten. Wann die Güterwaggons – die noch immer voll beladen auf dem Gelände der Anreicherungsanlage stehen – nach Russland aufbrechen ist unbekannt. Laut Urenco endet der Atommüllexport aber definitiv am 1.Januar 2009.

Auch beim Ausbau der Anlage ist es zu unerwarteten Verzögerungen gekommen. Schon im vergangenen Sommer kündigte die Urenco an, den Erweiterungsbau im Oktober 2007 in Betrieb zu nehmen.

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