Abschiebung ins Fremde

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 5 (Sommer 2008)

Ende Oktober 2006 wurde die fünfköpfige Familie Thadchanamoorthy nach Sri Lanka abgeschoben. Eine Abschiebung, beispielhaft für alle, die täglich in der Bundesrepublik Deutschland stattfinden.

Kiddinan Thadchanamoorthy flüchtete 1994, seine Frau Menaka 1999 vor dem schwelenden Bürgerkrieg in Sri Lanka. Das Ehepaar stellte einen Asylantrag und lebte fortan im nordrhein-westfälischen Warendorf. Auch für ihr drei Kinder Apisan (8), Apirami (5) und Apinaeja (3), die alle in Deutschland zur Welt kamen, wurde ein solcher Antrag gestellt. Alle Anträge wurden abgelehnt.

Während des Aufenthalts in Warendorf integrierten sich die Thadchanamoorthys in die Gesellschaft: die Kinder besuchten den Kindergarten und die Schule, der Vater arbeitete und die Familie nahm am Gemeindeleben teil. Am 17. Oktober 2006 änderte sich dies schlagartig: Herr Thadchanamoorthy wurde – ohne etwas verbrochen zu haben – in das Abschiebegefängnis Büren gesperrt. Menaka wurde in das Gefängniskrankenhaus Fröndenberg gebracht – nachdem sie im Bürgerkrieg misshandelt wurde, leidet sie unter einem Trauma. Die drei Kinder – das jüngste wurde noch gestillt – wurden dem Jugendamt übergeben. Die ganze Familie wurde auseinander gerissen – mit Berufung auf das deutsche Ausländerrecht.

Ein Wiedersehen gab es erst im Flugzeug nach Sri Lanka – dem Land aus dem das Ehepaar geflohen war und das die drei Kinder noch nie gesehen hatten. Am 25. Oktober wurde die Familie abgeschoben – jedoch ohne Papiere. Zwar hatten die Behörden der Familie ein Visum für Sri Lanka besorgt, doch dies war auf den Flughafenbereich beschränkt.

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1 Antwort auf „Abschiebung ins Fremde“


  1. 1 Elisabeth Wiengarten 20. August 2008 um 21:33 Uhr

    Hallo Michael,
    danke für deine kompetente Unterstützung. Ich telefonierte gestern mit Herrn Thadchanamoorthy. Der Familie geht es sehr schlecht, der NGO-Vertreter, den wir für rechtliche Unterstützung gewinnen konnten, musste das Land verlassen.
    Wir hoffen und kämpfen aber weiter.
    Alles Gute und viele Grüße
    Elisabeth

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