»Atommüll wird weiter durch das Münsterland geschickt«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 12.Juni 2008

Widerstand gegen Entsorgung von Uranhexafluorid in Rußland erfolgreich. Nun wird Gift nach Frankreich gebracht. Ein Gespräch mit Matthias Eickhoff – Sprecher des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

Immer wieder wird Atommüll durch das dicht bewohnte Münsterland transportiert – kürzlich bereits zum vierten Mal in diesem Jahr. Atomkraftgegner fordern den sofortigen Stopp der Transporte. Sind sie wirklich so gefährlich?

Es wird Uranhexafluorid transportiert, das als Abfallprodukt in der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau anfällt. Wenn dieser Stoff mit Wasser in Berührung kommt – dazu reicht auch schon Luftfeuchtigkeit! – bildet sich die tödliche Flußsäure. Selbst Experten aus der Atomindustrie rechnen bei einem schweren Unfall damit, daß es – je nach Wetterlage – bis in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern Tote geben kann.

Und wohin gehen die Behälter?

Der Uranmüll wird auf Nimmerwiedersehen nach Rußland gebracht. Urenco, die Betreiberfirma der deutschen Urananreicherungsanlage, spart damit viel Geld. Die Kosten für die langfristige Entsorgung an Ort und Stelle wären enorm.

Warum nehmen die Russen den gefährlichen Stoff überhaupt an?

Das geht auf Verträge aus den 90er Jahren zurück. Damals hatte Rußland große Überkapazitäten bei der Urananreicherung, die sie mit dem Material aus Westeuropa besser nutzen wollte. Zum andern…

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