Totalverweigerer in Isolationshaft

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 20. Oktober 2008

Junger Flensburger seit zwei Wochen im Bundeswehrarrest. Solidaritätsgruppe bittet um Unterstützung

Jan-Patrick Ehlert aus Flensburg sitzt seit zwei Wochen im Bundeswehrarrest. Er hat am 1. Oktober zu seinem Einberufungstermin in der Barnim-Kaserne im brandenburgischen Strausberg seine Totalverweigerung erklärt. Am darauffolgendem Tag wurde er über das Wochenende in den »Heimaturlaub« geschickt. Am 6. Oktober mußte er erneut in der Kaserne antreten, verweigerte jedoch wie zuvor jeden Befehl. Zwei Tage später wurde er in die Kurmark-Kaserne in Storkow versetzt. Die Solidaritätsgruppe »Deutschland total verweigern« sah darin reine Schikane: »Wahrscheinlich wollen sie ihn so weiter von der Öffentlichkeit isolieren.« Auch die mitgebrachten Bücher wurden dem Kriegs- und Zivildienstverweigerer teilweise abgenommen. Dann brach der Kontakt zu Ehlert fast eine Woche lang ab. Weder die Solidaritätsgruppe noch Anwalt und Familie bekamen ihn zu sprechen. Der zuständige Hauptmann Laatz war nicht zu erreichen. Besuche wurden von der Bundeswehr vereitelt und Auskünfte verweigert. Erst Ende vergangener Woche teilte Laatz dem Anwalt mit, daß sich Ehlert nun im Fliegerhorst Holzdorf befindet, und »daß es ihm soweit gut gehe«.

Der Fliegerhorst Holzdorf liegt etwa 100 Kilometer entfernt von Berlin und verfügt nicht einmal über eine Bahnanbindung. »Mitten im Nichts«, schreibt die Solidaritätsgruppe. »Durch die Verlegung in diesen Ort verfolgt die Bundeswehr weiterhin die Strategie, Jan-Patrick Ehlert auch geographisch zu isolieren«, so die Unterstützer des Totalverweigerers. Diese Strategie sei in Storkow nicht aufgegangen und werde auch diesmal nicht aufgehen.

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