Uranmunition – Ein vergessenes Thema

aus der Graswurzelrevolution (GWR) 332 / Oktober 2008

Obwohl schon lange im Einsatz, kommen die tödlichen Folgen von verschossener Uranmunition erst langsam zum Vorschein. Industrie und Regierungen versuchen das hohe Risiko von abgereicherter Uranmunition zu vertuschen. Auch deutsche Unternehmen sind beteiligt: ein politischer Skandal.
Laut US-Veteranen-Vereinigung sind mittlerweile 11.000 US-Sol­datInnen an den Spätfolgen des Golfkrieges Anfang der 1990er Jahre gestorben. Hunderttau­sende leiden an der Krankheit, deren Symptome Abgeschla­genheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gliederschmerzen und in schweren Fällen Krampfanfälle sind. Auch SoldatInnen, die im Bal­kankrieg kämpften, zeigen ähnliche Symptome. Die Rede ist vom Golfkriegs- bzw. Balkansyndrom. Kritische Wissen­schaftlerInnen und ÄrztInnen sind sich bei der Ursache einig: Uranmunition.
Rund 14 Tonnen hochgiftiges Uran sollen in den 1990er Jahren auf dem Balkan verschossen worden sein, wobei der Fo­cus um die Stadt Sarajevo lag. Im Golfkrieg 1991 wurden sogar 320 Tonnen abgereichertes Uran (depleted uranium; DU) verschossen.
Da abgereichertes Uran 1,7-Mal dichter als Blei ist, hat es eine enorme Durchschlagskraft. Als sich westliche Militärstrategen in den 1970er Jahren auf große Panzerschlachten vorbereiteten, suchten sie einen neuen – Panzerknackenden – Rohstoff und fanden ein Abfallprodukt aus der Atomindustrie: abge­reichertes Uran. Schon die Nationalsozialisten forschten an Granaten mit Spitzen aus Uran, das neben der hohen Durchschlagskraft zur Stabilisierung der Flugbahn des Geschosses beiträgt. Die Nazis brachten die Geschosse aber nicht zur Se­rienreife – zudem arbeiteten sie mit Natururan und nicht mit ab­gereichertem Uran.

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