Archiv für November 2008

»Bulgarien zieht ein AKW als Schwarzbau hoch«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 27. November 2008

Umweltorganisation fordert Druck auf den Stromriesen RWE, damit er sich nicht am Reaktorbau beteiligt. Ein Gespräch mit Heffa Schücking

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE wollte kürzlich eine 1,5 Milliarden Euro schwere Beteiligung am Bau des umstrittenen bulgarischen Atomkraftwerks Belene beschließen – tat es dann aber doch nicht. Ist der Deal damit geplatzt?

Das steht noch nicht fest. Eine Mehrheit des Aufsichtsrats war am 2. November nicht bereit, die Investitionspläne von RWE-Chef Jürgen Großmann zu genehmigen. Das bedeutet aber noch nicht, daß es tatsächlich eine Mehrheit gegen das Projekt gibt. Es zeigt aber immerhin, daß einige Aufsichtsratsmitglieder Bedenken haben und daß das Gremium auf die öffentliche Kritik reagiert. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, weiter Druck auf RWE auszuüben, um diese gefährliche und unverantwortliche Investition zu kippen.

Gäbe es nicht noch andere Investoren?

Das ist möglich, denn unsere Erfahrung zeigt, daß man auch die schlimmsten Großprojekte oft mehrmals verhindern muß. Ein Ausstieg der RWE würde aber ein deutliches Signal an andere Investoren und Banken senden und ihnen zeigen, daß es beim Belene-Projekt enorme Probleme gibt. Das würde den Kraftwerksbau um einiges schwieriger machen und hätte auch Rückwirkungen auf die Diskussion in Bulgarien.

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Uranmunition in Afghanistan: „Bis jetzt liegen noch keine Beweise vor“

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Michael Schulze von Glaßer im Gespräch mit Henk van der Keur, Experte für Uranmunition bei der niederländischen NGO Laka (www.laka.org).

Die Zahl sterbender Kinder in Afghanistan steigt stetig. Ärzte führen dies auf die Verwendung radioaktiver Munition während des letzten Krieges zurück. Was ist so besonders an dieser Munition?

Bis jetzt liegen noch keine Beweise für den Einsatz von radioaktiver Munition – beispielsweise von Panzerabwehr-Granaten aus abgereichertem Uran – In Afghanistan vor. Die einzigen, die dies seit Jahren behauptet sind die Leute des Uranium Medical Research Center (UMRC), geleitet von Dr. Asaf Durakovic. Diese Institution besitzt jedoch keinen guten Ruf. Sie lieferten Proben von Afghanistan zu Dr. Axel Gerdes Labor in Frankfurt am Main. Auf Grund der Ergebnisse behauptet das UMRC, dass die Proben hohe Konzentrationen von natürlichem Uran enthalten. Noch eine nicht-verifizierbare Behauptung der UMRC ist, dass die Armee der Vereinigten Staaten natürliches Uran in ihrer Munition verwendet, um Spuren von Depleted Uranium zu verbergen, da das Isotopen-Verhältnis von natürlichem Uran dasselbe ist, wie das von Uran in der Natur, den Mineralien um uns und in uns selbst. Gerdes lehnt diese Behauptungen jedoch ab. Die Konzentrationen der Proben waren nicht außerordentlich hoch.
Ich bin der Überzeugung, dass Indizienbeweise für den Einsatz von DU in Afghanistan existieren, leider nur keine eindeutigen Beweise.
Abgereichrtes Uran – also Depleted Uranium (DU) – ist ein Nebenprodukt der Urananreicherung. Besonders bei der Erzeugung von stark angereichertem Uran für Atomwaffen, Forschungsreaktoren und U-Boot-Reaktoren werden enorme Mengen an abgereichertem Uran geformt. Deshalb besitzen die Staaten mit nuklearen Waffen gewaltige Bestände an abgereichertem Uran, welches das schwerste Metall auf der Erde ist. Auf Grund der hohen Dichte und Härte wird es für Panzerabwehr-Granaten verwendet.
Es ist in der Lage, die Rüstung von Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen zu durchdringen. Eine weitere Eigenschaft von DU ist sein so genanntes pyrophorisches [luftentzündendes] Verhalten. Das schwere Metall entzündet sich selbst und brennt schon bei einer relativ niedrigen Temperatur. Metallstaub des DU brennt bei Zimmertemperatur und die entsprechenden Metallstücke bei 450 Grad Celsius. Wenn eine solche Granate auf eine Panzerung trifft, entzündet sich das Projektil und winzige Staubpartikel verbreiten sich in der Umgebung. Soldaten und Zivilisten können diese Partikel einatmen. Einmal kontaminiert, bleiben die schwer löslichen Oxid-Partikel jahrzehntelang im Körper. Dies wurde im letzten Jahr bei ehemaligen Arbeitern einer Munitionsfabrik in den Vereinigten Staaten – welche bereits 1980 geschlossen wurde – bewiesen.

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Deutschlands atomare Zukunft

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Langsam versank die Sonne am Horizont, an diesem Mittwochabend – dem 5. März 2008. In den Straßen der Münsteraner Innenstadt tummelten sich noch zahlreiche Menschen – die meisten PendlerInnen und StudentInnen hatten den Heimweg angetreten. Die Menschenmassen drängten sich durch den schäbigen Hauptbahnhof der Domstadt. Züge fuhren ein und aus – alles schien normal. Selbst als sich ein langer Güterzug durch den Bahnhof schob schien diese Rushhour wie an jedem anderen Werktagsabend zu sein. Einzig das vermehrte Polizeiaufkommen, eine kleine Gruppe Demonstranten und winzige gelbe Schilder an den Güterwaggons hätten die ahnungslosen Menschen am Hauptbahnhof nachdenklich stimmen können – was war in dem Güterzug?

Man schmeckt es nicht, man riecht es nicht: nur die kleinen „radioaktiv“-Schildchen an den dunkelroten und braunen Güterwaggons lassen die Fracht erahnen – radioaktiver Atommüll. Keine abgebrannten Brennstäbe wie bei Castor-Transporten, sondern abgereichertes Uran – so genanntes Uranhexafluorid – fährt mehrmals im Jahr durch das Münsterland.

9.April 2008 - Urantransport - Münster Hauptbahnhof

Sieht harmlos aus, steckt aber voller radioaktivem Uranhexafluorid: ein Atommülltransport (hier kurz vor der Durchfahrt durch den Münsteraner Hauptbahnhofs am 9. April 2008).

Per Zug wird die gefährliche Fracht zunächst von der Stadt Gronau über die Stationen Steinfurt – Münster – Greven – Rheine – Bad Bentheim – Almelo (Niederlande) bis nach Rotterdam gebracht – dabei passiert der Zug noch zahlreiche andere Städte. Im Rotterdamer Hafen wird der deutsche Atommüll auf ein Schiff verladen. Über Nord- und Ostsee geht es bis ins russische Sankt Petersburg. Die letzten rund Zweitausend Kilometer bis zum Ziel legt der Atommüll wieder per Güterzug zurück. Endstation: Sibirien.

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THTR – Pannenreaktor mit Zukunft?!

erschienen im „Utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Im westfälischen Hamm steht ein stillgelegter Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR). Der Reaktor ging 1983 in Betrieb und wurde nach zahlreichen Pannen und dem Austritt radioaktiver Strahlung bereits 1989 heruntergefahren – trotzdem gelten THTR-Reaktoren als Zukunft der Atommeiler.

Niemand hatte geahnt, was am 4. Mai 1986 im Forschungsreaktor in Hamm-Uentop geschah – alle Welt blickte nach Tschernobyl, wo 8 Tage zuvor ein Atomreaktor explodiert war. Im THTRHamm klemmten am 4. Mai 1986 mehrere Kugelbrennelemente in dem Rohrabzugssystem des Atomreaktors und wurden schließlich mit erhöhtem Druck in die Umwelt geblasen. Die Messanlagen waren zu dieser Zeit aufgrund von Wartungsarbeiten abgeschaltet. Anstatt den schweren Vorfall zu melden, versuchte die Betreiberfirma ihn zu vertuschen. Erst durch Messungen von UmweltschützerInnen wurde bekannt, dass die erhöhte Radioaktivität im Ruhrgebiet nicht nur von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl her rührte, sondern auch aus dem THTR Hamm stammte. Diese und weitere Pannen sowie allgemeine Sicherheitsbedenken führten schon 1989 – nach nur 423 Betriebstagen – zur Abschaltung des Hochtemperaturreaktors in Norden des Ruhrgebiets.

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Das Geschäft mit dem Uran

erschienen in der Wochenzeitung Freitag vom 6. November 2008

ATOMANLAGE IN GRONAU - Atomausstieg hin oder her, die Urananreicherung in Gronau ist lukrativ. Ein Unternehmen geht auf Expansionskurs

Man schmeckt es nicht, man riecht es nicht: nur die kleinen gelben Schildchen an den braunen Güterwaggons lassen die Fracht erahnen: radioaktiver Atommüll. Keine abgebrannten Brennstäbe wie bei Castor-Transporten, sondern abgereichertes Uran – so genanntes Uranhexafluorid – fährt mehrmals im Jahr durch das Münsterland. So auch am 5. März 2008: Durch den Hauptbahnhof in Münster rollt ein Zug mit 75 Fässern. Ihr Inhalt: insgesamt knapp 940 Tonnen äußerst giftiges, strahlendes Uranhexafluorid. Auf der Schiene wird die gefährliche Fracht zunächst von der Stadt Gronau über die Stationen Steinfurt – Münster – Greven – Rheine – Bad Bentheim – Almelo (Niederlande) bis nach Rotterdam gebracht. Dort wird der deutsche Atommüll verschifft und geht über Nord- und Ostsee bis ins russische Sankt Petersburg. Die letzten rund 2.000 Kilometer bis zum Ziel legt der strahlende Müll wieder per Güterzug zurück. Endstation: Sibirien.

Atommüll nach Russland

Seit dem 15. August 1986 ist in der westfälischen Stadt Gronau die erste und einzige Urananreicherungsanlage (UAA) Deutschlands in Betrieb. Nahe der Grenze zu den Niederlanden wird Uran-238 im Zentrifugenverfahren angereichert. Dieses Verfahren ist für Kernspaltungen in Reaktoren der Atomkraftwerke notwendig. Betreiber der Anlage ist der multinationale Konzern Urenco. Dieser befindet sich zu drei gleichen Teilen im Besitz des britischen und niederländischen Staates sowie der Uranit GmbH, die wiederum den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE gehört. Die Urenco, die auch Anlagen im britischen Capenhurst und im niederländischen Almelo betreibt, hatte 2007 einen Umsatz von knapp über einer Milliarde Euro mit einem Reingewinn von 238,5 Millionen Euro.

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weiterlesen im PDF der Freitag 45 Seite 7

Druckfrisch: utopia 7

Anfang November ist die nunmehr siebte Ausgabe der Jugendzeitung utopia mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren erschienen. Zur Erinnerung: als die erste utopia im Herbst 2007 erschien, betrug die Auflage lediglich 10.000 Exemplare. Doch nicht nur die gedruckte Ausgabe der utopia ist ein Erfolg, auch das utopia Online-Magazin verbucht mehr und mehr LeserInnen!

utopia 7 - logo

Schwerpunkt der aktuellen utopia bildet das Thema „Castor-Transport“ – der Atommülltransport rollt dieses Wochenende durch das Wendland. Daneben gibt es Artikel zu Geheimdiensten (siehe unten), Arbeitsfetischismus, Religion, „Pop & Mainstream“ und weitere tolle Artikel. Am besten einfach selbst lesen:

utopia-Website und Online-Magazin

utopia 7 (PDF)

Von Schlapphüten und Spitzeln

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 7 (November/Dezember 2008)

Die deutschen Geheimdienste sind in den vergangenen Jahren immer wieder negativ aufgefallen. Sie bespitzelten JournalistInnen und waren am völkerrechtswidrigen Krieg im Irak beteiligt. Ist eine demokratische Kontrolle von Geheimdiensten überhaupt möglich?

Utopia7 - Findus Cartoon - Geheimdienste

Die drei deutschen Geheimdienste – Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV; Inlandsgeheimdienst), Bundesnachrichtendienst (BND; Auslandsgeheimdienst) und Militärischer Abschirmdienst (MAD; Geheimdienst der Bundeswehr) – haben die Aufgabe Informationen zur innen-, außen- und sicherheitspolitischen Situation zu sammeln. Neben den drei großen Geheimdiensten gibt es in Deutschland zahlreiche kleinerer Behörden, die geheimdienstliche Tätigkeiten verrichten – beispielsweise die Landesämter für Verfassungsschutz oder auch die Zentralstelle für Information und Kommunikation der Bundespolizei. Die Behörden operieren oftmals verdeckt – ein parlamentarisches Kontrollgremium soll die Geheimdienste kontrollieren. Dass dies Schwierigkeiten bereitet, zeigen die Skandale der letzten Jahre.

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