Das Geschäft mit dem Uran

erschienen in der Wochenzeitung Freitag vom 6. November 2008

ATOMANLAGE IN GRONAU - Atomausstieg hin oder her, die Urananreicherung in Gronau ist lukrativ. Ein Unternehmen geht auf Expansionskurs

Man schmeckt es nicht, man riecht es nicht: nur die kleinen gelben Schildchen an den braunen Güterwaggons lassen die Fracht erahnen: radioaktiver Atommüll. Keine abgebrannten Brennstäbe wie bei Castor-Transporten, sondern abgereichertes Uran – so genanntes Uranhexafluorid – fährt mehrmals im Jahr durch das Münsterland. So auch am 5. März 2008: Durch den Hauptbahnhof in Münster rollt ein Zug mit 75 Fässern. Ihr Inhalt: insgesamt knapp 940 Tonnen äußerst giftiges, strahlendes Uranhexafluorid. Auf der Schiene wird die gefährliche Fracht zunächst von der Stadt Gronau über die Stationen Steinfurt – Münster – Greven – Rheine – Bad Bentheim – Almelo (Niederlande) bis nach Rotterdam gebracht. Dort wird der deutsche Atommüll verschifft und geht über Nord- und Ostsee bis ins russische Sankt Petersburg. Die letzten rund 2.000 Kilometer bis zum Ziel legt der strahlende Müll wieder per Güterzug zurück. Endstation: Sibirien.

Atommüll nach Russland

Seit dem 15. August 1986 ist in der westfälischen Stadt Gronau die erste und einzige Urananreicherungsanlage (UAA) Deutschlands in Betrieb. Nahe der Grenze zu den Niederlanden wird Uran-238 im Zentrifugenverfahren angereichert. Dieses Verfahren ist für Kernspaltungen in Reaktoren der Atomkraftwerke notwendig. Betreiber der Anlage ist der multinationale Konzern Urenco. Dieser befindet sich zu drei gleichen Teilen im Besitz des britischen und niederländischen Staates sowie der Uranit GmbH, die wiederum den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE gehört. Die Urenco, die auch Anlagen im britischen Capenhurst und im niederländischen Almelo betreibt, hatte 2007 einen Umsatz von knapp über einer Milliarde Euro mit einem Reingewinn von 238,5 Millionen Euro.

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