Deutschlands atomare Zukunft

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Langsam versank die Sonne am Horizont, an diesem Mittwochabend – dem 5. März 2008. In den Straßen der Münsteraner Innenstadt tummelten sich noch zahlreiche Menschen – die meisten PendlerInnen und StudentInnen hatten den Heimweg angetreten. Die Menschenmassen drängten sich durch den schäbigen Hauptbahnhof der Domstadt. Züge fuhren ein und aus – alles schien normal. Selbst als sich ein langer Güterzug durch den Bahnhof schob schien diese Rushhour wie an jedem anderen Werktagsabend zu sein. Einzig das vermehrte Polizeiaufkommen, eine kleine Gruppe Demonstranten und winzige gelbe Schilder an den Güterwaggons hätten die ahnungslosen Menschen am Hauptbahnhof nachdenklich stimmen können – was war in dem Güterzug?

Man schmeckt es nicht, man riecht es nicht: nur die kleinen „radioaktiv“-Schildchen an den dunkelroten und braunen Güterwaggons lassen die Fracht erahnen – radioaktiver Atommüll. Keine abgebrannten Brennstäbe wie bei Castor-Transporten, sondern abgereichertes Uran – so genanntes Uranhexafluorid – fährt mehrmals im Jahr durch das Münsterland.

9.April 2008 - Urantransport - Münster Hauptbahnhof

Sieht harmlos aus, steckt aber voller radioaktivem Uranhexafluorid: ein Atommülltransport (hier kurz vor der Durchfahrt durch den Münsteraner Hauptbahnhofs am 9. April 2008).

Per Zug wird die gefährliche Fracht zunächst von der Stadt Gronau über die Stationen Steinfurt – Münster – Greven – Rheine – Bad Bentheim – Almelo (Niederlande) bis nach Rotterdam gebracht – dabei passiert der Zug noch zahlreiche andere Städte. Im Rotterdamer Hafen wird der deutsche Atommüll auf ein Schiff verladen. Über Nord- und Ostsee geht es bis ins russische Sankt Petersburg. Die letzten rund Zweitausend Kilometer bis zum Ziel legt der Atommüll wieder per Güterzug zurück. Endstation: Sibirien.

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