»In Münster ist kein Platz für arme Menschen«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 10. Januar 2009

CDU und FDP wollen Häuserzeile mit preiswerten Wohnungen abreißen lassen. Jetzt gibt es wieder eine Hausbesetzung. Gespräch mit Silke Frein

Silke Frein ist Sprecherin der Hausbe­setzer der Grevener Straße 53 in Münster. (www.grevener.blogsport.de)

Obwohl den Mietern des vom Abriß bedrohten linken Ladenlokals »Versetzt« im westfälischen Münster bereits am 30. Dezember die Schlüssel durch die städtische Wohn- und Stadtbau GmbH abgenommen wurden, ist es nun doch zur Hausbesetzung gekommen – warum?

Die Wohn- und Stadtbau hat dem Verein für Autonomie, Soziokultur und Kommunikation als Mieter des linken Lokals alternativlos gekündigt. Das langjährig geforderte und einst von der Politik versprochene größeres soziale Zentrum ist indes noch immer nicht realisiert – es fehlt der politische Wille dazu. Das jetzt besetzte kleine Ladenlokal haben linke Aktivisten im Jahr 2000 nach der Räumung der Uppenbergschule bekommen. Die »Uppe« wurde nach sechswöchiger-Besetzung geräumt und dann abgerissen – heute ist da nur eine Sandfläche. Daß die Stadt die Gruppen und Initiativen nun auch aus der Übergangslösung herauswerfen möchte, wollten sie nicht hinnehmen. Einige Leute haben das Ladenlokal und auch den Rest des Hauses dann kurzerhand nach einer Silvesterparty besetzt und fordern seitdem den sofortigen Wiederbezug und eine Sanierung der Häuserzeile an der Grevener Straße.

Welches Ziel verfolgt die Stadt mit dem Abriß der Häuser?

Unter dem Stichwort »Gentrifizierung« betreibt die Münster schon seit langem eine generelle Aufwertung der Innenstadt, schon heute gibt es fast keinen preiswerten Wohnraum in zentraler Lage mehr. Münster ist eine Stadt für reiche Menschen und möchte sich damit im allgemeinen Standortwettbewerb behaupten. Für arme Menschen ist kein Platz. Zu diesem Aufwertungskonzept gehört auch die Grevener Straße. Die Bebauungspläne aus den 60er Jahren wurden wieder ausgegraben und vor zwei Jahren der Abriß der gesamten Häuserzeile beschlossen. Die ursprünglich vorgesehene Straßenverbreiterung ist heute nicht mehr vonnöten, da der Verkehr anders abgeleitet wurde an dem uralten Bebauungsplan hält die Stadt dennoch fest.

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