Briten üben den Krieg

erschienen als „IMI Analyse 2009/020″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

- Auf dem Militärübungsplatz Senne sollen neue „Kampfdörfer“ entstehen -

Seit Beginn des Afghanistan-Kriegs im Oktober 2001 sind 152 britische Militärangehörige getötet worden.[1] Im Irak beklagt das britische Verteidigungsministerium seit Beginn der Kampfhandlungen im März 2003 bereits 179 Tote.[2] Zu schaffen macht den Briten – wie auch den anderen im Irak und in Afghanistan stationierten Besatzern – vor allem die asymmetrische Kriegsführung[3] ihrer oft unsichtbaren Gegner. Um auf die unorthodoxe Bedrohung zu reagieren, trainieren die britischen Streitkräfte auf militärischen Übungsplätzen den Häuserkampf für den Einsatz im völkerrechtswidrigen Irak-Krieg – Schützenhilfe kommt dabei von der deutschen Regierung.

„British Forces Germany“
Die „Britischen Streitkräfte in Deutschland“ (engl. „British Forces Germany (BFG)“; bis 1994 „Britische Rheinarmee“) unterhalten noch immer zahlreiche Einrichtungen in Deutschland. Die britischen Liegenschaften konzentrieren sich in Nordrhein-Westfalen (u.a. Mönchengladbach, Münster, Bielefeld, Gütersloh, Herford, Paderborn) und Niedersachsen (u.a. Osnabrück, Celle). Trotz der nach Ende des Kalten Krieges begonnenen Streitkräfte-Umstrukturierung sind noch immer mehr als 20.000 britische Soldaten in Deutschland stationiert.[4] Die BFG ist damit die größte im Ausland stationierte Truppe des Vereinigten Königreichs. Allerdings sollen zwischen 2009 und 2014 einige Standorte geschlossen und die Zahl der britischen Soldaten auf etwa 15.000 reduziert werden.[5]
Die in Deutschland stationierten britischen Truppenteile gliedern sich in zwei Kommandoeinheiten – dem „United Kingdom Support Command“ mit Sitz in Mönchengladbach und der „1st (United Kingdom) Armoured Division“ mit Sitz in Herford – und sind für die britische Kriegsstrategie nicht unerheblich.[6] Immerhin leistet das „Support Command“ nicht nur für die in Deutschland stationierten britischen Streitkräfte administrative Aufgaben sondern für alle auf dem europäischen Festland.[7] Die „1st UK Armoured Divison“ besticht durch ihre militärische Schlagkraft: 176 schwere „Challenger 2“-Kampfpanzer, 273-„Warrior“-Schützenpanzer und 59 Panzerhaubitzen gehören zum Inventar der in Deutschland stationierten Division.[8]
Das enorme militärische Potential der BFG wird beispielsweise von der NATO ausgeschöpft: Die in der Bundesrepublik stationierten britischen Truppen gehören dem „Allied Command Europe Rapid Reaction Corps (HQ ARRC)“ – einem schnellen Eingreifkorps der NATO – an. Als Hauptquartier dient der Sitz des Unterstützungskommandos in Mönchengladbach.[9] Bisher in Deutschland stationierte britische Truppenteile kommen heute unter anderem im völkerrechtswidrigen Irak-Krieg zum Einsatz – die Vorbereitungen fanden auf deutschem Boden statt.

Üben für den Krieg
Wie aus lokalen Presseberichten hervorgeht, trainierten im Oktober 2008 etwa 4.100 britische Soldaten für ihren Einsatz im Irak.[10] Die Übung fand auf einem von der US-Armee verwalteten Truppenübungsplatz im bayerischen Hohenfels statt. Die bis dato im ostwestfälischen Paderborn und im westfälischen Münster stationierten Briten trainierten Autokontrollen, Hausdurchsuchungen, Festnahmen und Häuserkämpfe.[11] Auf dem Militärgelände in der Oberpfalz stehen gleich fünf künstlich angelegte Dörfer – so genannte Kampfdörfer –, die denen im Irak und in Afghanistan ähneln. Bei den Übungsszenarien kommen zahlreiche Statisten zum Einsatz um ein realitätsnahes Bild abzuliefern – oft irakische Flüchtlinge.[12] Das britische Militär möchte aber nicht länger auf den US-Übungsplatz zurückgreifen, sondern die eigenen Infrastruktur zur Ausbildung für Auslandseinsätze ausbauen.

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