„Bulgarien braucht das AKW Belene nicht“

erschienen am 21. April 2009 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- RWE will sich an dem Bau des bulgarischen Atomkraftwerks beteiligen, der bulgarische Atomexperte Kastchiev erklärt, warum das ein teurer und riskanter Unsinn ist -

Dr. Gueorgui Kastchiev war von 1989 bis 1994 Leiter der bulgarischen Atomenergieaufsicht. Zuvor war er einer der führenden Manager des einzigen bulgarischen Atomkraftwerks in Kozloduj. Heute ist Dr. Kastchiev leitender Atomexperte am Institut für Risikoforschung der Universität Wien. Am Mittwoch wird sich der Bulgare auf der Jahreshauptversammlung des deutschen Energiekonzerns RWE in Essen gegen die geplante 1,5 Milliarden Euro schwere RWE-Finanzbeteiligung am bulgarischen Atomkraftwerksneubau Belene aussprechen.

Warum raten Sie dem zweitgrößten deutschen Energieunternehmen vom Einstieg in den bulgarischen Atomkraftwerksneubau in Belene an der Donau ab?

Belene ist ein hochriskantes Projekt. Auf Grund der seismischen Risiken haben sowjetische Wissenschaftler schon 1983 von diesem Standort abgeraten. Die geplante russische Technik ist noch nirgends erprobt, und es gibt für sie keine unabhängige Sicherheitsabschätzung. Hinzu kommen die niedrige Sicherheitskultur und die hohe Korruption im bulgarischen Energiesektor. All diese Risiken potenzieren sich gegenseitig und können von RWE keineswegs beherrscht werden.

RWE verweist auf seiner Website zu Belene auf andere Atomkraftwerke in seismisch aktiven Regionen – beispielsweise in Japan und den USA. Die „Erdbebensituation“ könne man nicht „zum Ausschlusskriterium“ für das Belene-Atomprojekt machen, so der deutsche Energiekonzern…

Das wichtigste Sicherheitsprinzip besteht darin unnötige Risiken zu vermeiden. Weder RWE noch sein bulgarischer Partner haben jedoch bisher alternative Standorte untersucht. Außerdem reden wir hier über Bulgarien und nicht über die USA oder Japan. Dort gibt es strenge Baunormen, Erfahrungen mit großen Infrastrukturprojekten, gut ausgebildetes Personal, eine unabhängige Aufsichtsbehörde und viele andere Voraussetzungen, die es in Bulgarien nicht gibt. Und trotzdem hat man z.B. in Japan erlebt, dass die größte Atomanlage des Landes nicht ausreichend ausgelegt war für das Erdbeben, das dort 2007 stattfand. Seitdem stehen dort sieben Reaktoren still.

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