Münsters Tierquäler

erschienen im Semesterspiegel (SSP) 380 der Uni Münster (www.semesterspiegel.de)

„Blut, Blut, Blut an euren Händen – Pelz ist Mord“ hallt es durch die Windthorststraße. Der Himmel ist, wie so oft in Münster, wolkenbehangen. Leichter Nieselregen setzt ein – eine bedrückende Stimmung. Auf einem Plakat ist ein blutiger Tierkadaver zu sehen, darüber ein Satz: „Hier ist der Rest ihres Tieres“. Ein weiteres Plakat macht auf ein Tierversuchslabor aufmerksam: „Schauen Sie nicht weg!“. Über 450 Menschen protestierten an diesem 14. Juni 2008 bei trostlosem Wetter gegen Pelzhandel und Tierversuche. Denn was nur wenige wissen: Münster ist nicht nur ein Zentrum des Pelzhandels sondern auch Standort des größten Tierversuchslabors Europas.

„Der Pelzhandel gehört – abgeschafft!“

Seit dem 12. Oktober 2007 steht der Modekonzern ESCADA im Kreuzfeuer der Kritik von TierrechtlerInnen. An diesem Tag startete eine weltweite Kampagne gegen den Pelzhandel der ESCADA AG, die dem Unternehmen seitdem viele Negativ-Schlagzeilen bescherte. Die aktuelle Kampagne findet im Rahmen der „Offensive gegen die Pelzindustrie“ statt, die schon die Konzerne SinnLeffers, C&A, Kaufhof, Karstadt sowie Peek & Cloppenburg durch anhaltenden Protest dazu bewogen hat, keine Pelze mehr zu verkaufen. Über das Tochterunternehmen Primera AG mit Sitz in Münster vertreibt ESCADA Kleidung der Marken apriori, BiBA, cavita und Laurèl, welche ebenfalls Ziel der Kampagne sind. Die Bedeutung Münsters für die Pelzindustrie zeigt sich auch im Stadtbild: Seitlich der Münster-Arkaden stoppt der Demonstrationszug. Ein Aktivist mit einem Megafon fordert die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, durch ihr Konsumverhalten ein Zeichen gegen den Pelzhandel zu setzen. In den Arkaden findet sich eine Filiale der Marke BiBA. Nach einer Weile setzt sich der Demonstrationszug wieder langsam in Bewegung.

14. Juni 2008 - Tierrechts-Demo in Münster

„Wir machen euch Pelzfrei“ tönt es über die historischen Straßen der Altstadt. Über den Domplatz geht es bis vor das Rathaus. Plötzlich liegen die 450 PelzgegnerInnen auf dem Kopfsteinpflaster. „Was ist denn hier los?“ fragt ein irritierter Passant. Zahlreiche Menschen stehen interessiert neben den liegenden Demonstrant- Innen. „Dieser Anblick steht symbolisch für die vielen qualvoll ermordeten Pelztiere“, erklärt eine Aktivistin über Megafon. Nein, dieser Protest – ein so genanntes „Die-in“ – geht nicht an die Adresse des Rathauses, sondern an die ESCADA-Filiale auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Prinzipalsmarkts. Nachdem hunderte Flyer verteilt wurden zieht der Tross weiter. „Die haben ja nicht Unrecht.“, kommentiert ein Passant den friedlichen Protest. Das Pelzgeschäft Mersmann am Roggenmarkt ist nächstes Ziel des Protests. Das Münsteraner Unternehmen wirbt auf seiner Website mit dem Slogan „Gefühle zum Anfassen“ – eine makabere Anspielung auf die Leiden der für die Mersmann-Pelze getöteten Tiere? Weltweit werden jährlich 40 – 50 Millionen Tiere für die Herstellung von Pelzen getötet. In Deutschland gibt es heute etwa 40 Nerzfarmen, einige Fuchs- und Sumpfbiberfarmen sowie unzählige Chinchillazuchten. Rund 270.000 Tiere werden allein in der Bundesrepublik zur Herstellung von Pelzen gehalten – meist unter erbärmlichen Bedingungen. Nach einem trostlosen Leben folgt der Tod durch Gas, Genickbruch oder per Stromschlag. Das Fell wird vom Körper getrennt, der Kadaver landet im Müll.

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