»RWE hat kritische Fragen zum AKW Belene ignoriert«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 29. April 2009

Der Energiekonzern aus Essen will in Bulgarien russischen Atomreaktor mitfinanzieren – in einem Erdbebengebiet. Ein Gespräch mit Albena Simeonova

Albena Simeonova ist Biobäuerin und organisiert den Widerstand gegen den Atomkraftwerksneubau im bulgarischen Belene

Der deutsche Energiekonzern RWE möchte 1,5 Milliarden Euro in einen Atomkraftwerksneubau im bulgarischen Belene investieren. Warum ist das Belene-Projekt so gefährlich?

Im bulgarischen Belene soll ein russischer Reaktor gebaut werden, dessen Typ zuvor noch nie getestet wurde und für den keine Betriebserfahrung vorliegt. Außerdem ist das Gebiet erdbebengefährdet. 1977 kamen in der Region 120 Menschen bei einem Beben ums Leben. Und wie bei vielen anderen Atomprojekten ist auch in Belene nicht klar, was mit dem radioaktiven Müll passieren soll.

Sie waren vergangene Woche auf der Hauptversammlung des RWE-Konzerns und haben vor den Aktionären eine Rede gegen die Finanzierung von Belene gehalten – sind Sie mit Ihrem Auftritt zufrieden?

Es war gut, daß sich sogar große Aktionärsverbände kritisch zur Belene-Finanzbeteiligung ausgesprochen haben. Der Umgang mit den Umweltschützern war allerdings ernüchternd – die wurden nämlich an das Ende der Rednerliste gesetzt. Ich bin extra den weiten Weg aus Bulgarien gekommen, um mit RWE über Belene zu sprechen, aber der Konzernvorstand wollte davon überhaupt nichts wissen. Kurz bevor wir endlich ans Mikrofon durften, gab es auch noch eine Redezeitbeschränkung von 15 auf nur noch fünf Minuten – das war nicht sehr höflich.

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