Pannenreaktor

erschienen auf “Nachrichten heute” (www.nachrichtenheute.ch)

Am 4. Mai 1986 kam es zu einem der größten atomaren Störfälle in Deutschland – noch immer sollen die Folgen vertuscht werden.

„Wir wurden für einen hochgefährlichen Reaktortest als Versuchskaninchen missbraucht“, empört sich Horst Blume. Der 54-Jährige hat eine Unterschriftensammlung in der Region Lippetal/Hamm organisiert, um die Bundesregierung zur Erstellung einer Leukämiestudie zu bewegen. Bei der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm, in der Blume seit 1976 aktiv ist, sind in den letzten Jahren zahlreiche Meldungen von Bürgern über Krebsfälle in der Region eingegangen. Schuld ist der Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop, ist sich Blume sicher.

THTR-Hamm

Der Prototyp für Hochtemperaturreaktoren wurde 1984 nach langwieriger 13-Jähriger Bauzeit im östlichen Teil der Ruhrgebietsstadt Hamm fertig gestellt. Der Reaktor mit 300-Megawatt Leistung ging aber erst zwei Jahre später ans Netz. Als alle Welt nach Tschernobyl blickte geschah am 4. Mai 1986 ein schwerwiegender Unfall im Hammer-Reaktor. Im THTR klemmten gleich mehrere Kugelbrennelemente im Rohrsystem des Atomreaktors.
Die 6cm-Durchmesser umfassenden Brennelementekugeln zerbarsten und wurden schließlich mit hohem Druck in die Umwelt geblasen. Die Messanlagen waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Wartungsarbeiten abgeschaltet. Anstatt den schweren Vorfall zu melden, versuchte die Betreiberfirma VEW (heute RWE) ihn zu verschweigen. Erst durch Messungen von Umweltschützern – darunter Greenpeace und das Ökoinstitut – wurde bekannt, dass die erhöhte Radioaktivität im Ruhrgebiet nicht nur von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl her rührte, sondern auch aus dem THTR-Hamm stammte.

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