Armee umwirbt Kinder

erschienen am 10. Mai 2009 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Die Bundeswehr wirbt massiv unter Minderjährigen für den Dienst an der Waffe -

„Gut ausgebildete, gleichermaßen leistungsfähige wie leistungswillige Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Grundvoraussetzung für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, heißt es im aktuellen Weißbuch 2006 – zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr des Bundesministeriums der Verteidigung. Trotz eines generellen Personalabbaus beziffert die deutsche Armee ihren Personalbedarf in dem zukunftsweisenden Strategiepapier mit jährlich „20.000 jungen Frauen und Männern“. Um diesen Bedarf sicherzustellen, schreckt die Bundeswehr auch nicht davor zurück Minderjährige anzuwerben.

„Bw-Beachen ’09 – Spaß und Action garantiert“, mit diesem Slogan wirbt die Bundeswehr in diesem Jahr für ihren Jugendsportevent. Über eintausend Jugendliche können an dem kostenlosen Beachvolleyball- und Beachsoccer-Turnier teilnehmen. Alle „Bw-Beachen“-Teilnehmern „erwartet neben den sportlichen Wettkämpfen ein super Rahmenprogramm mit prominenten Sportlern, Infotainment, Fun-Programm sowie Partys mit angesagten DJs, Radio Andernach und der Big Band der Bundeswehr“, heißt es dazu auf der Eventeigenen Website. Der erste Ausscheidungswettkampf findet vom 8. bis 10. Mai 2009 in der Bundeswehr-Sportschule im westfälischen Warendorf bei Münster statt – Turniere an der Offiziersschule des Heeres Dresden und am Marinestützpunkt Wilhelmshaven folgen. Dabei verfolgt die Armee ihr eigenes Ziel: „Bewerben kannst du dich, wenn du 16 oder 17 Jahre alt bist“ und „die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt“. Der Teamsport-Event ist kein einfacher Freizeitspaß für unter 18-Jährige, hier soll der Armee-Nachwuchs rekrutiert werden. Das die Bundeswehr Minderjährige anwirbt hat System.

2008-05-22 - Bundeswehr KarriereTreff Gütersloh

Das Anwerben von Kindern durch die Bundeswehr war beim diesjährigen „Girls‘Day“ kein Einzefall: „Beim Heer testeten 40 Mädchen das Leben der Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 26 in Merzig. Nach einem kurzen Hallo um 8.00 Uhr morgens ging es direkt in die Packer-Halle. Dort zeigte ein Soldat, wie ein Fallschirm für den Sprung gepackt und vorbereitet wird. Kaum fertig, durfte die 13-jährige Lena Schmitt auf den 15 Meter langen Tisch steigen und losrennen. Den Schülerinnen wurde so gezeigt, wie sich der Schirm bei einem Sprung aus dem Rucksack fädelt“, heißt des in dem Bericht der Bundeswehr-Zeitung weiter. Es ist zu befürchten, dass unter den rund 7.800 Mädchen, die an diesem Tag an Armee-Veranstaltungen teilnahmen noch weitaus mehr Kinder waren. Das Anwerben unter 18-Jähriger für den Dienst an der Waffe beschränkt sich aber nicht nur auf Veranstaltungen wie dem „Bw-Beachen“ oder dem „Girls‘Day“.

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