„Die Bundeswehr muss Helden produzieren“

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Über tausend Soldaten werden am 20. Juli in Berlin ein Gelöbnis abhalten. Dass sie das vor dem Reichstag machen, zeige den Willen der Bundeswehr, die Gesellschaft zu militarisieren, sagt der Friedens-Aktivist Frank Brendle im Interview mit der utopia.

Frank Brendle ist Geschäftsführer des Landesverbands Berlin-Brandenburg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und organisiert den Gelöbnix-Protest in Berlin mit.

utopia: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am letzte Woche Montag zusammen mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) die ersten Ehrenkreuze der Bundeswehr für Tapferkeit an Soldaten verliehen. Warum gibt es auf einmal wieder solche Auszeichnungen, dass erinnert doch stark an längst vergangene Kriegsepochen?

Frank Brendle: Je mehr die Bundeswehr in die Kritik kommt – beispielsweise durch den Einsatz in Afghanistan – desto mehr ist die Armee darauf angewiesen, vorzeigbare ‚Helden’ zu produzieren. Die deutsche Armee befindet sich derzeit in einer Propaganda-Kampagne: das ‚Ehrenmal’ der Bundeswehr wird am Verteidigungsministerium gebaut, am 20. Juli soll ein Gelöbnis vor dem Reichstag stattfinden und auch die Einführung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit gehört zu dieser Kampagne. Das deutet alles daraufhin, dass die Bundeswehr versucht, Anerkennung in der Gesellschaft und damit auch für ihren Umbau zur Angriffsarmee zu erhalten.

Das Gelöbnis am kommenden Montag, dem 20. Juli, haben Sie schon angesprochen – wie genau läuft so etwas ab?

Über eintausend Soldaten werden anwesend sein. Von denen sprechen vierhundert das Gelöbnis. Dabei handelt es sich um Wehrpflichtige, die erst vor wenigen Wochen von der Bundeswehr eingezogen wurden und für das Gelöbnis offiziell in die Pflicht genommen werden. Die anderen sechshundert Soldaten werden aus Ehrenkompanien bestehen – auch ein Blasmusik-Orchester der Bundeswehr wird anwesend sein. Dazu kommen zahlreiche Militärpolizisten und über 2000 Ehrengäste – die breite Öffentlichkeit wird jedoch ausgesperrt. Obwohl die Bundeswehr öffentlichen Raum besetzt wird die Bevölkerung ausgeschlossen.

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