„Die gesellschaftliche Befreiung der Tiere erreichen“

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Vom 27. bis zum 30. August findet auf der „Burg Lohra“ zwischen Göttingen und Erfurt ein „Tierbefreiungskongress“ statt. utopia wollte wissen, worum es bei dem Kongress genau geht und was es mit „Tierbefreiung“ auf sich hat. Dazu haben wir mit Katrin Weinert aus dem Organisationsteam des Kongresses gesprochen.

utopia: „Tierbefreiungskongress“ – das hört sich erstmal an, als würden dort Leute darüber diskutieren wie man am besten Scheunentore aufbricht um Kühe frei zu lassen. Liege ich da richtig?

Katrin Weinert: Das ist natürlich nicht der Inhalt des Kongresses. Uns geht es bei dem Begriff ‚Tierbefreiung’ um eine gesellschaftliche Befreiung der Tiere. Wir solidarisieren uns mit Leuten, die Tiere physisch aus Gewaltverhältnissen befreien – also unter Umständen auch ‚Scheunentore öffnen’. Inhaltlich soll es beim Kongress aber darum gehen, wie die Tierbefreiungs- und Tierrechtsbewegung die gesellschaftliche Befreiung der Tiere erreichen kann: welche Strategien es gibt, welche Hintergründe die Leute haben, wie man sich vernetzen kann und welche inhaltlichen Themen es noch zu bearbeiten und zu besprechen gibt.

Wie sieht denn das Programm aus?

Es wird Workshops zu verschiedenen Aktionsformen geben, da geht es aber mehr um kreative Aktionen wie ziviler Ungehorsam oder die Organisation von Demonstrationen und Kampagnen. Es gibt aber auch Workshops und Diskusionen zu eher theoretischen Themen wie z.B. dazu wie eine Befreiung der Tiere in verschiedenen theoretischen Konzepten gefasst werden kann. Und auch der Umgang mit Medien, Repression und Blicke in die Geschichte der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung stehen auf dem Programm.

Menschen von der Notwendigkeit der Rechte für Tiere zu überzeugen ist nicht einfach. Es ist beispielsweise wohl unmöglich Angela Merkel vom Veganismus zu überzeugen. Ist der Kampf nicht aussichtslos?

Es gibt sicherlich Leute, denen Tiere erst einmal egal sind. So etwas sind aber gesellschaftliche Verhältnisse, die wir durchdringen wollen. Wir wollen dieses gesellschaftliche Gewaltverhältnis, das Tiere zu einer Ware macht, thematisieren und Handlungsstrategien entwickeln – es gibt Chancen die Verhältnisse zu verändern, vor allem auch zusammen mit anderen sozialen Bewegungen.

Speziell der Kongress hat gleich mehrere Ziele. Erst einmal sollen natürlich neue Leute an die Bewegung und die Themen der Bewegung herangeführt werden. Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung der schon aktiven Leute aus der Tierrechts-Bewegung. Außerdem soll über aktuelle Themen und eben vor allem über Strategien der Tierbefreiung diskutiert werden. Wir wollen natürlich auch selbstkritisch darüber reden, wie die Bewegung aussieht und was für Fehler und Probleme es in letzter Zeit gab, damit wir diese nicht noch einmal machen. Der Tierbefreiungskongress möchte außerdem nicht bei der Befreiung der Tiere stehen bleiben – der vegane Kapitalismus ist schließlich auch kein gutes Leben.

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