Archiv für September 2009

„Wir brauchen keine Monsterkraftwerke“

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Am vergangenen Samstag ging die die Nichtregierungsorganisation Campact – Demokratie in Aktion – zum letzten Mal mit ihrem großen Castor-Transport auf die Suche nach einem atomaren Endlager in einer deutschen Innenstadt. Durch 13 Städte tourte Campact mit der spektakulären Aktion kurz vor der Bundestagswahl am 27. September. Christoph Bautz, einer der Organisatoren der Tour, verriet utopia, ob ein sicheres Endlager gefunden wurde und welche Alternativen zur Atomkraft besser genutzt werden müssten.

utopia: Haben Sie ein Endlager gefunden?

Christoph Bautz: Wir waren in 13 Städten und sind jeweils mit hunderten von Menschen auf Endlagersuche gegangen. Wir haben geschaut, in wie weit sich in den Innenstädten Atommüll endlagern lässt. Das waren jedes Mal sehr kreative Aktionen. Die Leute haben an den verrücktesten Stellen versucht Atommüll endzulagern. Sie waren aber nirgendwo erfolgreich. Man kann klar sagen: Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll und deswegen müssen wir so schnell wie möglich raus aus der Risikotechnologie Atomkraft.

Christoph Bautz

Kürzlich wurde bekannt, dass das CDU-geführte Forschungsministerium eine Studie zurück gehalten hat, in der Wissenschaftler dafür plädieren, neue Atommeiler zu bauen…

Das ist ein ziemlicher Skandal. Forschungsministerin Frau Schavan wollte ein Gutachten vier Monate lang unter der Decke halten und es erst im Oktober – nach der Bundestagswahl – veröffentlichen. In dem Dokument sprechen sich hundert Wissenschaftler für neue Atomkraftwerke aus – genau mit dieser Stoßrichtung wurde die Studie auch in Auftrag gegeben.

Zum zweiten haben Wissenschaftler schon vor über 20 Jahren gewarnt, dass Gorleben – das geplante deutsche Atommüll-Endlager – nicht sicher ist und man einen neuen Endlagerstandort braucht. Damals wurden diese Stimmen von der CDU mundtot gemacht, selbst heute distanziert sich die Union nicht von solchen Praktiken. Das zeigt ganz klar: Die CDU/CSU und FDP wollen nicht richtig raus damit, was sie nach der Bundestagswahl vorhaben. Sie legen sich bei den Laufzeiten alter Atomkraftwerke nicht fest, nicht beim Endlager und eben auch nicht bei eventuellen Neubauten. Im Wahlprogramm der Parteien steht zwar, dass sie keine AKW-Neubauten wollen. Wie jetzt herausgekommen ist, kann man sich da aber nicht wirklich sicher sein. Auch der CSU-Wirtschaftsminister zu Guttenberg schaut momentan inwieweit neue Reaktorgenerationen für Neubauten nutzbar sind. Wie bekannt wurde, wollte er drei Tage nach der Wahl eine Studie darüber in Auftrag geben – das spricht doch Bände.

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Militärische Klänge

erschienen am 20. September 2009 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Die Bundeswehr versucht, mit Unterstützung einer Baden-Württembergischen Kreisstadt einen jährlichen Musikwettbewerb zu etablieren und stößt dabei nicht nur auf Zustimmung -

Musik spielt im Militär seit jeher eine große Rolle – schon in der Antike entstand die erste Militärmusik und noch heute wird jeder Staatsgast mit militärischen Klängen empfangen. Die Bundeswehr unterhält heute 18 Musikkorps die jährlich über 3.000 „Einsätze“ durchführen – davon in diesem Jahr über 1.300 außerhalb militärischer Liegenschaften. Musik ist „ein besonders attraktives Mittel der Öffentlichkeitsarbeit: Musik geht unter Umgehung des Verstandes direkt ins Gemüt und schafft ein positives Klima“, stellte der Reservistenverband der Bundeswehr in seinem Veranstaltungs- und Organisationshandbuch für den „Tag der Reservisten“ 2008 klar.

Um Nachwuchs für die Militärorchester – und auch darüber hinaus – zu gewinnen, veranstaltet die Bundeswehr im November zum vierten Mal das Jugendevent „Bw-Musix“. Kritiker werfen der Bundeswehr vor mithilfe des Events Minderjährige für den Dienst an der Waffe rekrutieren zu wollen – die austragende Kreisstadt Balingen unterstütze das Vorgehen.
Rund 800 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren nahmen an den ersten „Bw-Musix“ im Jahr 2003 in der Luitpold-Kaserne in Dillingen an der Donau teil (vgl. Bundeswehr sucht den Superstar). 34 Schülerbands, 9 Disc-Jockeys und 11 Jugendblasorchester waren an dem „grandiosen Musikwochenende“ dabei, berichtet die Bundeswehr-Zeitung aktuell. In der Jury saßen Moderatoren zweier großer Musikfernsehsender und neben dem Wettbewerb wurde ordentlich gefeiert: „Dank einer Schaltung von Radio Andernach [dem Radio-Sender der Bundeswehr] wurde die Party live sogar in die Einsatzgebiete nach Bosnien-Herzegowina, in das Kosovo und nach Afghanistan übertragen“, erfreuten sich die Militärs.

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Neue utopia-Ausgabe gedruckt und online!

Zwei Jahre gibt es nun schon die Jugendzeitung utopia – für eine herrschaftlose und gewaltfreie Gesellschaft. Die Auflage kletterte schnell von 10.000 auf 25.000 Exemplare. Im vergangenem Herbst startete zudem das utopia-Online-Magazin – www.jugendzeitung.net – welches mittlerweile auch weit über 10.000 Leserinnen und Leser im Monat verzeichnet. Nun ist die zwölfte Ausgabe der utopia erschienen und wie immer auch Online verfügbar. Schwerpunkt der Ausgabe ist das Internet: es gibt u.a. Artikel über Internetzensur, GreenIT und Online-Proteste.

Auf den Seiten 3 und 4 gibt es einen bunten Themenmix vom Thema „Drogen“ über eine „Anarchismus“-Buchrezension bis hin zu den Zapatistas in Mexiko. Einen Artikel habe ich diesmal nicht beigesteuert – dafür aber zwei Fotos. Viel Spaß beim lesen und gucken!

utopia 12 (PDF)

P.S.: Wer das Non-Profit-Projekt unterstützen will kann hier Spenden. Zwar geschieht die Arbeit rund um die utopia ehrenamtlich und ohne Honorare aber für Druck und Vertrieb der kostenlosen Jugendzeitung fallen nicht unerhebliche Kosten an.

Netter Nachdruck

Wenn Texte von mir weiterverbreitet und sogar in anderen Printmedien nachgedruckt werden ist das meist ein Grund zur Freude. In letzter Zeit hatte ich davon gleich zwei:

1. Das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika – FDCL e.V. – hat eine umfangreiche Broschüre zum größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet der Erde herausgegeben. In der Broschüre wurde auch die Langfassung meines Interviews mit Klaus Schenck von „Rettet den Regenwald e.V.“ über den Bruch der OCP-Schwerölpipeline und die Verstrickung mit der deutschen WestLB abgedruckt:

Amazonien: Stadt, Land, Fluss (Seite 95)

2. Die Monatszeitung für Selbstorganisation – Contraste - hat meinen im Rahmen der Linken Medienakademie verfassten Artikel „HauptstadtjournalistInnen: Bedrängte Wichtigtuer“ und das Interview mit Andreas Neumann und Anneliese Fikentscher von Arbeiterfotografie sowie zahlreiche Fotos (die auf dem LiMA-Blog aus technischen Gründen leider nicht mehr funktionieren) nachgedruckt. Leider steht die aktuelle Contraste-Ausgabe nicht im Internet und ich habe die Zeitung selbst auch noch nicht.

Emanzipierte Gebärmaschinen?

aus der Graswurzelrevolution (GWR) 341 / September 2009

- Der Streit um einen „völkischen Feminismus“ in der extremen Rechten -

„Tränen trocknen, das Herz weint weiter – Bund Volkstreuer Mädel Westhavelland“, war die Aufschrift des Blumenkranzes, den zwei rechtsextreme Aktivistinnen am Vormittag des 17. April 2009 im havelländischen Rathenow zum Gedenken an den alliierten Luftangriff vom 18. April 1944 an einer Gedenkstätte niederlegten. Am 1. Mai 2009 marschierten weibliche Neonazis mit einem „Deutschland ist auch Frauensache“-Transparent durch Dresden. Neonazismus ist keine reine Männersache. Die Anzahl rechtsextremer Frauen wächst.
Seit Jahren tobt ein Streit um das Frauenbild in der extremen Rechten. Ein Vergleich.

Frauen im Nationalsozialismus
Im Nationalsozialismus kam die Frau vor allem für die „Familie“ auf – die sprichwörtliche „Frau am Herd“ wurde propagiert. Im wichtigsten publizistischen Organ der NSDAP, dem „Völkischen Beobachter“, widmete sich die Seite „Die deutsche Frau“ mit dem, was eine Frau nach nationalsozialistischen Ansichten zu tun hat. In ihrem Buch „Die deutsche Frau: Küchenmagd, Zuchtsau, Leibeigene im III. Reich, Geschichte oder Gegenwart? Analysiert anhand der Seite für ‚Die deutsche Frau’ Aus dem ‚Völkischen Beobachter’, Jahrgang 1938“ beschäftigt sich Christina Burghardts mit dem NS-Frauenbild:

„Der Nationalsozialismus hat die kinderreiche Mutter glorifiziert, dem Ewig-Weiblichen gehuldigt und die Frau im Dienen und Aufopfern für Ehemann, Familie und Volk bestärkt und ihr dafür Anerkennung und Beifall gezollt.“

Emanzipierte Gebärmaschinen? (GWR 341) – Teil 1

Emanzipierte Gebärmaschinen? (GWR 341) – Teil 2