„Wir brauchen keine Monsterkraftwerke“

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Am vergangenen Samstag ging die die Nichtregierungsorganisation Campact – Demokratie in Aktion – zum letzten Mal mit ihrem großen Castor-Transport auf die Suche nach einem atomaren Endlager in einer deutschen Innenstadt. Durch 13 Städte tourte Campact mit der spektakulären Aktion kurz vor der Bundestagswahl am 27. September. Christoph Bautz, einer der Organisatoren der Tour, verriet utopia, ob ein sicheres Endlager gefunden wurde und welche Alternativen zur Atomkraft besser genutzt werden müssten.

utopia: Haben Sie ein Endlager gefunden?

Christoph Bautz: Wir waren in 13 Städten und sind jeweils mit hunderten von Menschen auf Endlagersuche gegangen. Wir haben geschaut, in wie weit sich in den Innenstädten Atommüll endlagern lässt. Das waren jedes Mal sehr kreative Aktionen. Die Leute haben an den verrücktesten Stellen versucht Atommüll endzulagern. Sie waren aber nirgendwo erfolgreich. Man kann klar sagen: Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll und deswegen müssen wir so schnell wie möglich raus aus der Risikotechnologie Atomkraft.

Christoph Bautz

Kürzlich wurde bekannt, dass das CDU-geführte Forschungsministerium eine Studie zurück gehalten hat, in der Wissenschaftler dafür plädieren, neue Atommeiler zu bauen…

Das ist ein ziemlicher Skandal. Forschungsministerin Frau Schavan wollte ein Gutachten vier Monate lang unter der Decke halten und es erst im Oktober – nach der Bundestagswahl – veröffentlichen. In dem Dokument sprechen sich hundert Wissenschaftler für neue Atomkraftwerke aus – genau mit dieser Stoßrichtung wurde die Studie auch in Auftrag gegeben.

Zum zweiten haben Wissenschaftler schon vor über 20 Jahren gewarnt, dass Gorleben – das geplante deutsche Atommüll-Endlager – nicht sicher ist und man einen neuen Endlagerstandort braucht. Damals wurden diese Stimmen von der CDU mundtot gemacht, selbst heute distanziert sich die Union nicht von solchen Praktiken. Das zeigt ganz klar: Die CDU/CSU und FDP wollen nicht richtig raus damit, was sie nach der Bundestagswahl vorhaben. Sie legen sich bei den Laufzeiten alter Atomkraftwerke nicht fest, nicht beim Endlager und eben auch nicht bei eventuellen Neubauten. Im Wahlprogramm der Parteien steht zwar, dass sie keine AKW-Neubauten wollen. Wie jetzt herausgekommen ist, kann man sich da aber nicht wirklich sicher sein. Auch der CSU-Wirtschaftsminister zu Guttenberg schaut momentan inwieweit neue Reaktorgenerationen für Neubauten nutzbar sind. Wie bekannt wurde, wollte er drei Tage nach der Wahl eine Studie darüber in Auftrag geben – das spricht doch Bände.

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