Atomkraftwerk Belene verhindert

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Umweltschützer feiern: Der große deutsche Energiekonzern RWE hat am Mittwoch seinen Ausstieg aus dem Atomkraftwerks-Projekt Belene in Bulgarien bekannt gegeben. Eigentlich wollte der deutsche Konzern den AKW-Neubau finanzieren, nun steht das ganze Projekt vor dem Aus.

„Das ist ein Riesenerfolg für die Umweltbewegung und die nukleare Sicherheit in Europa“, freut sich Heffa Schücking. Die Geschäftsführerin der kleinen Umweltorganisation „urgewald“ mit Sitz im Münsterland hat viel zum Ausstieg RWEs beim Belene-Projekt beigetragen: Seit 2006 ist urgewald gegen das Atomprojket aktiv, die Proteste gegen RWE begannen vor fast zwei Jahren, als der deutsche Energiekonzern angekündigte, das Atomkraftwerk finanzieren zu wollen. Belene liegt in Bulgarien an der Donau direkt an der Grenze zu Rumänien in einem Erdbebengebiet: 120 Menschen starben in der Region beim letzten großen Erdbeben 1977.

Der Plan im Norden Bulgariens Atomreaktoren zu bauen, stammt aus den frühen 1980er Jahren. Bereits 1983 warnten jedoch sowjetische Wissenschaftler vor dem Bau eines Atomkraftwerks in dem Erdbebengebiet. Trotzdem hielt die bulgarische Regierung an ihren Plänen fest und nahm 1985 die Bauarbeiten für Belene auf. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde der Bau im Anfangsstadium 1991 gestoppt. Obwohl Experten der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in einer umfassenden Studie vor einer Fertigstellung gewarnt haben – unter anderem wegen der seismischen Risiken der Reaktoren –, wurden die Pläne 2003 wieder aus der Schublade geholt. 2006 beauftragte die bulgarische Regierung den russischen Konzern Atomstroyexport damit, zwei Reaktoren zu bauen. Dabei sollten vorher noch nie getestete Reaktoren zum Einsatz kommen. Die Finanzierung des neuen Atomkraftwerks gestaltete sich aber schwierig: deutsche Banken stiegen schon vor einigen Jahren auf Druck von Protesten der Umweltschützer aus dem Projekt aus. Einzig der RWE-Konzern ließ nicht locker und wollte das Projekt gegen alle Argumente und Widerstände finanzieren – bis jetzt.

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