Casten für den Krieg: Deutsche Firma wirbt Zivilisten für US-Kriegsübungen

erschienen als „IMI-Standpunkt 2009/064″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Im Auftrag der US-Army sucht die deutsche Firma „Supply & Service Team GmbH“[1] – kurz SST – in deutschen Städten Komparsen für das Programm „Civilians On The Battlefield“ (COB). Ein Firmenstandort von SST ist das bayerische Hohenfels, südöstlich von Nürnberg. Dort befindet sich einer der größten Militärübungsplätze Deutschlands, auf dem US-Soldaten für die Kriege im Irak und in Afghanistan ausgebildet werden.

Isolierte Kriegsprobanden
Mit Anzeigen in lokalen Medien macht SST auf seine Castings aufmerksam: „Sie sprechen Dari oder Paschtu und haben Interesse an einem Job als Statist? Dann kommen Sie zu unserem Casting und informieren sich“, hieß es beispielsweise am 12. Oktober 2009 in der Hessisch-Niedersächsische-Allgemeinen. Gesucht wurden mit der Anzeige neben Statisten auch Führungspersonen, die als Supervisor für die Militärfirma arbeiten. Die Anzeige machte auf ein SST-Casting aufmerksam, das am 15. Oktober 2009 im nordhessischen Kassel stattgefunden hat.[2] Während der Veranstaltung wurden Flugblätter verteilt, die den potentiellen Statisten mitteilten, worum es bei der Arbeit geht: „Es geht nicht um einen Film, sondern um ein realistisches Training zur Vorbereitung von Soldaten auf ihren Auslandseinsatz. Durch ein groß angelegtes Rollenspiel sollen die Truppen mit den Traditionen, Gepflogenheiten und Gewohnheiten im jeweiligen Einsatzgebiet vertraut gemacht werden. […] Der Teilnehmer bleibt während der gesamten Zeit (ca. 3 Wochen) auf dem Militärgelände. Er darf das Gelände in dieser Zeit aus Sicherheitsgründen nicht verlassen. […] Die Benutzung eines Handys ist während der drei Wochen aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Für wichtige Telefonate wird allerdings ein Firmentelefon vorhanden sein.“

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