Archiv für Dezember 2009

Noch ein AKW-Neubau in Finnland?

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 23. Dezember 2009

- Atomkraftgegner Janne Björklund über ein überflüssiges Energieprojekt -

In Finnland wird derzeit der dritte Reaktorblock des Atomkraftwerks Olkiluoto gebaut, wobei sich die Kosten seit Beginn mehr als verdoppelt haben und das Projekt zudem Jahre im Verzug ist. Trotz dieser Erfahrungen plant der finnische Konzern Fennovoima, der zu einem Drittel dem deutschen Energieriesen E.on gehört, den Bau eines weiteren AKWs. Wie kann das sein?

Wenn man die Umweltzerstörung durch Uranbergbau und radioaktiven Müll ignoriert, ist Atomenergie ein lohnendes Geschäft. Der voraussichtliche Energiebedarf Finnlands für das Jahr 2020 zeigt, dass das neue Atomprojekt vor allem für den Export von Strom gedacht ist – im eigenen Land sind genug Kapazitäten vorhanden. Es geht also nur um Profit.

Wie soll das Atomprojekt genau aussehen?

Fennovoima möchte in Nord-Finnland bei den Städten Simo und Pyhäjoki ein neues Atomkraftwerk bauen – die meisten Fragen sind aber noch offen. Erstmal muss eine Genehmigung vom Parlament erteilt werden. Dazu betreibt der Energiekonzern ein aufwendiges und kostspieliges Lobbying, um die politischen Entscheidungsträger für die Atompläne zu gewinnen.

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(K)eine schöne Bescherung

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 22. Dezember 2009

- Atomkraftgegner protestierten am Zwischenlager in Ahaus -

Vor dem atomaren Zwischenlager im westfälischen Ahaus demonstrierten am Sonntag Hunderte Menschen gegen geplante Atommülltransporte.

Rund 350 Atomkraftgegner trotzten am Sonntag eisigen Temperaturen von bis zu minus zehn Grad Celsius und demonstrierten vor dem Brennelemente-Zwischenlager Ahaus gegen geplante Atommülltransporte und für einen sofortigen Atomausstieg. Zwar wurde das Atomlager, rund 45 Kilometer nordwestlich von Münster gelegen, nicht wie geplant von einem ein Kilometer langen Anti-Atom-Transparent umhüllt – es war zu kalt, um das Transparent lange Zeit zu halten, bis alle Eingänge des Lagers dicht gewesen wären –, dafür gab es andere kreative Aktionen: ein Demonstrationszug umkreiste das Zwischenlager, der Haupteingang wurde mit Transparenten verschlossen. Dem Betreiber der Halle, der Gesellschaft für Nuklear-Service, ein Tannenbaum samt »radioaktiven« Geschenken mit dem Atom-Zeichen drauf, übergeben: »Atommülltransporte nach Ahaus? Eine schöne Bescherung!«

Anti-Atom-Demonstration in Ahaus

Für Wärme sorgten heiße Getränke und die Rhythmen einer Samba-Gruppe, die den Protest begleitete. In ihren Reden bekundeten die Sprecher zahlreicher Bürgerinitiativen den Willen, die kommenden Atommülltransporte aufzuhalten. Der Kampf gegen Atomkraft sei aber nicht lokal begrenzt, sondern sogar international. Janne Björklund, Koordinator der Anti-Atomkraft-Kampagne der Finnish Association for Nature Conservation, reiste extra aus Finnland an, um in Ahaus zu sprechen. In Nord-Finnalnd plant der Fennovoima-Konzern, der zu einem Drittel dem deutschen Energiekonzern E.on gehört, den Bau eines neuen Atommeilers. Auch dagegen soll es in Deutschland demnächst Protestaktionen geben.

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Atommülltransporte ziehen sich hin

erschienen am 20. Dezember 2009 bei Telepolis (www.telepolis.de)

Die Atomindustrie hat auf aktuelle Meldungen bezüglich der Atommülltransporte nach Ahaus reagiert und neue Informationen preisgegeben

Die ab Anfang 2010 erwarteten Atomtransporte ins Brennelemente-Zwischenlager Ahaus (BZA) verzögern sich neuesten Angaben zufolge teilweise: die Abfälle aus dem französischen La Hague werden nicht vor 2015, Kugelbrennelemente aus dem Versuchsreaktor Jülich nicht vor 2011 nach Ahaus transportiert. Dennoch erwarten Atomkraftgegner im kommenden Jahr eine ganze Reihen von Atommülltransporten: die Genehmigung zur Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken wurden im vergangenen November erteilt.

La Hague-Transporte frühestens ab 2015
„Die Behälter für mittelradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich werden aus heutiger Sicht frühestens ab dem Jahr 2015 nach Ahaus transportiert werden“, erklärte Michael Köbl, Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), als Reaktion auf einen anders lautenden Telepolis-Artikel (siehe Atommülltransporte kommen ins Rollen). Der am 20. Dezember 2006 von der GNS und dem von der Firma betriebenen Zwischenlager Ahaus gestellte Genehmigungsantrag an das Bundesamt für Strahlenschutz sprach noch von einer Einlagerung ab dem Jahr 2011. Auch in der damaligen Pressemitteilung von GNS wird der Beginn der La Hague-Transporte mit dem Jahr 2011 datiert.
„Es gab bisher gar keinen fest geplanten oder von irgendeiner Seite als fix veröffentlichten Termin für den Rücktransport“, kommentiert Michael Köbl auf die Frage, warum sich die Transporte scheinbar um mindestens vier Jahre verzögern. Zurzeit wird ein neuer Behälter vom Typ TGC36 entwickelt, der die Anzahl der notwendigen Transporte minimieren helfen soll. Warum die Entwicklung so lange dauert – ob dabei Probleme aufgetreten sind – wollte die GNS nicht kommentieren. Doch selbst wenn die Behälter schon fertig wären fehlt noch die Genehmigung für die Transporte aus der Wideraufarbeitungsanlage La Hague ins BZA steht noch aus – wann diese erteilt wird steht noch nicht fest.

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„Die Kirche lässt sich von der Bundeswehr benutzen“

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Seit Jahren engagieren sich Antimilitaristinnen und Antimilitaristen aus Hannover und Umgebung gegen die in der niedersächsischen Landeshauptstadt ansässige 1. Panzerdivision der Bundeswehr. Über ihren kreativen Protest sprachen wir mit Markus von einer antimilitaristischen Aktionsgruppe aus Hannover.

utopia: Am 6. Dezember wurde versucht, nach einem Gottesdienst eine Kirche in Hannover zu besetzen – was hatte die Kirchenbesetzung mit der 1. Panzerdivision der Bundeswehr zu tun?

Markus: Seit zwei Jahren veranstaltet das Heeresmusikkorps der 1. Panzerdivision in der Neustädter Stadt und Hof Kirche in Hannover ein Adventskonzert. Aus unserer Sicht dient das Konzert dazu, die Akzeptanz von Militär und Krieg in der Zivilgesellschaft zu erhöhen. Es war auch nicht der erste Protest gegen das Adventskonzert der Bundeswehr. Die Konzerte gibt es schon seit zehn Jahren, vor zwei Jahren gab es erstmals Aktionen dagegen. Damals fand das Spektakel noch in der Marktkirche, das ist die größte Kirche Hannovers, als offene Veranstaltung statt. Rund 20 Antimilitaristinnen und Antimilitaristen sind damals in die Kirche gegangen und haben während des Militärspiels Transparente ausgebreitet. In Folge wurden die Armee-KritikerInnen von der Polizei aus der Kirche geräumt. Das harte Vorgehen der Polizei gegen friedliche DemonstrantInnen, während der gleichzeitigen Anwesenheit von Soldaten in Uniform hat zu Proteststürmen aus kirchlichen Friedensgruppen und der Kirchengemeinde geführt. Diese hat sich letztendlich dazu entschlossen, das Militärkonzert nicht mehr in ihrer Kirche durchzuführen – seitdem führt die Bundeswehr das Adventskonzert in der Neustädter Stadt und Hof-Kirche durch. Nun ist das Konzert außerdem eine geschlossene Veranstaltung, die weiträumig von der Polizei abgesperrt ist. Daher wollten wir schon einige Tage vor dem Konzert am 8. Dezember aktiv werden und die Räumlichkeit besetzen.

Schon kurz nach einem Gottesdienst am Abend des 6. Dezember habt ihr auf euer Anliegen aufmerksam gemacht. Wie lief die Aktion genau ab?

Wir wollten den Gottesdienst nicht stören und haben zunächst dessen Schluss abgewartet. Nachdem die Landesbischöfin Margot Käßmann ihren Segen gesprochen hatte, sind wir mit einem Transparent nach vorne gegangen und haben darum gebeten, eine kurze Rede halten zu dürfen. Das wurde uns auch eingeräumt. In der Rede haben wir unsere Aktion dann erklärt und begründet: Die Bundeswehr gibt selber an, dass sie mehr Unterstützung aus der Bevölkerung benötigt. Mit Hilfe des als Benefizkonzert ausgegebenen Adventskonzertes versucht sie ihre Akzeptanz zu steigern. Für uns ist der Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Armee in der Bevölkerung und der Eskalation des Krieges – zum Beispiel in Afghanistan – eindeutig. Außerdem soll den Soldaten der Eindruck vermittelt werden Gott und die Gesellschaft stünden hinter ihnen. Mit Gott im Rücken soll das Morden und auch das Sterben wohl leichter fallen. Die Kirche lässt sich als Medium von der Bundeswehr benutzen. Wir haben den Kirchenvorstand daher aufgefordert, das Konzert abzusagen und angekündigt die Kirche vorher nicht wieder zu verlassen.

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Freifahrtschein für Atommüll

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 19. Dezember 2009

- Das Zwischenlager in Ahaus erwartet Abfalllieferungen / Behälter aus La Hague kommen erst ab 2015 -

Das Atommüllzwischenlager im münsterländischen Ahaus wird in den nächsten Jahren Ziel Hunderter Behälter mit strahlendem Abfall sein. Die Transporte aus dem französischen La Hague sollen, anders als bisher angenommen, erst 2015 rollen.

Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland bereiten momentan zahlreiche Protestaktionen gegen kommende Atommülltransporte ins Atomzwischenlager Ahaus, rund 45 Kilometer nordwestlich der Stadt Münster, vor – sie werden einen langen Atem haben müssen.
Anfang November erteilte die zuständige Bezirksregierung Münster der antragsstellenden Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) die Genehmigung zur Einlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle aus deutschen Atomkraftwerken für einen Zeitraum von zehn Jahren. Nun darf in Ahaus sogar eine höhere Strahlenmenge als im maroden Versuchsendlager Asse eingelagert werden. Wie kürzlich bekannt wurde, werden bald wohl auch Core-Bauteile – kontaminierte Bauelemente aus dem Innern von Atomreaktoren – aus einer Konditionierungsanlage der GNS in Karlsruhe ins Ahauser-Zwischenlager gebracht. Das erstmals auch Atommüll aus einer GNS-Anlage in Duisburg nach Ahaus transportiert wird, bezeichnete Michael Köbl, Sprecher des Unternehmens, als »ziemlich sicher«. Die ersten Transporte sollen ab Anfang 2010 ins Zwischenlager Ahaus, dessen Betreiber ebenfalls die GNS ist, rollen.
Für Verwirrung sorgten Meldungen über Atommülltransporte aus Jülich bei Aachen: Im September 2009 beantragte die GNS die Einlagerung von 152 Castor-Behältern aus dem 1988 stillgelegten Versuchsreaktor Jülich. Die Kugelbrennelemente in den Castoren sollen laut einem ehemaligen Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich aufgrund unkontrolliert hoher Temperaturen im Innern des Jülicher-Reaktors und der langen Betriebszeit von 21 Jahren extrem verstrahlt sein – diese Theorie wird von offizieller Seite bestritten. Eine Genehmigung für die Einlagerung des hochradioaktiven Mülls in Ahaus liegt noch nicht vor, laut einem Sprecher des Forschungszentrums werden die Transporte keinesfalls 2010 fahren. Die Lagerung der 152 schon befüllten Castor-Behälter auf dem Gelände des Jülicher Forschungszentrums ist allerdings nur bis Mitte 2013 genehmigt.

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Atommülltransporte kommen ins Rollen

erschienen am 3. Dezember 2009 bei Telepolis (www.telepolis.de)

Das atomare Zwischenlager Ahaus ist nur zu 10-Prozent ausgelastet – das wird sich bald schlagartig ändern

Mehr als 300 Behälter mit radioaktiven Abfällen sollen Anfang 2010 ins atomare Zwischenlager Ahaus im Münsterland gebracht werden. Der Atommüll soll aus dem Versuchsreaktor Jülich und der französischen Wideranreicherungsanlage La Hague kommen, erstmals werden aber wohl auch Transporte aus einer Atomfabrik in Duisburg dabei sein. Stark strahlender Atommüll könnte auch aus Karlsruhe kommen. Atomkraftgegner warnen indes vor den Risiken der Transporte und kritisieren die mangelhafte Informationspolitik von Regierung und Atomindustrie.

Müll aus der ganzen Bundesrepublik

Am 11. November erteilte die Bezirksregierung Münster die Einlagerungsgenehmigung für Atommüll aus deutschen Atomkraftwerken im Zwischenlager Ahaus – wie viel und woher der Müll kommen wird verschweigt die Regierungsstelle. Sicher ist, dass 152 Atommüllbehälter aus dem Kernforschungszentrum Jülich bei Aachen eingelagert werden sollen. Die Castorbehälter stehen bereits transportfertig auf dem Gelände des Forschungszentrums. Der Versuchreaktor in Jülich wurde bereits 1988 nach zahlreichen Störfällen abgeschaltet und befindet sich im Rückbau – die verstrahlten Baustoffe sollen nun in Ahaus zwischengelagert werden.

Wie diese Transporte von Jülich nach Ahaus abgewickelt werden ist unbekannt: Neben der Beförderung per Bahn sind auch Lastwagen-Konvois über die Autobahn möglich. In jedem Fall wird die Fahrt quer durch das Ruhrgebiet verlaufen. Auch aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague wird bald Atommüll nach Ahaus kommen, dabei ist der Transport über die Schiene sicher. Umweltschützer erwarten über 150 Castor-Behälter aufgeteilt in mindestens einem halben Dutzend Zugtransporten aus Frankreich. Der in Frankreich behandelte deutsche Atommüll wird – ähnlich wie bei Castor-Transporten nach Gorleben – bei Wörth am Rhein nach Deutschland einfahren und anschließend Hessen durchqueren. Die Transportstrecke über das nordhessische Kassel und von dort über Warburg Richtung Westen ins Münsterland gilt als sicher. Dabei sollen neue Behälter vom Typ TGC36 zum Einsatz kommen die bisher noch nie verwendet wurden.

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Bilder zum Bildungsstreik

Den aktuellen „Heißen Herbst“ im Bildungswesen habe ich in den letzten Wochen mit meiner Kamera begleitet. Herausgekommen sind zwei Bilderstrecken über den Protest in Kassel auf nordhessische.de (hier und hier) und einige Fotos (Titelblatt und Seite 14, 15 und 23) in der Dezember-Ausgabe des Kasseler-Studierendenmagazins medium².