Militärforschung im Hörsaal

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 18. Januar 2010

- Zusammenarbeit von Hochschulen mit der Bundeswehr wird enger -

Viele deutsche Hochschulen sind mittlerweile fest in die deutsche Kriegspolitik eingebunden. Eine intensive Zusammenarbeit mit der Bundeswehr gibt es mittlerweile an 17 Unis.

Die Kontakte zwischen der Universität Kassel und dem militärisch-industriellen Komplex sind eng. Mit den beiden großen Kasseler Rüstungsschmieden Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Defence bestehen Forschungskooperationen. Zudem bescheinigen die Jugendoffiziere der Bundeswehr in ihrem Jahresbericht 2007 eine »erfreulich intensive Kooperation« mit der Universität Kassel sowie mit 16 anderen deutschen Universitäten. Immer mehr Fachhochschulen und Universitäten seien für eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr bereit, konstatieren die Jugendoffiziere im aktuellen Bericht für das Jahr 2008. 137 Veranstaltungen mit weit über 3500 Studenten organisierten die Militärs im vergangenen Jahr an Universitäten.
Neben zahlreichen Vorträgen spielen die Jugendoffiziere mit den Hochschülern das Simulationsspiel »POL & IS – Politik und Internationale Sicherheit«. Bei dem zwei bis fünf Tage dauernden Spiel schlüpfen die jungen Teilnehmer in die Rollen von Staatschefs oder den Leitern wichtiger internationaler Institutionen und betreiben Weltpolitik – dafür stehen vor allem militärische Mittel zur Verfügung – sogar atomare und chemische Waffen. An der Internationalen Fachhochschule Karlsruhe bekommen die Studenten für die Teilnahme sogar Prüfungspunkte. Die durchschnittlich anfallenden Kosten von 2100 Euro je Simulation trägt das Verteidigungsministerium.

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