Zivilisten auf das Schlachtfeld

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 25. Februar 2010

- Eine deutsche Firma sucht Statisten für US-Kriegsübungen auf einem bayerischen Militärareal -

Die US-Army hat das »Civillians on the Battlefield«-Programm neu ausgeschrieben. Für Mai werden aktuell hunderte Zivilisten gesucht, die als Statisten bei US-Militärübungen dienen sollen.

Jeweils drei Wochen lang sollen zivile Statisten auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels in Bayern arabisches Dorfleben simulieren, etwa in den Rollen von Viehzüchtern, Ladenbesitzern oder auch als Bürgermeister. Sie sollen die Ausbildung von US-Einheiten effektiver machen.
Bis zu zehn künstlich angelegte Dörfer mit bis zu 30 Häusern für den Einsatz von jeweils 30 bis 100 Statisten gibt es auf dem Areal zwischen Regensburg und Nürnberg. Die Probanden bekommen einen kleinen Computer auf den Rücken geschnallt, bei den Übungen wird mit Platzpatronen und Infrarot-Lasern geschossen – bei einem Treffer ertönt ein Geräusch, und die Statisten müssen sich tot stellen.
Die Zivilisten »werden benötigt, um eine möglichst realitätsnahe Umgebung für die Übungen der NATO/ISAF Truppen zu ermöglichen«, heißt es auf der Website einer Castingfirma. Gesucht werden besonders Menschen, die Arabisch, Pashtu oder Dari beherrschen. Letzteres wird unter anderem in Afghanistan und Pakistan gesprochen. Menschen mit guten Englischkenntnissen zur Kommunikation mit den US-Soldaten werden ebenfalls bevorzugt gecastet. Übernachtet wird in Baracken oder Zelten. Handys, Computer und sonstige technische Geräte sind verboten.
Mit der Gewinnung der Statisten beauftragt die US-Army zivile Unternehmen. Aktuell sucht das Unternehmen Optronic aus dem baden-württembergischen Königsbronn neue Statisten für die Kriegsszenarien.

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