Archiv für März 2010

Werben fürs Sterben

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 27. März 2010

- Berlin: Exoffizier bei Berufsorientierungstag an Gymnasium. Mehr als 100 Schüler und Kriegsgegner demonstrierten gegen den Auftritt -

Die Neutralität der Schulbildung wird verletzt«, kritisierte Erik Schneider von der unabhängigen Schülergruppe »Klassenkampf Süd-West« am Freitag den Besuch eines ehemaligen Marineoffiziers am Berliner Schadow-Gymnasium. Der Auftritt fand im Rahmen eines Berufsorientierungstages statt. Dagegen protestierten vor der Schule etwa 100 Mitglieder von Friedensgruppen, Parteien und Gewerkschaften.

»Hier wird gezielt versucht, die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher auszunutzen«, kritisierte Sven George von der SDAJ Berlin gegenüber junge Welt. Die DKP-nahe Jugendorganisation hatte bereites am frühen Morgen Flugblätter vor dem Gebäude verteilt und die Schüler dazu aufgefordert, dem »Werben fürs Sterben« fernzubleiben. Viele der Gymnasiasten unterstützten daraufhin die Protestaktion. Sebastian Schlüsselburg vom Landesvorstand der Berliner Linkspartei machte in einer Rede auf ein neues Gutachten des Bundestags aufmerksam, daß den »einseitigen Werbeeinsatz« des Militärs an Schulen als rechtswidrig einstuft (siehe jW vom 26. März). Wenn Bundeswehrvertreter in Schulen auftreten, sollte es eine Mindestvoraussetzung sein, auch Antimilitaristen einzuladen, so Schlüsselburg.

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Schüler im Schießsimulator

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 24. März 2010

- Protest gegen Bundeswehrpräsenz auf Azubimesse in München. Neue Fehlleistung der Truppe bei Kiel -

Mitglieder der DKP-Jugendorganisation SDAJ haben am Wochenende gegen die massive Präsenz der Bundeswehr auf einer Berufsbildungsmesse in München protestiert. Etwa 20 Aktivisten wandten sich mit Transparenten gegen den Einsatz in Afghanistan und die Selbstdarstellung der Truppe als »normaler Arbeitgeber«. Sicherheitskräfte und Polizisten drängten die Demonstranten jedoch umgehend aus den Ausstellungsräumen und erteilten Hausverbote, weshalb die Jugendlichen die Plakate vor dem Messegelände zeigten. Die Aktion war Teil einer bundesweiten Kampagne der SDAJ gegen die Präsenz des Militärs auf Berufsbildungsmessen, Schulhöfen und in Klassenzimmern.

Unterdessen hat die Bundeswehr in Schleswig-Holstein am 8. März erneut 50 Schüler auf ein Militärgelände eingeladen und wieder mit Hilfe eines Schießsimulators die Werbetrommel gerührt: »Das ist ja noch viel toller als jedes Ballerspiel am PC«, wurde kürzlich ein junger Teilnehmer in den Kieler Nachrichten zitiert.

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Nachtrag: Es kommt in dem Artikel so rüber, als hätten an der Aktion in München ausschließlich Mitglieder der SDAJ teilgenommen. Dies stimmt nicht. Die Aktion wurde von einem Bündnis aus mehreren friedensbewegten Gruppen organisiert und durchgeführt. Ich bitte den Fehler zu entschuldigen.

»Werbung für das Militär hat an Schulen nichts zu suchen«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 23. März 2010

- Berliner Schüler wollen sich nicht von der Bundeswehr indoktrinieren lassen. Sie finden breite Unterstützung. Ein Gespräch mit Erik Schneider -

Ihre Schülerinitiative »Klassenkampf Süd-West« ruft für Freitag, den 26. März, zu einer Protestaktion vor dem Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf auf. Die Zielrichtung ist antimilitäristisch – worum aber geht es dabei genau?

Wie auch in den Jahren zuvor findet zu diesem Datum in dem Gymnasium eine Berufsberatungstag statt. Dort werden etwa zehn verschiedene Berufsgruppen vorgestellt und dazu jeweils ein »Experte« eingeladen, der für die entsprechende Ausbildung wirbt und Fragen der Schüler beantwortet. Neben Medizin und Pädagogik soll dieses Jahr auch die Soldatenlaufbahn vorgestellt werden – als wäre das ein Beruf wie jeder andere. Dagegen werden wir protestieren!

Proteste gegen die Bundeswehr an Schulen sind selten – wie haben Sie von dem Armeebesuch erfahren?

»Klassenkampf Süd-West« ist eine Schülerinitiative, die an mehreren Schulen in Berlin-Zehlendorf vertreten ist. Einige aus dieser Gruppe sind auf dem Schadow-Gymnasium. Von ihnen ging die Initiative aus, etwas gegen die Bundeswehr-Werbung an der Schule zu unternehmen. Ziel ist die Verhinderung der Militärpropaganda – allerdings wirbt nicht die Bundeswehr direkt, sondern es soll ein ehemaliger Soldat auftreten. Das ändert aber nichts an unserer grundsätzlichen Kritik, daß Werbung für Militär und Kriegseinsätze in Schulen nichts zu suchen hat.

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Kondome auf weiße Holzkreuze

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 15. März 2010

- Demonstration gegen »Lebensschützer« -

Wie schon im vergangenen Jahr führte die christliche Organisation »EuroProLife« im westfälischen Münster einen Gebetszug unter der Überschrift »1000 Kreuze für das Leb…

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Westerwelles Werbetruppe

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 12. März 2010

- Ein neoliberaler Think-Tank versorgt Schulen mit Unterrichtsmaterialien der Bundeswehr -

Unabhängige Informationen über Sicherheitspolitik verspricht eine »Arbeitsgemeinschaft Bildung & Jugend« Lehrern mit ihren Unterrichtsmaterialien. Viele Lehrer greifen zu, doch die ominöse Vereinigung wird nicht nur fachlich einseitig von der Bundeswehr beraten, sie ist zudem personell und strukturell eng mit der FDP verflochten.

»Frieden & Sicherheit« ist der Titel der umfangreichen Schulmaterialien zur deutschen Sicherheitspolitik, das von der laut Website unabhängigen und gemeinnützigen »Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e. V.« herausgegeben wird. Neben einem seit dem Jahr 2003 schon vier Mal erschienenem Schülermagazin samt Lehrerheft, besteht das vollkommen kostenfreie Angebot der Arbeitsgemeinschaft in einem monatlich auf der Website erscheinenden neuen Arbeitsblatt für Schüler und der interaktiven »Frieden & Sicherheit«-Website. Das Bundesministerium der Verteidigung steht dem Herausgeber dabei laut Heft-Impressum mit fachlicher Beratung zur Seite. Doch wem genau?

Die »Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e. V.« stellt unterschiedliche Schulmaterialien her: »Mit Medien der Arbeitsgemeinschaft können Sie alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen – das sind 9,7 Millionen Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren. Wir verfügen über die Adressen aller 32 000 deutschen Schulen und von mehr als 100 000 Lehrkräften, die bei uns schon bestellt haben«, heißt es auf der Website der Arbeitsgemeinschaft. Weiter steht dort: »Idee, Konzept, pädagogische Prüfung, Redaktion, Herstellung, Vertrieb, PR – gemeinsam mit ihrem Partnerverlag, dem Universum Verlag GmbH in Wiesbaden und Berlin, bietet die Arbeitsgemeinschaft alle Dienstleistungen rund um die Entwicklung einer Schulaktion.« Auch der Bereich der »Public Relations« gehört zum Geschäft der Arbeitsgemeinschaft.

Die genannte Universum Verlags GmbH, in der auch die »Frieden & Sicherheit«-Materialien erscheinen, ist kein unbeschriebenes Blatt: 50 Prozent der Anteile an der Universum Verlags GmbH hält die Universum GmbH, die sich zu 100 Prozent im Eigentum der FDP befindet. Verlagsleiter ist Siegfried Pabst, ehemaliger Leiter der politischen Abteilung der FDP und heute Schatzmeister der »Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e.V.« sowie Vizepräsident der angegliederten »Stiftung Jugend und Bildung«.

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Endlich: das LiMA-Buch ist erschienen!

Das Buch zur Linken Medienakademie 2009 ist (endlich) erschienen! Zur Erinnerung: Felix und ich hatten die vergangene LiMA mit einem Blog begleitet. Am Buch selbst habe ich nicht mitgearbeitet, zeichne aber gemeinsam mit Felix für den Beitrag „Impressionen von der 6. Linken Medienakademie“ verantwortlich.

Auf der LiMA 2010, die am kommenden Wochenende in Berlin stattfindet, werde ich nicht sein. Das Programm ist aber sehr empfehlenswert!

Änderungen

Nachdem ich es – halb aus Zeitmangel halb aus Bequemlichkeit – nicht fertig gebracht habe einen kurzen Post zur Januar/Februar-Ausgabe (Nummer 14) der utopia zu schreiben hier also einige Neuigkeiten zum Projekt: aktuell gibt es derbe Software-Fehler und die früher so schöne utopia-Website sieht aktuell grauenhaft aus – hoffentlich klappt bald wieder alles. Aktuell bzw. bei der Produktion der letzten Ausgabe zeigte sich mal wieder, dass die Redaktion zu klein ist. Daher gibt es seit einigen Wochen einen Aufruf bei der utopia mitzuarbeiten: bitte melden! Das Online-Magazin wurde erstmal eingefroren.

Eine riesen Änderung ging mit der neuen Ausgabe (Nummer 15) einher. Der Erscheinungsrhythmus ist nun – wie bei den allerersten utopias – alle drei Monate (nicht mehr alle zwei). Dafür wurde die Seitenzahl von vier auf acht verdoppelt. So können wir Vertriebskosten sparen und haben im Endeffekt doch mehr Seiten im Jahr zur Verfügung. Die utopia wirkt jetzt auch mehr wie eine Zeitung ;-) Reinschauen und genießen!

utopia 14 (Januar/Februar 2010)

utopia 15 (März/April/Mai 2010)

Psychologische Kriegsführung

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 15 (März/April/Mai 2010)

- Wie die Bundeswehr die Klassenzimmer erobert -

Über 500 Menschen demonstrierten am 23. Januar laut und bunt auf den Straßen der Stadt Freiburg in Baden-Württemberg gegen die Militarisierung von Bildungseinrichtungen. Der Protestzug unter dem Motto „Bundeswehr raus aus den Klassenzimmern“ war der bundesweit erste gegen Militärs an deutschen Schulen. Die Bundeswehr hat mittlerweile viele Wege gefunden, neue RekrutInnen in den Schulen anzuwerben. Zudem sollen schon die jungen Menschen von der Notwendigkeit des Militärs und seiner Kriegseinsätze überzeugt werden.

Kanonenfutter und Akzeptanz
Doch warum braucht die Bundeswehr überhaupt neue Leute? In Deutschland gibt es zwar eine Wehrpflicht, dennoch werden immer weniger junge Menschen als „tauglich“ eingestuft. Zudem gibt es die Möglichkeit den Dienst an der Waffe zu verweigern und einen zivilen Ersatzdienst zu leisten. „Gut ausgebildete, gleichermaßen leistungsfähige wie leistungswillige Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Grundvoraussetzung für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, heißt es im aktuellen „Weißbuch 2006 – zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“ des Bundesministeriums der Verteidigung. Trotz eines generellen Personalabbaus beziffert die deutsche Armee ihren Personalbedarf in dem zukunftsweisenden Strategiepapier mit jährlich „20.000 jungen Frauen und Männern“. Um diesen Bedarf sicherzustellen ist ihr jedes Mittel Recht: auch der Einzug in die Schulen. Nicht zuletzt geht es der Bundeswehr aber auch um die „Herzen und Köpfe“, wie es im militärischen Jargon heißt. Auslandseinsätze wie der in Afghanistan werden von der heimischen Bevölkerung immer noch kritisch gesehen und teilweise sogar von einer breiten Mehrheit abgelehnt. Dem wirkt die Bundeswehr mit einer gründlichen Image-Pflege entgegen. Ziel ist es die Akzeptanz weltweiter Militäreinsätzen zu erhöhen – Krieg soll wieder ein berechtigtes Mittel der Politik werden. Diese Militarisierung setzt schon bei den Jüngsten an – den SchülerInnen.

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Militärforschung an Universitäten: „Nur ein kleiner Kreis ist darin eingeweiht“

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 15 (März/April/Mai 2010)

Forschungsvorhaben an den Hochschulen werden oft vom Militär finanziert – eine so genannte Dritt-Mittel-inanzierung. Irgendwie müssen die Universitäten doch auch an Geld kommen…

Viele Universitäten und Lehrstühle sind chronisch unterfinanziert, deshalb gibt es einen starken Druck, Finanzmittel von außen einzuwerben. Wenn Rüstungsunternehmen oder das Verteidigungsministerium dann Geld geben wollen, wird nicht lang gezögert. Laut Bundesregierung ist es noch nie vorgekommen, dass militärische Forschungsaufträge von den Hochschulen abgelehnt wurden. Militärforschung an Hochschulen ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Weil die Bundesregierung Truppen in Einsätze schickt, muss für diese Kriegseinsätze auch geforscht werden. Auch wenn es manchmal nur darum geht an den Universitäten eine Bewerbungsbogen für Offiziersanwärter der Bundeswehr zu entwickeln ist dies kriegswichtig, da die neuen Soldaten dann wiederum im Afghanistan-Krieg oder in sonstigen Bundeswehr-Auslandseinsätzen eingesetzt werden. Dieses Problem geht uns alle an.


Sarah Nagel hat 2009 eine Studie zum Militär an Hochschulen bei der Tübinger Informationsstelle Militarisierung veröffentlicht.

Kannst du Beispiele für Rüstungsprojekte an Hochschulen nennen – dabei geht es nicht immer nur um Waffen?

Das Institut für Angewandte Festkörperphysik in Freiburg ist beispielsweise an der Entwicklung des Bundeswehr-Transportflugzeugs Airbus A400M beteiligt. Allein 2008 gab die Bundesregierung nach Eigenaussagen 1,1 Milliarden Euro für die Rüstungsforschung aus. Aber auch für private Rüstungsfirmen wird sicher häufig geforscht – darüber gibt die Bundesregierung allerdings keine Auskunft. Die Universität Stuttgart forscht zum Beispiel für das Unternehmen Eurocopter, einer Tochter des Rüstungsgiganten EADS, an neuen Rotorblättern und Kampfhubschrauberstrukturen. Das Geld fließt aber nicht nur in die Ingenieursbereiche: die Geisteswissenschaften werden als ‚Feigenblatt’ in die Militärforschung mit einbezogen, zum Beispiel um die Akzeptanz von Kriegseinsätzen zu erforschen. Die Geisteswissenschaften sollen oft ethische Fragen rund um das Militärische klären. Wenn man sich das Ergebnis dieser Forschungen dann ansieht, stellt man allerdings fest, dass es dabei natürlich nicht um Ethik und Moral, sondern nur um die Legitimierung von Militäreinsätzen geht. 27 Hochschulen beteiligen sich an bundeswehrrelevanter und wehrtechnischer Forschung.

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Bundeswehr: Zwischen Dampfstaubsauger und Teflonpfanne

erschienen auf „Nordhessische.de – Nachrichten für Nordhessen“ (www.nordhessische.de)

Nein, Nachwuchsgewinnung sei nicht das vornehmliche Ziel des Bundeswehr-Standes auf der diesjährigen Frühjahrsmesse in Kassel. Es gehe viel mehr darum Akzeptanz für den Auslandseinsatz in Afghanistan zu schaffen, so der leitende Soldat. Gleich am Eingang in Messehalle 1 warben die Soldaten unter dem Motto „Deutschland hilft Afghanistan“ vom 27. Februar bis 7. März um mehr Zustimmung für die umstrittenen Auslandsmission.

Das Modell eines „Tiger“-Kampfhubschraubers lockte vor allem junge Besucher zum Stand der Bundeswehr. Weiter gab es ein Schiffsmodell der Marine zu bestaunen sowie mehrere Computer, an denen man sich über die Armee informieren konnte. Wehrdienstberater standen für Gespräche bereit, und beim Bundeswehr-Quiz gab es sogar etwas zu gewinnen: olivgrüne Badelatschen oder – für Teilnehmer, die alle Fragen richtig beantworteten – ein „Sicherheitspolitisches Wörterbuch“.

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