Archiv für April 2010

Bundeswehr: Rotorblätter versus Windkraft

erschienen im Online-Magazin „Wir Klimaretter“ (www.wir-klimaretter.de) am 30. April 2010

Störungen von Radaranlagen durch Windräder? Seit 2005 hat die Bundeswehr den Bau von Windanlagen mit einer Leistung von mehr als 1.000 Megawatt blockiert und bundesweit Investitionen von 1,1, Milliarden Euro verhindert. Luftsicherheit und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, kritisiert die Branche

Feindliche Flugzeuge nicht mehr orten zu können: Das befürchtet die Bundeswehr wenn es um den Bau neuer Windkraftanlagen geht. Die immer größeren Anlagen mit Höhen von über 200 Metern würden bei den Radaranlagen des Militärs zu Problemen führen – von Positionsungenauigkeiten der Flugzieldarstellung bis hin zu zeitweisen Verlusten von Flugzielen.

Vor allem in der Nähe von Militärflugplätzen scheint die Bundeswehr daher Einspruch gegen geplante Windkraftanlagen einzulegen: So etwa in der Kleinstadt Metelen im Münsterland, in deren Nähe das Transporthubschrauberregiment 15 stationiert ist oder im nordhessischen Fritzlar, wo sich ein Heeresflugplatz befindet und Kampfhubschrauber stationiert sind. Für die tieffliegenden Hubschrauber geht von Windkraftanlagen beim Sichtflug zudem eine erhebliche Kollisionsgefahr aus. Auch an der Nordwestküste Schleswig-Holsteins und im Großraum Cuxhaven wurden zahlreiche Windanlagenprojekte von der Bundeswehr blockiert.
Die zivile Luftfahrt ist im Gegensatz zum Militär von neuen Windkraftanlagen wenig betroffen. Für die zivile Luftsicherung würden Sekundärradaranlage zum Einsatz kommen, beim Militär hauptsächlich Primäranlagen: „Während Primärradaranlagen Objekte ohne deren Mitwirkung aufgrund ihrer physikalischen Rückstrahlfläche erfassen, sendet beim Sekundärradar eine Flugsicherungsbodenstation eine Abfrage aus, die vom Transponder des Luftfahrzeugs aktiv beantwortet werden muss“, erklärte die Bundesregierung dazu jüngst.

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Im Traktor zum Zwischenlager

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 26. April 2010

- Ahaus: Kernkraftgegner befürchten Atommülltransport nach der NRW-Wahl -

Auch in Nordrhein-Westfalen wurde am Wochenende gegen Atomkraft protestiert. Im Münsterland fand die größte Anti-Atom-Demonstration seit dem Castor-Transport 1998 statt.

Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperatur protestierten am Samstag rund 6 000 Menschen im münsterländischen Ahaus gegen Atomkraft. Mehr als 150 Initiativen, Verbände und Parteien riefen zur Großdemonstration in der knapp 40 000-Einwohner zählenden Stadt nahe der niederländischen Grenze auf. Neben dem Gedenken an die Opfer des sich in diesen Tagen jährenden Tschernobyl-Atomunfalls 1986 wollten die Demonstranten vor allem ihren Unmut über die anstehenden Atommülltransporte ins Atomzwischenlager Ahaus zum Ausdruck bringen.
Mit einer Kundgebung begann der Anti-Atom-Protest am Mittag vor dem Ahauser Bahnhof. Neben Informations- und Essensständen wurde auf der Ladefläche eines Lastwagens ein Bühnenprogramm geboten. Als erster Redner trat Heiner Möllers von der Bürgerinitiative »Kein Atommüll in Ahaus« vor das Mikrofon: »Es gibt weltweit kein sicheres Endlager«, daher bedürfe es eines sofortigen Atomausstiegs, um noch mehr radioaktive Abfälle zu vermeiden, so Möllers. Er warnte davor, dass schon kurz nach der NRW-Landtagswahl am 9. Mai die ersten Atommülltransporte ins Zwischenlager nach Ahaus rollen sollen.

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KettenreAktion: Tag der Anti-Atom-Bewegung

erschienen im Online-Magazin „Wir Klimaretter“ (www.wir-klimaretter.de) am 24. April 2010; zusammen mit Felix Werdermann

Jongleure, Sambagruppen, Fahnen, Gartenstühle: Die 120 Kilometer lange Menschenkette gegen Atomkraft bietet ein buntes Bild. 120.000 Umweltschützer sind dabei, die Strecke ist weitgehend geschlossen. Auch in Ahaus und Biblis demonstrieren Tausende Atomkraftgegner. Die Parteien kämpfen in der Bewegung noch mit Akzeptanzproblemen.

Es ist bereits eine Art Mini-Demo, die sich morgens in Berlin trifft. Hunderte Atomkraftgegner warten auf dem Bürgersteig auf ihre Busse, Fahrradfahrer versuchen vergebens, sich den Weg freizuklingeln. Um 10 Uhr – mit einer Stunde Verspätung – starten die 25 Sonderbusse nach Elmshorn, ein Orte an der Strecke. Das Verkehrskonzept zur Menschenkette sieht vor, dass jede Region in Deutschland zu einem bestimmten Streckenabschnitt mobilisiert. Berlin beispielsweise fährt nach Elmshorn.
Auch der Sonderzug aus Berlin fährt in die 50.000-Einwohner-Stadt nördlich von Hamburg. Rund 600 Umweltschützer sind an Bord – die Passagiere sind meist etwas älter als die Busreisenden. Das Zugticket kostet 40 Euro – mehr als doppelt so viel wie die Busfahrt.
In Elmshorn wartet auf die Berliner Umweltschützer ein buntes Bild: Menschen jonglieren mit Keulen, schwenken „Atomkraft Nein Danke“-Fahnen und winken den ankommenden Bussen zu. Eine Sambagruppe trommelt und ruft dazu: „Hierbei gibt es nichts zu flicken, AKWs in Rente schicken!“ Jugendliche liegen auf dem Bürgersteig, als würden sie eine Blockade proben, Anwohner haben ihre Gartenstühle an die Straße gestellt und sonnen sich.

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Eine Fotostrecke vom Protest findet sich hier.

Mädels ins Militär

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 22. April 2010

- Der heutige »Girls’ Day« soll jungen Mädchen einen Einblick in Männerberufe ermöglichen. Die Bundeswehr nutzt dies aus zur Nachwuchsrekrutierung -

Auf über 160 Veranstaltungen will sich die deutsche Armee heute bundesweit jungen Mädchen präsentieren. Knapp 7500 Teilnehmerinnen können sich über die verschiedenen Laufbahnen der Bundeswehr informieren. In Arbeitsagenturen berichten am »Girls’ Day 2010« – wie auch in den vergangenen Jahren – Wehrdienstberater über die Verwendungszwecke weiblicher Soldaten. Die Bundeswehr-Universitäten in München und Hamburg werben für ein Studium bei der Armee. Die einzelnen Teilstreitkräfte haben eigene Veranstaltungen: Im schwäbischen Klosterlechfeld gibt die Luftwaffe jungen Frauen eine Einweisung in das Kampfflugzeug »Tornado«. Auch die Piloten der Flugzeuge stehen auf dem Fliegerhorst für Gespräche zur Verfügung. An der Veranstaltung unter dem Motto »Ein Tag im Jagdbombergeschwader« können 40 Mädchen teilnehmen. Schon lange ausgebucht ist ein Kasernenbesuch beim Marinestützpunktkommando Warnemünde bei Rostock. Dabei wird es neben einer Bootsbesichtigung auch ein Gespräch mit einem Wehrdienstberater geben. Im westfälischen Münster können die Mädchen die Unteroffiziersschule des Heeres besuchen. Auch Bundeswehr-Werbetrucks, Messestände und die Jugendoffiziere der Armee sind heute im Reklameeinsatz.

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»Männlich dominierter Raum«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 22. April 2010

Öffnung der Bundeswehr für Frauen als Soldatinnen ändert nicht automatisch etwas am Geschlechterverhältnis. Gespräch mit Tanja Thomas

Tanja Thomas ist Professorin für Kommunikationswissenschaft und Medienkultur an der Universität Lüneburg. Sie befaßt sich u.a. mit dem Gendermanagement der Bundeswehr. In diesen Ta…

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Militär blockiert Windkraftausbau

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 19. April 2010

- Störung des Radars im hypothetischen Kriegsfall als Argument gegen neue Anlagen -

Einsprüche der Bundeswehr gegen Windkraftanlagen haben mittlerweile zu einem Investitionsstau von etwa 1,1 Milliarden Euro geführt.

Seit 2005 hat die Bundeswehrverwaltung gegen 63 Windenergieprojekte Bedenken wegen möglicher Störungen ihrer Radaranlagen geäußert. Die Militärs fürchten, feindliche Flugzeuge nicht mehr orten zu können, weil diese hinter dem sogenannten Radarschatten der Windräder verschwinden. Insbesondere die neuen über 200 Meter hohen Anlagen könnten zu ungenauer Flugzieldarstellung führen.

Vor allem in der Nähe von Militärflugplätzen scheint die Bundeswehrverwaltung daher Einspruch gegen geplante Windkraftanlagen einzulegen: in der Kleinstadt Metelen im Münsterland etwa, in deren Nähe ein Transporthubschrauberregiment stationiert ist oder im nordhessischen Fritzlar mit seinem Heeresflugplatz. Für die tieffliegenden Militärhubschrauber besteht überdies eine erhebliche Gefahr der Kollision mit Windkraftanlagen. Auch an der Nordwestküste Schleswig-Holsteins und im Großraum Cuxhaven wurden zahlreiche Windanlagenprojekte in der Nähe von Fliegerhorsten von der Bundeswehr blockiert.

Die zivile Luftfahrt ist von neuen Windkraftanlagen hingegen wenig betroffen. Für die zivile Luftsicherung würden Sekundärradaranlagen zum Einsatz kommen, beim Militär hauptsächlich Primäranlagen: »Während Primärradaranlagen Objekte ohne deren Mitwirkung aufgrund ihrer physikalischen Rückstrahlfläche erfassen, sendet beim Sekundärradar die Flugsicherungsbodenstation eine Abfrage aus, die vom Transponder des Luftfahrzeugs aktiv beantwortet werden muss«, erklärte die Bundesregierung dazu auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag.

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»Nichts ist gut im Krieg«

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 06. April 2010; zusammen mit Hans-Gerd Öfinger, Lenny Reimann und Susann Witt-Stahl.

- ND-Korrespondenten bei Ostermärschen in Kassel, Wiesbaden, Dortmund und Hamburg -

Friedensaktivisten demonstrierten gegen Krieg, Rüstungsindustrie, militärische Infrastruktur und die Werbung für die Bundeswehr an Schulen. Im Ruhrgebiet war die Neonaziszene Thema beim Ostermarsch.

Angetrieben von dem neuerlichen Zwischenfall demonstrierten gestern mehrere hundert Menschen im nordhessischen Kassel gegen den Krieg in Afghanistan. In zwei Demonstrationszügen liefen die Friedensbewegten mit ihren bunten Transparenten und Musikbegleitung durch die Innenstadt. Nach Zwischenkundgebungen an Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus endete der traditionelle Demonstrationszug am Rathaus, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

»Nichts ist gut im Krieg«, sagte die erste Rednerin, Ellen Weber, in Anspielung auf ein Zitat der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann. Weber hatte bereits am ersten Ostermarsch 1960 teilgenommen und ging in ihrer Rede auf die nunmehr 50-jährige Tradition ein. Das Thema der Friedensmärsche sei immer noch aktuell: »Mit militärischen Mitteln sind die Probleme armer Länder nicht zu lösen.« Dem pflichtete der Kasseler SPD-Stadtverordnete Bernd Hoppe in seiner Rede bei. In Anbetracht der seit Jahren steigenden Rüstungsexporte forderte er einen strengeren Umgang mit der Waffenindustrie. Kassel ist Standort der beiden großen Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Defence.

Sabine Lösing, Abgeordnete der LINKEN im Europaparlament, forderte vor allem die Bekämpfung der Ursache von Kriegen: »Armut ist der Hauptgrund, wenn Konflikte gewaltsam eskalieren.« Der Unterschied zwischen reichen und armen Ländern werde durch ein globales neoliberales Wirtschaftssystem seit Jahren vergrößert. Sie forderte den Stopp aller Rüstungsexporte, die Abschaffung von Atomwaffen und ein Ende der Militarisierung der Gesellschaft.

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