Militär blockiert Windkraftausbau

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 19. April 2010

- Störung des Radars im hypothetischen Kriegsfall als Argument gegen neue Anlagen -

Einsprüche der Bundeswehr gegen Windkraftanlagen haben mittlerweile zu einem Investitionsstau von etwa 1,1 Milliarden Euro geführt.

Seit 2005 hat die Bundeswehrverwaltung gegen 63 Windenergieprojekte Bedenken wegen möglicher Störungen ihrer Radaranlagen geäußert. Die Militärs fürchten, feindliche Flugzeuge nicht mehr orten zu können, weil diese hinter dem sogenannten Radarschatten der Windräder verschwinden. Insbesondere die neuen über 200 Meter hohen Anlagen könnten zu ungenauer Flugzieldarstellung führen.

Vor allem in der Nähe von Militärflugplätzen scheint die Bundeswehrverwaltung daher Einspruch gegen geplante Windkraftanlagen einzulegen: in der Kleinstadt Metelen im Münsterland etwa, in deren Nähe ein Transporthubschrauberregiment stationiert ist oder im nordhessischen Fritzlar mit seinem Heeresflugplatz. Für die tieffliegenden Militärhubschrauber besteht überdies eine erhebliche Gefahr der Kollision mit Windkraftanlagen. Auch an der Nordwestküste Schleswig-Holsteins und im Großraum Cuxhaven wurden zahlreiche Windanlagenprojekte in der Nähe von Fliegerhorsten von der Bundeswehr blockiert.

Die zivile Luftfahrt ist von neuen Windkraftanlagen hingegen wenig betroffen. Für die zivile Luftsicherung würden Sekundärradaranlagen zum Einsatz kommen, beim Militär hauptsächlich Primäranlagen: »Während Primärradaranlagen Objekte ohne deren Mitwirkung aufgrund ihrer physikalischen Rückstrahlfläche erfassen, sendet beim Sekundärradar die Flugsicherungsbodenstation eine Abfrage aus, die vom Transponder des Luftfahrzeugs aktiv beantwortet werden muss«, erklärte die Bundesregierung dazu auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag.

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