Archiv für Mai 2010

Militarisierung schreitet voran

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 31. Mai 2010

- Kritik an Bundeswehr auf Hessentag -

Auf dem Hessentag sind sowohl die werbende Bundeswehr als auch Antimilitaristen präsent. Die Friedensaktivisten wenden sich gegen die geplante Kooperationsvereinbarung zwischen dem hessischen Kultusministerium und der Bundeswehr.
Sie hatten wohl damit gerechnet. Mehrere Polizisten und Feldjäger patrouillierten am Samstag vor dem Stand der Bundeswehr auf dem diesjährigen Hessentag. Eine antimilitaristische Aktion konnten sie dennoch nicht verhindern. Mit einem Transparent postierten sich einige Friedensaktivisten vor dem »KarriereTreff« der Bundeswehr, Sattelschlepper und Zelte, in denen die Armee versucht Nachwuchs zu rekrutieren. »Es geht darum ein Zeichen gegen Militarisierung zu setzen«, erklärte ein Aktivist.
Auf dem bis zum 6. Juni dauernden Hessentag in Stadtallendorf nahe Marburg ist die Bundeswehr gleich an zwei Standorten vertreten. Auf dem »Platz der Bundeswehr« im Zentrum der 21 000 Einwohner zählenden Stadt wirbt sie mit bunten Werbeständen. Am Stadtrand sollen Panzer und anderes militärisches Großgerät die Menschen zur Armee locken. Auf Flugblättern forderten die Friedensaktivsten ein Ende des Afghanistan-Einsatzes. In Sprechchören verlangten sie ein Ende der Bundeswehr-Einsätze an Schulen. Diese werden in Zukunft wohl noch zunehmen

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Staatsanwaltschaft droht Söldnerfirma

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 27. Mai 2010

- Die dubiose Firma »Asgaard« gerät ins Kreuzfeuer von Justiz und Friedensaktivisten -

Der Protest von Friedensaktivisten gegen eine deutsche Söldnerfirma, die in Somalia tätig werden will, nimmt zu. Aber auch die Justiz prüft Schritte gegen die deutsche Söldnerfirma »Asgaard«.

Schon auf der Homepage der Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« geht es martialisch zu. In einem Animationsfilmchen schwebt das Logo der Firma – das Bild eines Wikingerlangschiffes eingerahmt von den Worten »Treue, Loyalität, Disziplin, Ehre, Tapferkeit, Pflicht« in Runenschrift – zu den Klängen von Wagners Walkürenritt über eine Weltkarte.

Protest auf mehreren Ebenen
»Söldnerfirma schließen – Telgte bleibt friedlich«: Mit Schildern, Transparenten und Trillerpfeifen zogen am Montag rund 20 Friedensaktivisten vor den »Asgaard«Geschäftssitz in einem Wohngebiet in Telgte bei Münster. Die Firma aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt mit 19 000 Einwohnern ist am Wochenende in die Schlagzeilen geraten, da sie beabsichtigt, mehr als 100 deutsche Söldner in den somalischen Bürgerkrieg zu schicken. Dort sollen sie den Politiker Galadid Abdinur Ahmad Darman, der sich selbst als gewählten Präsidenten des Landes bezeichnet und zugleich der international anerkannten Übergangsregierung jegliche Legitimation abspricht, im bewaffneten Kampf gegen andere Gruppen unterstützen.

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»Bundeswehr hat sogar eigene Büros in Arbeitsämtern«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 5. Mai 2010

- Gegen Kriegspropaganda und Rekrutenwerbung gibt es im Internet eine Landkarte für antimilitaristische Aktionen. Gespräch mit Markus Wiedermann -

Markus Wiedermann ist bei der antimilitaristischen Initiative »kehrt marsch – Den Bundeswehr-Werbefeldzug stoppen« aktiv

Ihre Initiative »kehrt marsch« hat vor kurzem eine Landkarte mit Terminen von Bundeswehr-Werbeveranstaltungen ins Internet gestellt und ruft zu Protesten dagegen auf. Wie sieht die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr heute aus?

Die Bundeswehr muß nach eigenen Angaben jährlich 20000 neue Rekruten werben. Dazu hat sie viele Werbeinstrumente entwickelt – sie tritt beispielsweise auf Jobmessen auf oder wirbt auf Marktplätzen bei sogenannten »KarriereTreffs« um Nachwuchs. In Schulen und an Universitäten kommen zudem geschulte Jugendoffiziere zum Einsatz. In Arbeitsagenturen nutzt man die Perspektivlosigkeit und die hohe Arbeitslosigkeit junger Menschen aus, um sie von Wehrdienstberatern rekrutieren zu lassen – in manchen Orten hat die Bundeswehr sogar eigene Büros in den Arbeitsämtern.
Der Truppe geht es aber nicht nur um die unmittelbare Nachwuchsgewinnung. Sie will sich und ihre Kriegseinsätze auch in der Öffentlichkeit aufpolieren – etwa mit Auftritten der Bundeswehr-Bigband, mit öffentlichen Gelöbnissen oder Zapfenstreichen.

Was ist denn an der Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr auszusetzen? Irgendwie muß sie ihren Rekrutenbedarf ja decken …

Die Bundeswehr präsentiert sich sehr einseitig. Dazu organisiert sie z.B. Jugendsportfeste und stellt ihre Einsätze als große Abenteuer dar. Bei Werbeauftritten kommt auch oft militärisches Großgerät zum Einsatz, was vor allem junge Männer anlockt. Daß der Soldatenberuf lebensgefährlich sein kann, wird ebenso heruntergespielt wie ethische oder politische Einwände. Wir hingegen wollen ein Gegengewicht zur Militärverherrlichung schaffen, deswegen üben wir öffentlich Kritik am Militär und seinen Rekrutierungsmethoden.

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