»Bundeswehr hat sogar eigene Büros in Arbeitsämtern«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 5. Mai 2010

- Gegen Kriegspropaganda und Rekrutenwerbung gibt es im Internet eine Landkarte für antimilitaristische Aktionen. Gespräch mit Markus Wiedermann -

Markus Wiedermann ist bei der antimilitaristischen Initiative »kehrt marsch – Den Bundeswehr-Werbefeldzug stoppen« aktiv

Ihre Initiative »kehrt marsch« hat vor kurzem eine Landkarte mit Terminen von Bundeswehr-Werbeveranstaltungen ins Internet gestellt und ruft zu Protesten dagegen auf. Wie sieht die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr heute aus?

Die Bundeswehr muß nach eigenen Angaben jährlich 20000 neue Rekruten werben. Dazu hat sie viele Werbeinstrumente entwickelt – sie tritt beispielsweise auf Jobmessen auf oder wirbt auf Marktplätzen bei sogenannten »KarriereTreffs« um Nachwuchs. In Schulen und an Universitäten kommen zudem geschulte Jugendoffiziere zum Einsatz. In Arbeitsagenturen nutzt man die Perspektivlosigkeit und die hohe Arbeitslosigkeit junger Menschen aus, um sie von Wehrdienstberatern rekrutieren zu lassen – in manchen Orten hat die Bundeswehr sogar eigene Büros in den Arbeitsämtern.
Der Truppe geht es aber nicht nur um die unmittelbare Nachwuchsgewinnung. Sie will sich und ihre Kriegseinsätze auch in der Öffentlichkeit aufpolieren – etwa mit Auftritten der Bundeswehr-Bigband, mit öffentlichen Gelöbnissen oder Zapfenstreichen.

Was ist denn an der Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr auszusetzen? Irgendwie muß sie ihren Rekrutenbedarf ja decken …

Die Bundeswehr präsentiert sich sehr einseitig. Dazu organisiert sie z.B. Jugendsportfeste und stellt ihre Einsätze als große Abenteuer dar. Bei Werbeauftritten kommt auch oft militärisches Großgerät zum Einsatz, was vor allem junge Männer anlockt. Daß der Soldatenberuf lebensgefährlich sein kann, wird ebenso heruntergespielt wie ethische oder politische Einwände. Wir hingegen wollen ein Gegengewicht zur Militärverherrlichung schaffen, deswegen üben wir öffentlich Kritik am Militär und seinen Rekrutierungsmethoden.

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