Archiv für Juni 2010

»Vuvuzelas für den Frieden«

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 30. Juni 2010

- Aktivisten starten neue Aktionen gegen öffentliche Gelöbnisse der Bundeswehr -

Die Zahl öffentlicher Gelöbnisse außerhalb militärischer Liegenschaften nimmt bundesweit zu: Lag sie im Jahr 2007 noch bei 134 waren es 2009 schon 180 Gelöbnisse auf öffentlichen Plätzen. Dem neuen Soldatenkult stellen sich aber auch immer mehr Menschen entgegen.

Einen ungewöhnlichen Anruf bekam Bernd Drücke, Gründungsmitglied der »Friedensinitiative Pulverturm« im westfälischen Münster, am Mittwoch vergangener Woche: »Fairerweise möchte ich Sie darauf hinweisen, dass wir jetzt nur noch eine Serenade machen werden.« Anrufer war der Pressesprecher des in Münster ansässigen und in Auflösung befindlichen Lufttransportkommandos der Bundeswehr. Ursprünglich sollte das Ende der Militäreinheit am heutigen Mittwoch mit einem Großen Zapfenstreich begangen werden – nun war nur noch von sieben Liedern und einem kleineren Aufmarsch die Rede.
Das eigens aus Berlin bestellte Wachbataillon habe nun doch keine Zeit, da es am Folgetag bei der Amtseinführung des neuen Bundespräsidenten benötigt werde, so der Bundeswehr-Sprecher. Zudem wolle das Lufttransportkommando dem Vorwurf der Friedensaktivisten entgehen, »Militarismus« zu betreiben, so der Anrufer gegenüber Bernd Drücke.

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»Bundeswehr gehört abgeschafft«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 26. Juni 2010

- In Münster wollen Kriegsgegner am Mittwoch eine Militärzeremonie aus dem Takt bringen: Mit Clownsarmy und »Vuvuzelas für den Frieden«. Ein Gespräch mit Bernd Drücke -

Bernd Drücke ist Koordinationsredakteur der antimilitaristischen Monatszeitung Graswurzelrevolution (GWR), Gründungsmitglied der Münsteraner »Friedens­initiative Pulverturm« und Mitorganisator des ZapfNIX-Protests

Eigentlich wollte sich die Bundeswehr am kommenden Mittwoch in Münster mit einem »Großen Zapfenstreich« selbst feiern. Das Spektakel wurde aber kurzerhand abgesagt, warum?

Wir hatten am 5. Juni von dem auf dem Schloßplatz geplanten »Großen Zapfenstreich« erfahren und sofort zu Protesten aufgerufen. Das hat auch die Bundeswehr mitbekommen. Am Mittwoch rief dann ein Soldat im Redak­tionsbüro der Graswurzelrevolution (GWR) an. Ich fürchtete erst, wir würden angepöbelt – der Anrufer entpuppte sich aber als Pressesprecher des Lufttransportkommandos. Er teilte mir mit, der »Große Zapfenstreich« sei abgesagt. Wörtlich sagte er: »Sie haben uns Militarismus vorgeworfen. Fairerweise möchte ich Sie darauf hinweisen, daß wir jetzt nur noch eine Serenade machen.« Ich hakte sofort nach, ob denn dabei auch Marschmusik gespielt werde. Antwort: »Ja, aber auch das Lied ›Time to say goodbye‹ von Francesco Sartori.«

Die Bundeswehr macht es also ein Nummer kleiner als geplant?

Das ist ein Erfolg, aber dennoch werden wir keine Ruhe geben. Den Aufruf zum Protest halten wir ebenso wie den Vorwurf des »Militarismus« aufrecht. Die Bundeswehr hat in der Öffentlichkeit zwar nichts zu suchen, sie will aber die Remilitarisierung des öffentlichen Raums erreichen. Wir sollen uns wieder an strammstehende Befehlsempfänger in olivgrünen Uniformen gewöhnen. Die Menschen sollen wohl vergessen, daß die Bundeswehr an verbrecherischen Kriegen beteiligt ist.

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Widerstand gegen »ausländische Mächte«

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 17. Juni 2010

- Einer in Westfalen ansässigen Söldnerfirma droht die Schließung -

Nach dem Medienrummel um die deutsche Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« kann das Unternehmen neue Aufträge und Bewerbungen vorweisen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen w…

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Baggern, Bolzen, Bundeswehr

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 16. Juni 2010

- Sportevent in NRW soll Nachwuchs anziehen -

Zur Nachwuchsgewinnung führte die Bundeswehr auch in diesem Jahr im westfälischen Warendorf ein dreitägiges Sportevent durch. Kostenpunkt: 300 000 Euro, rund 300 Euro pro Teilnehmer.

Alle zwei Jahre wird die Sportschule der Bundeswehr im westfälischen Warendorf zur Spielwiese für hunderte 16- und 17-Jährige. »Bundeswehr-Olympix« heißt das Sportevent der Armee, an dem in diesem Jahr 1011 Jugendliche aus der ganzen Republik teilnahmen.
Neben den sportlichen Wettkämpfen – am vergangenen Wochenende konnten sich die Jugendlichen in Streetball, Beachhandball, Beachvolleyball, Schwimmen und Minisoccer messen – wurde bei den »Bw-Olympix 2010« intensiv um die jungen Leute geworben. In bunten Lastwagen fanden Wehrdienstberatungen statt, Fallschirmspringer stiegen mit einem Hubschrauber über der Sportstätte auf und sprangen beeindruckend hinab, die Marine präsentierte sich mit einem Flugsimulator.

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Erfolg für Kriegsgegner

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 8. Juni 2010

- Kooperationsvertrag zwischen Bundeswehr und Landesschulministerium in Mecklenburg-Vorpommern geplatzt -

Alles war perfekt vorbereitet: die Einladungen verschickt, Sekt und Schnittchen kalt gestellt und der Festsaal im Schweriner Schloß für die Veranstaltung gebucht. Nach kurzen Reden…

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Die nächsten Veranstaltungen

Nach einer sehr interessanten Podiumsdiskussion mit einem Jugendoffizier in Neumünster Ende April und einer Veranstaltung in Köln Ende Mai – beide zum Thema „Bundeswehr an Schulen“ – stehen nun die nächsten Termine an: am kommenden Donnerstag gebe ich im Rahmen des Bildungsstreik-Münster eine kurze Einführung zur Militarisierung des universitären- und schulischen-Bildungswesens. Die Veranstaltung findet ab 19 Uhr im Bildungsstreik-Zelt vor dem Schloss in Münster statt. Am Samstag freue ich mich darauf gemeinsam mit Claudia Haydt einen Workshop zu „zivil-militärischer Zusammenarbeit“ beim „Gesellschaftspolitischen Forum der Rosa-Luxemburg-Stiftung“ in Wiesbaden leiten zu dürfen – das wird sicher spannend! Über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer würde ich mich – wie immer – sehr freuen.

»Jugendoffiziere stellen nur die militärische Sicht dar«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 2. Juni 2010

- Die Bundeswehr vereinbart immer mehr Kooperationen mit den Schulministerien. Ein Gespräch mit Stephan Lippels -

Stephan Lippels ist Lehrer und in der AG Friedliche Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ­München aktiv

In vier Bundesländern gibt es bereits Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr und Schulministerien – am morgigen Donnerstag soll eine weitere für Mecklenburg-Vorpommern unterzeichnet werden. Warum protestieren Sie dagegen?

Lehrer müssen die Freiheit haben, Experten in ihren Unterricht einzuladen oder auch nicht. Mit den Kooperationsvereinbarungen und den darin vorgesehenen jährlichen Evaluationen wird Druck auf die Lehrkräfte ausgeübt, die Armee in den Unterricht zu holen. Für die Schüler haben Bundeswehr-Einsätze im Schulunterricht den Nachteil, daß kein kontroverser Unterricht stattfinden kann, sondern nur einseitig aus Sicht der Armee informiert wird. Unsere Kritik geht aber noch weiter: Die Bundeswehr wird immer öfter völkerrechtswidrig im Ausland und grundgesetzwidrig im Inland eingesetzt. Es geht darum, die Militarisierung der gesamten Gesellschaft zu verhindern.

Befürworter dieser Abkommen führen an, Jugendoffiziere seien durch ihre Erfahrung viel besser für die Vermittlung sicherheitspolitischer Themen geeignet als Lehrer. Das klingt doch erst einmal einleuchtend …

Die politische Bildung – auch in Fragen der Sicherheitspolitik – gehört in die Hände dafür ausgebildeter Pädagogen und nicht in die von Offizieren. Der Einsatz der Militärs hat darüber hinaus den Nachteil, daß nur eine einseitige Sicht präsentiert wird – die Jugendoffiziere sind nämlich verpflichtet, die Position des Verteidigungsministeriums und der Bundesregierung wiederzugeben.

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