»Jugendoffiziere stellen nur die militärische Sicht dar«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 2. Juni 2010

- Die Bundeswehr vereinbart immer mehr Kooperationen mit den Schulministerien. Ein Gespräch mit Stephan Lippels -

Stephan Lippels ist Lehrer und in der AG Friedliche Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ­München aktiv

In vier Bundesländern gibt es bereits Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr und Schulministerien – am morgigen Donnerstag soll eine weitere für Mecklenburg-Vorpommern unterzeichnet werden. Warum protestieren Sie dagegen?

Lehrer müssen die Freiheit haben, Experten in ihren Unterricht einzuladen oder auch nicht. Mit den Kooperationsvereinbarungen und den darin vorgesehenen jährlichen Evaluationen wird Druck auf die Lehrkräfte ausgeübt, die Armee in den Unterricht zu holen. Für die Schüler haben Bundeswehr-Einsätze im Schulunterricht den Nachteil, daß kein kontroverser Unterricht stattfinden kann, sondern nur einseitig aus Sicht der Armee informiert wird. Unsere Kritik geht aber noch weiter: Die Bundeswehr wird immer öfter völkerrechtswidrig im Ausland und grundgesetzwidrig im Inland eingesetzt. Es geht darum, die Militarisierung der gesamten Gesellschaft zu verhindern.

Befürworter dieser Abkommen führen an, Jugendoffiziere seien durch ihre Erfahrung viel besser für die Vermittlung sicherheitspolitischer Themen geeignet als Lehrer. Das klingt doch erst einmal einleuchtend …

Die politische Bildung – auch in Fragen der Sicherheitspolitik – gehört in die Hände dafür ausgebildeter Pädagogen und nicht in die von Offizieren. Der Einsatz der Militärs hat darüber hinaus den Nachteil, daß nur eine einseitige Sicht präsentiert wird – die Jugendoffiziere sind nämlich verpflichtet, die Position des Verteidigungsministeriums und der Bundesregierung wiederzugeben.

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