»Bundeswehr gehört abgeschafft«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 26. Juni 2010

- In Münster wollen Kriegsgegner am Mittwoch eine Militärzeremonie aus dem Takt bringen: Mit Clownsarmy und »Vuvuzelas für den Frieden«. Ein Gespräch mit Bernd Drücke -

Bernd Drücke ist Koordinationsredakteur der antimilitaristischen Monatszeitung Graswurzelrevolution (GWR), Gründungsmitglied der Münsteraner »Friedens­initiative Pulverturm« und Mitorganisator des ZapfNIX-Protests

Eigentlich wollte sich die Bundeswehr am kommenden Mittwoch in Münster mit einem »Großen Zapfenstreich« selbst feiern. Das Spektakel wurde aber kurzerhand abgesagt, warum?

Wir hatten am 5. Juni von dem auf dem Schloßplatz geplanten »Großen Zapfenstreich« erfahren und sofort zu Protesten aufgerufen. Das hat auch die Bundeswehr mitbekommen. Am Mittwoch rief dann ein Soldat im Redak­tionsbüro der Graswurzelrevolution (GWR) an. Ich fürchtete erst, wir würden angepöbelt – der Anrufer entpuppte sich aber als Pressesprecher des Lufttransportkommandos. Er teilte mir mit, der »Große Zapfenstreich« sei abgesagt. Wörtlich sagte er: »Sie haben uns Militarismus vorgeworfen. Fairerweise möchte ich Sie darauf hinweisen, daß wir jetzt nur noch eine Serenade machen.« Ich hakte sofort nach, ob denn dabei auch Marschmusik gespielt werde. Antwort: »Ja, aber auch das Lied ›Time to say goodbye‹ von Francesco Sartori.«

Die Bundeswehr macht es also ein Nummer kleiner als geplant?

Das ist ein Erfolg, aber dennoch werden wir keine Ruhe geben. Den Aufruf zum Protest halten wir ebenso wie den Vorwurf des »Militarismus« aufrecht. Die Bundeswehr hat in der Öffentlichkeit zwar nichts zu suchen, sie will aber die Remilitarisierung des öffentlichen Raums erreichen. Wir sollen uns wieder an strammstehende Befehlsempfänger in olivgrünen Uniformen gewöhnen. Die Menschen sollen wohl vergessen, daß die Bundeswehr an verbrecherischen Kriegen beteiligt ist.

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