Öffentliche Selbstinszenierung

erschienen als „IMI-Analyse 2010/24″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

- Gelöbnisse der Bundeswehr im öffentlichen Raum -

Jedes Jahr geloben rund 70.000 junge Rekruten der Bundeswehr bei hunderten Gelöbnis-Zeremonien[1] „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“[2]. Jeder Wehrdienstleistende muss im Rahmen seiner Grundausbildung geloben, die Nation kämpferisch zu verteidigen. Dies schließt auch den eigenen Tod mit ein und umfasst auch das Töten anderer Menschen zum Erhalt der eigenen Nation. Zwar kann ein Soldat das Gelöbnis verweigern, der Wehrdienstleistende darf dann jedoch nicht mehr befördert werden. Die Zahl öffentlicher Gelöbnisse außerhalb militärischer Liegenschaften nahm in den letzten Jahren stark zu: lag sie 2007 noch bei 134[3] waren es 2009 sogar 180[4] Gelöbnisse auf öffentlichen Plätzen. Das jüngste Gelöbnis hat am 20. Juli 2010 vor dem Reichstag in Berlin stattgefunden. Aufgrund der weiträumigen Absperrung und der geringen Aussicht von Antimilitaristen und Friedensbewegten, die Veranstaltung stören zu können und ihrem Protest vor Ort Ausdruck zu verleihen, hatte keine Gruppe zu Demonstrationen aufgerufen. Anders ist dies beim anstehenden Gelöbnis am 30. Juli auf dem Schlossplatz in Stuttgart, wo zu umfangreichen Protesten aufgerufen wird.[5] Ein Grund sich näher mit dem Militärritual und seinen Funktionen für Armee und Politik zu beschäftigen.

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