Archiv für Juli 2010

Wütende Militaristen

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 2. Juli 2010

- Aggressiv reagierten Polizei und Bundeswehr im westfälischen Münster auf Proteste gegen Militärzeremonie -

Mit einem feierlichen Appell in der münsterischen Manfred-von-Richthofen-Kaserne ist am Mittwoch das Lufttransportkommando der Bundeswehr nach 40 Jahren außer Dienst gestellt worden. Konnten Militärs und lokale Politiker am Nachmittag noch in Ruhe hinter der Kasernenmauer feiern und einem Geschwader von Militärtransportflugzeugen beim Schauflug über die Stadt zusehen, war es für sie bei der öffentlichen Abschiedszeremonie am Abend vor dem Schloß nicht mehr so gemütlich: Friedensaktivisten hatten zum Protest »Gegen Militärspektakel und Auslandseinsätze« aufgerufen. Rund 250 Demonstranten kamen und brachten Trommeln, Trillerpfeifen und die von der Fußball-Weltmeisterschaft bekannten Vuvuzelas mit, um die Veranstaltung zu stören.
Die angemeldete Kundgebung auf dem nahe gelegenen Hindenburgplatz wurde schon kurz nach Beginn wieder aufgelöst, und die Friedensaktivisten strömten direkt an die Absperrgitter vor dem barocken Schloß. Die schwarz gekleideten, behelmten und mit Fackeln ausgestatteten Soldaten wurden beim Einmarsch auf dem Schloßplatz von einem lauten Getöse empfangen. Eine Hundertschaft der Polizei sowie Feldjäger der Bundeswehr drängten die Demonstranten jedoch schnell zurück. Die Bundeswehr hatte für den Abend das Hausrecht auf dem Schloßplatz von der Stadt Münster übertragen bekommen und setzte dieses auch gewaltsam durch: Friedensaktivisten wurden geschlagen, mindestens einer von der Polizei festgenommen, zahlreiche weitere wurden angezeigt. »Die aggressive Stimmung der Polizei war außergewöhnlich«, so Bernd Drücke, Mitorganisator des Protests. Die Friedensaktivisten waren in den vergangenen Tagen von der Lokalpresse scharf angegriffen und diffamiert worden, da sie darauf aufmerksam gemacht hatten, daß schon die Wehrmacht ähnliche Zeremonien vor dem Münsteraner Schloß durchführte und sich die Bundeswehr in eine unsägliche Tradition stelle. Als maßlos und vollkommen unangemessen bezeichnete Ali Atalan, nordrhein-westfälischer Landtagsabgeordneter der Linkspartei und Anmelder der Kundgebung, das Vorgehen von Polizei und Bundeswehr: »Ich habe selber miterlebt, wie mit den friedlichen Demonstranten umgegangen wurde. Mit Demonstrationsfreiheit hatte das nichts mehr zu tun.«

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Anmerkung: Der auf der Website der MilitärkritikerInnen aus Münster unter meinem Namen gepostete Kommentar stammt nicht von mir.