»Aus Deutschland wird auch giftiges Plutonium exportiert«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 08. Oktober 2010

- Vermutlich in der kommenden Woche soll Atommüll von Ahaus nach Rußland gebracht werden. Ein Gespräch mit Vladimir Slivyak -

Vladimir Slivyak ist im Vorstand der russischen Umweltorganisation Ecodefense

Der genaue Termin wird zwar geheimgehalten, aber wahrscheinlich schon in der kommenden Woche sollen 951 abgebrannte Brennstäbe vom atomaren Zwischenlager Ahaus im Münsterland nach Rußland transportiert werden. Es gebe einen Vertrag mit dem russischen Staat, der den Atommüll bei sich aufnimmt, erklärten die deutschen Behörden vor drei Monaten. War Ihnen dieser Vertrag bekannt?

Nein, wir kannten nur einen Vertrag zwischen Rußland und den USA, die sich vor zehn Jahren unter anderem auf die Rücknahme radioaktiver Materialen aus ehemaligen Forschungsreaktoren sowjetischer Bauart geeinigt hatten. Dadurch sollte verhindert werden, daß Terroristen an radioaktives Material gelangen. Solche Atomreaktoren standen beispielsweise in Libyen und in Ländern Zentralasiens.
In Deutschland gab es noch aus Zeiten der DDR einen Forschungsreaktor in Rossendorf bei Dresden. Der Müll aus dieser Anlage wurde 2005 nach Ahaus an der niederländischen Grenze gebracht und soll nun nach Rußland weitertransportiert werden. Im Gegensatz zu anderen Staaten ist der Atommüll in Deutschland aber einigermaßen vor Zugriffen von Terroristen geschützt – der Müll wäre daher allein in dieser Hinsicht in Rußland schlechter aufgehoben.

Geht es Rußland bei der Rücknahme des Atommülls nur darum, ihn nicht in die Hände potentieller Terroristen fallen zu lassen?

Wie gesagt, wir wußten nicht, daß auch zwischen Deutschland und Rußland ein solcher Vertrag existiert. Zudem sind wir der Meinung, daß Atommaterial zwar vor Terroristen geschützt werden muß, daß jeder Transport aber auch ein nicht abzuschätzendes Risiko mit sich bringt – aus Deutschland wird z. B. auch hochgiftiges Plutonium exportiert. Eigentlich geht es der Regierung in Moskau dabei wohl nur um Geld – die Einlagerung des gefährlichen Atommülls läßt sie sich teuer bezahlen. Ein Teil davon wird auch aufbereitet und dann verkauft.

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