Archiv für November 2010

Rohstoffkriege: „Man spricht immer nur über die Interessen der Anderen“

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 17 (Winter 2010)

Werner Ruf war Professor für Internationale und intergesellschaftliche Beziehungen und Außenpolitik an der Uni Kassel.

Als einmal ein Freund von mir in der Schule während des Irak-Kriegs 2003 ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kein Blut für Öl“ trug, wurde er von unserer Lehrerin stark kritisiert. Er würde es sich mit dem Kriegsgrund zu einfach machen und es sei weit komplizierter. Hatte die Lehrerin recht?

Es gibt meist nicht nur einen einzigen Kriegsgrund. Aber die Frage dabei ist natürlich, welcher der entscheidende und wichtigste ist. Insofern hatte die Lehrerin nicht ganz Recht, da es beim Irak-Krieg sehr wohl um Öl ging. Natürlich ist so der Spruch sehr vereinfacht. Aber falsch ist er nicht.

Der Krieg im Irak hat den Rohölpreis erst einmal nach oben schnellen lassen. Wenn es wirklich ein Krieg um Öl war, scheint dies misslungen zu sein…

Es geht nicht um den Preis, sondern um die Gesellschaften, die die Ölreserven ausbeuten. Diesen Firmen konnte es nur recht sein, dass die Preise steigen, da ihre Gewinne dann auch in die Höhe schießen. Ich denke, wir sind inzwischen in einer Situation, in der es gar nicht mehr darum geht, die rohstoffreichen Länder zu besetzen. Viel wichtiger sind heute die Transportwege. Das sind die geostrategischen Zusammenhänge mit denen wir heute zu tun haben. Riesige Mengen des in westlichen Ländern benötigten Öls werden heute über den Indischen Ozean transportiert. Auch neue Gaspipelines wie zurzeit die von Russland nach Deutschland werden – unter Umgehung von Ländern wie den Baltischen Staaten, Polen, der Ukraine, usw. – durch die Ostsee gebaut. Ähnliche Pipelines aus dem asiatischen Raum wie Southstream oder Nabucco Richtung Europa sind in Planung oder ebenfalls schon in Bau. Das sind gigantische Projekte und die müssen natürlich abgesichert werden. Dabei wird von Deutschland und den anderen westlichen Ländern immer noch geglaubt, dass militärische Absicherung der richtige Weg ist.

Neben Afghanistan und dem Irak ist Somalia als Unruheregion momentan oft im Fokus der Medien. Vor der Küste bekämpft die Bundeswehr somalische Piraten, die zivile Handelsschiffe – auch Öltanker – angreifen. Das klingt legitim…

Dort ist die Bundeswehr sogar gleich zweimal im Einsatz: im Rahmen der von den USA angeführten ‚Operation Enduring Freedom‘, also dem vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgerufenen ‚Krieg gegen den Terror‘, und im Rahmen der Mission ‚Atalanta‘ der Europäischen Union. Natürlich hört sich ein Kampf gegen Piraten gut an. Piratenprobleme gibt es aber nicht erst seit einigen Jahren und in anderen Regionen der Erde. In der Straße von Malakka oder im Golf von Guinea. Dort wird auch heute nichts oder wenig unternommen. Dass die westlichen Truppen gerade vor Somalia Jagd auf Piraten machen, hat mit der geografischen Lage der Region zu tun. Vor der Küste Somalias fahren viele westliche Frachtschiffe, die Rohstoffe transportieren. Über die Hintergründe spricht indes niemand: Kaum ein Ozean ist so sehr mit Giftstoffen verseucht wie der vor Somalia. Internationale Fischfangflotten haben dort zudem alles leer gefischt und den kleinen somalischen Fischern so ihre Lebensgrundlage genommen. Die Somali, die heute als Piraten tätig sind, waren früher Fischer. Wenn man das Geld für den Militäreinsatz vor Somalia dazu einsetzen würde, das Gift aus dem Meer zu holen, die Fischbestände zu regenerieren, und internationalen Fischfangflotten verbieten würde, dort zu fischen, hätten wir wohl für alle eine bessere und humanere Lösung ohne Blutvergießen.

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Termine, Termine, Termine

Nach einer sehr schönen Veranstaltung in Koblenz bei der – da sowohl Friedensbewegte als auch Soldaten der Bundeswehr anwesend waren – sehr kontrovers über die „Militarisierung der Schulen“ diskutiert wurde, stehen nun schon die nächsten Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen an. Am 13. November werde ich auf der „Fachtagung Bundeswehr und Schule“ der Deutschen-Friedensgesellschaft in Köln als Ersatz für einen angekündigten Referenten, der nun doch keine Zeit hat, einspringen. Ebenfalls um den „Kampf um die Köpfe“ junger Schülerinnen und Schüler wird es am 24. November in Heidelberg gehen. Im Dezember freue ich mich dann im Rahmen des alljährlichen „Friedensratschlags“ unter der Überschrift „Smart, modern und offensiv: Die Bundeswehr in Schulen und im öffentlichen Raum“ einen Workshop leiten zu dürfen.

Die nächsten Vortragsveranstaltungen zur „Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ im Überblick:

13. November 2010 – Köln (Flyer)

24. November 2010 – Heidelberg (Flyer)

4. Dezember 2010 – Kassel (Flyer)