Archiv für Januar 2011

Vier neue Rezensionen

Immer erfreulich neue Rezensionen über mein Buch zu lesen – und dann gleich noch vier Stück!
In der Zeitschrift „neue deutsche schule“ (nds) der Bildungsgewerkschaft GEW hat Karl-Heinz Peil, der bereits für das Friedensjournal eine Rezension des Heimatfront-Buchs geschrieben hat, eine weitere kurze Rezension veröffentlicht:

„Das Buch ist ein praktisches Hilfsmittel für den Widerstand vor Ort bei öffentlichen Auftritten der Bundeswehr. Der Autor empfiehlt sich als qualifizierter Referent bei Gegenveranstaltungen.“

Eine ausführliche Buch-Rezension mit vielen Zitaten hat Dr. Hubert Kolling auf der Website „socialnet.de“ publiziert. Sein Fazit:

„Bei dem Buch von Michael Schulze von Glaßer handelt es sich um eine umfassende und gut recherchierte aktuelle Darstellung über die Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr, die kaum Fragen offen lässt. Angesichts der aktuellen Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht und dem damit auf der Bundeswehr lastenden Rekrutierungsdruck, ist die Lektüre aktueller den je.“

Auf der Website des „Lebenshaus Schwäbische Alb – Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.“ hat der Publizist Peter Bürger eine Buchempfehlung veröffentlicht. Bürger hat selbst bereits mehrere Forschungsarbeiten zum Bereich „Krieg und Massenkultur“ veröffentlicht. 2006 wurde seine Studie „Kino der Angst“ mit dem Bertha-von-Suttner-Preis der Deutschen Friedensgesellschaft ausgezeichnet. Das vierte Kapitel – „Die Bundeswehr in zivilen Medien“ – meines Buchs schließt an Bürgers sehr gewinnbringende Forschungsarbeit an. Zum Heimatfront-Buch schreibt er:

„Wer in der politischen Friedensarbeit nicht an der Oberfläche verbleiben will, sondern zu den inneren Zentren der Kriegsmaschinerie vordringen möchte, für den ist das Buch ‚An der Heimatfront‘ Pflichtlektüre.“

Eine weitere Rezension ist in der Tageszeitung jungeWelt erschienen. Autor Gerd Bedszent:

„Sehr nützliches Material für Bundeswehrkritiker und Kriegsgegner enthält der Band ‚An der Heimatfront. Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr‘. Michael Schulze von Glaßer untersucht darin detailliert die verschiedenen Rekrutierungsstrategien, zitiert Werbebroschüren, Internetplattformen und Arbeitsmaterialien der Bundeswehr. Zutage tritt ein Netzwerk, das schon heute viele Bereiche der Gesellschaft umspannt.“

Mit den Rezensionen im Friedensjournal und in der Fachzeitschrift Wissenschaft & Frieden gibt es nun also schon sechs Rezensionen des Buchs (nicht zu vergessen auch das Interview auf WDR 3, das sehr zur Bekanntmachung von „An der Heimatfront“ beigetragen hat). Prima!

Widerstand gegen Militärpropaganda

aus der Graswurzelrevolution (GWR) 356 / Februar 2011

- Friedenserziehung statt „Wehr“kunde -

Die Bundeswehr drängt seit einigen Jahren vermehrt in Schulen, um schon junge Leute vom angeblichen Sinn weltweiter Militärmissionen zu überzeugen und sie für den Dienst an der Waffe zu werben. Doch der Widerstand gegen die Militärpropagandisten wächst.

„Ich freue mich sehr, dass wir die gute Zusammenarbeit unserer Schulen mit den Jugendoffizieren durch diese Kooperationsvereinbarungen stärken.“ Mit diesen Worten feierte die damalige NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) im Oktober 2008 die vertragliche Regelung von Einsätzen der Bundeswehr in den Schulen des Bundeslands – ein Präzedenzfall und Dammbruch. Es folgten Verträge im Saarland (März 2009), in Baden-Württemberg (Dezember 2009), Rheinland-Pfalz (Februar 2010), Bayern (Juni 2010), Mecklenburg-Vorpommern (Juli 2010), Hessen (November 2010) und Sachsen (Dezember 2010). Die Kooperationsabkommen vereinfachen den rhetorisch geschulten Jugendoffizieren den Zugang in Schulen, ermöglichen es der Armee sich in Fachmedien für PädagogInnen als „Sicherheitspolitik“-Referenten anzubieten und sehen bereits die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften durch die Bundeswehr vor. Schon in der Schule soll den jungen BürgerInnen Kriegführung als normales Mittel der Politik verkauft werden. Die Bundeswehr versucht durch die Werbeveranstaltungen ihr Nachwuchsproblem zu lösen.

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Jugendoffiziere: Werber für die Bundeswehr

erschienen als „IMI-Standpunkt 2011/002″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

– Warum Jugendoffiziere die Minimalbedingungen für die politische Bildung in Deutschland nicht einhalten und für die Armee werben -

Seit 2008 gibt es mittlerweile in acht der sechzehn deutschen Bundesländer Kooperationsabkommen zwischen dem jeweiligen Landesschulministerium und der Bundeswehr (NRW, Oktober 2008; Saarland, März 2009; Baden-Württemberg, Dezember 2009; Rheinland-Pfalz, Februar 2010; Bayern, Juni 2010; Mecklenburg-Vorpommern, Juli 2010; Hessen, November 2010; Sachsen, Dezember 2010). So genannte Jugendoffiziere der Bundeswehr sollen im „schulischen Kontext Schülerinnen und Schüler über die zur Friedenssicherung möglichen und/oder notwendigen Instrumente der Politik“ informieren.[1] „Dabei werden“, heißt es in den Kooperationsabkommen weiter, „Informationen zur globalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung genauso wie Informationen zu nationalen Interessen einzubeziehen sein.“ Neben Vorträgen von Soldaten in Schulen sehen die Vereinbarungen die teilweise Aus- und Weiterbildung von Referendaren und Lehrkräften durch die Bundeswehr sowie die Veröffentlichung von Armee-Schulangeboten in Fachmedien für Pädagogen vor.
Jugendoffiziere, junge Männer und Frauen mit langjähriger militärischer Erfahrung bilden dabei die Speerspitze des Militärs an den Schulen. Bereits 1958 – nur drei Jahre nach Gründung der Bundeswehr – wurde die Einheit ins Leben gerufen und hatte schon damals die Funktion die Bevölkerung vom Sinn und Zweck der deutschen Armee zu überzeugen. Heute gibt es bundesweit etwa 94 hauptamtlich und 300 nebenamtliche Jugendoffiziere, die an der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK bzw. AKBwInfo-Kom; früher: Amt für psychologische Kriegsführung) in Strausberg nahe Berlin ausgebildet werden. 7.245 Veranstaltungen mit 182.522 Teilnehmern – davon mindestens 160.000 Schülern – führten die Jugendoffiziere 2009 durch.[2] Oft referieren die sehr jung und „cool“ wirkenden Jugendoffiziere vor Schulklassen über Themen wie „Soldaten als Staatsbürger in Uniform“ oder „Auslandseinsätze der Bundeswehr“, diskutieren über den Afghanistan-Einsatz der deutschen Armee oder spielen mit den jungen Leuten die mehrtätige Simulation „Politik & Internationale Sicherheit“ (kurz POL&IS). Das rundenbasierte Planspiel gilt bei Lehrkräften als hochattraktiv und begeisterte allein 2009 in mehr als 365 Simulationen rund 16.120 Schüler mit ihren Lehrern sowie Studenten und Referendare.[3]

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Splitternde Schädelknochen

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 22. Januar 2011

- MEDIENgedanken: Verfehlter Jugendmedienschutz -

Als Anfang November letzten Jahres mit dem Videospiel »Black Ops« der siebte Teil der beliebten First-Person-Shooter-Serie »Call of Duty« erschien, versetzte das die Wächter des deutschen Jugendmedienschutzs in höchste Alarmbereitschaft. Doch ein Blick auf die Entwicklung in diesem Spielebereich lässt bezweifeln, dass dieser überhaupt noch zeitgemäß ist.
US-Spielehersteller Activision verspricht, den Spieler von »Call of Duty: Black Ops« in »Konflikte auf der ganzen Welt« zu führen, in dem man als »Elite-Black Ops-Spezialeinheit abstreitbare Geheimoperationen unter dem Deckmantel des Kalten Krieges ausführen« muss. Der First-Person-Shooter kann dabei auch wahlweise in 3D-Grafik gespielt werden – noch eindrucksvoller sollen so die virtuellen Schlachten werden. Und die sind brutal. Splitternde Schädelknochen, abgetrennte Gliedmaße, Folterungen und mit Rockmusik unterlegte Kampfszenen. Zwar ist die deutsche Version entschärft, Blutfontänen und durchgeschnittene Kehlen bekommen die deutschen User dennoch zu sehen. Im Forum auf der Internet-Seite von »Call of Duty: Black Ops« wird daher eifrig diskutiert: Welche Altersfreigabe hat das Spiel? Welche Unterschiede zwischen der deutschen und der unzensierten Version gibt es? Und woher kann man die unzensierte Version bekommen?

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Der Müll bleibt hier

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 17. Januar 2011

- Jülicher Umweltschützer wollen Castor-Transporte ins Zwischenlager Ahaus stoppen -

In Jülich und Ahaus haben sich Atomkraftgegner verbündet, um Castor-Tranfers vom rheinischen Forschungsreaktor ins münsterländische Zwischenlager zu verhindern. Die Transporte stehen wohl im Sommer an.

Eigentlich sollten die Atommülltransporte vom Forschungszentrum Jülich bei Köln ins Zwischenlager Ahaus im Münsterland in diesen Tagen beginnen. Noch fehlt aber die Transportgenehmigung für 152 Müllbehälter mit 300 000 abgebrannten Brennelementkugeln. Atomkraftgegner nutzen die Zeit, sich weiter zu organisieren: Am Samstag gründete sich in Jülich ein Bündnis »STOP Westcastor«. 50 Atomkraftgegner aus dem Kreis Düren, aus Neuss, Aachen und aus Köln versammelten sich in der Stadthalle, um sich gegen die Atommülltransporte aus der Region zu stellen.
»Spätestens seit der schwarz-gelben Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke kann man die Bevölkerung gut für Anti-Atom-Themen gewinnen«, schätzt Siegfried Faust, Sprecher der neuen Gruppe, die Lage im Allgemeinen ein. Neben Faust besteht das Sprecherkomitee aus Martina Haase vom Linksrheinischen Komitee gegen Strahlengefahr (LiKos), Hanni Popiel und Siegfried Faust (LINKE Jülich), René Becker (Grüne Kreis Düren) und einem Mitglied der Anti-Atom-Gruppe an der Fachhochschule Aachen.

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