Jugendoffiziere: Werber für die Bundeswehr

erschienen als „IMI-Standpunkt 2011/002″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

– Warum Jugendoffiziere die Minimalbedingungen für die politische Bildung in Deutschland nicht einhalten und für die Armee werben -

Seit 2008 gibt es mittlerweile in acht der sechzehn deutschen Bundesländer Kooperationsabkommen zwischen dem jeweiligen Landesschulministerium und der Bundeswehr (NRW, Oktober 2008; Saarland, März 2009; Baden-Württemberg, Dezember 2009; Rheinland-Pfalz, Februar 2010; Bayern, Juni 2010; Mecklenburg-Vorpommern, Juli 2010; Hessen, November 2010; Sachsen, Dezember 2010). So genannte Jugendoffiziere der Bundeswehr sollen im „schulischen Kontext Schülerinnen und Schüler über die zur Friedenssicherung möglichen und/oder notwendigen Instrumente der Politik“ informieren.[1] „Dabei werden“, heißt es in den Kooperationsabkommen weiter, „Informationen zur globalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung genauso wie Informationen zu nationalen Interessen einzubeziehen sein.“ Neben Vorträgen von Soldaten in Schulen sehen die Vereinbarungen die teilweise Aus- und Weiterbildung von Referendaren und Lehrkräften durch die Bundeswehr sowie die Veröffentlichung von Armee-Schulangeboten in Fachmedien für Pädagogen vor.
Jugendoffiziere, junge Männer und Frauen mit langjähriger militärischer Erfahrung bilden dabei die Speerspitze des Militärs an den Schulen. Bereits 1958 – nur drei Jahre nach Gründung der Bundeswehr – wurde die Einheit ins Leben gerufen und hatte schon damals die Funktion die Bevölkerung vom Sinn und Zweck der deutschen Armee zu überzeugen. Heute gibt es bundesweit etwa 94 hauptamtlich und 300 nebenamtliche Jugendoffiziere, die an der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK bzw. AKBwInfo-Kom; früher: Amt für psychologische Kriegsführung) in Strausberg nahe Berlin ausgebildet werden. 7.245 Veranstaltungen mit 182.522 Teilnehmern – davon mindestens 160.000 Schülern – führten die Jugendoffiziere 2009 durch.[2] Oft referieren die sehr jung und „cool“ wirkenden Jugendoffiziere vor Schulklassen über Themen wie „Soldaten als Staatsbürger in Uniform“ oder „Auslandseinsätze der Bundeswehr“, diskutieren über den Afghanistan-Einsatz der deutschen Armee oder spielen mit den jungen Leuten die mehrtätige Simulation „Politik & Internationale Sicherheit“ (kurz POL&IS). Das rundenbasierte Planspiel gilt bei Lehrkräften als hochattraktiv und begeisterte allein 2009 in mehr als 365 Simulationen rund 16.120 Schüler mit ihren Lehrern sowie Studenten und Referendare.[3]

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