»Uns geht es um einen neutralen Unterricht«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 19. Januar 2011

- Der Bayerische Elternverband wehrt sich dagegen, daß die Bundeswehr in Schulen um Nachwuchs wirbt. Ein Gespräch mit Maria Lampl -

Maria Lampl ist Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands e.V.

Der Bayerische Elternverband hat sich mit einer Petition an den Landtag in München gewandt, in der unter anderem gefordert wird, daß Schülerinnen und Schüler Veranstaltungen der Bundeswehr an ihrer Schule »aus Gewissensgründen« fernbleiben dürfen. Werden die Jugendlichen momentan gezwungen, daran teilzunehmen?

Auch bei Bundeswehr-Besuchen im Rahmen des Schulunterrichts besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht für Schüler. Wir wehren uns dagegen, daß das Militär im Unterricht junge Männer anwerben könnte, auch wenn es das offiziell natürlich nicht darf. Wie in sieben weiteren Bundesländern gibt es mittlerweile auch in Bayern ein Kooperationsabkommen zwischen dem Kultusministerium und der Bundeswehr. Schulen können die Jugendoffiziere für den Unterricht in politischer Bildung einladen, aber wir fürchten, daß die Versuchung, daraus eine Werbeveranstaltung zu machen, groß ist. Die Bundeswehr braucht schließlich dringend Nachwuchs, zumal die Wehrpflicht ausgesetzt ist und keine Zwangsrekruten mehr nachkommen.

In der Petition fordern Sie auch, daß die Entscheidung über eine Einladung von Vertretern der Bundeswehr in die Zuständigkeit des Schulforums gehört. Was ist damit gemeint?

Momentan läuft es so, daß Jugend­offiziere einzelne Lehrer oder die Schulleitungen anschreiben und sich als Referenten für sicherheitspolitische Themen anbieten. Die Einladung spricht dann der Schulleiter aus. Wir plädieren dafür, daß das Schulforum darüber entscheidet, ob eine Veranstaltung mit der Bundeswehr stattfindet. Im Schulforum sitzen Vertreter der Lehrer, der Schüler und der Eltern. Der Schulleiter hat hier nur eine von neun Stimmen.

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