Kampf um die Köpfe

erschienen im Nachrichtenmagazin HINTERGRUND (www.hintergrund.de) 4/2010

Die Zustimmung zu Auslandseinsätzen bröckelt und neue Rekruten bleiben aus: die „Hearts & Minds“ der deutschen Bevölkerung müssen für neue Militärinterventionen gewonnen werden. Die Bundeswehr befindet sich in einem für sie beispiellosen Werbefeldzug an der Heimatfront.

„Gut ausgebildete, gleichermaßen leistungsfähige wie leistungswillige Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Grundvoraussetzung für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.“ (1) Im strategischen Konzept des Bundesministeriums der Verteidigung, dem „Weißbuch 2006 – zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“, macht das Militär unmissverständlich deutlich, wie wichtig ihm die Personalgewinnung ist. Die nach Ende des Ost-West-Konfliktes begonnene Transformation der Bundeswehr hin zu einer weltweit einsetzbaren Armee hatte besonders auf die Personalstruktur Einfluss: der Personalumfang soll von knapp 500.000 Soldaten zur Hochzeit des Kalten Krieges auf 252.500 verringert werden – aktuelle Sparmaßnahmen könnten zu einem weiteren Personalabbau führen. Das Personalstrukturmodell 2010 (PSM 2010) der Bundeswehr sieht in Friedenszeiten (und daran hat auch der Afghanistan-Einsatz nichts geändert) einen Umfang von 195.000 Berufs- und Zeitsoldaten, 55.000 Grundwehrdienstleistenden und freiwillig länger Dienenden sowie 2.500 Reservisten vor. (2) Von 117.000 zivilen Arbeitsplätzen bei der Bundeswehr soll es 2010 nur noch 75.000 geben. (3) Trotz des vermeintlichen Personalabbaus – das Bild wird gerade im zivilen Bereich durch Outsourcing an private Dienstleister verzerrt – müssen jährlich rund 20.000 neue Rekruten für den Dienst an der Waffe geworben werden. Dies liegt besonders an der hohen Personalfluktuation innerhalb der Armee: 131.000 Soldaten auf Zeit (SaZ) dienen in der Truppe. Zwischen zwei und zwölf Jahren bleiben die Zeitsoldaten in der Bundeswehr, mehr als 20.000 Soldaten auf Zeit verlassen die Bundeswehr jährlich und gehen danach einem zivilen Beruf nach, andere verpflichten sich gänzlich als Berufssoldaten. „Überwiegend im Altersband zwischen 20 und 30 Jahren sind sie hochbelastbar, vielseitig verwendbar und bilden so das Rückgrat der deutschen Streitkräfte bei der Auftragserfüllung im In- und Ausland“, so der Deutsche Bundeswehrverband zu den Zeitsoldaten. (4) Das Loch von mehr als 20.000 Soldaten, die die Bundeswehr jährlich verlassen, muss gestopft werden – und das ist ein Problem. Im Jahr 2009 hätte die Bundeswehr 23.700 neue Soldatinnen und Soldaten einstellen müssen. (5) Mit 21.784 wurde diese angestrebte Zahl allerdings unterschritten – in den Vorjahren wurde sie jeweils eingehalten. 14.000 Stellen konnten 2009 mit externen Bewerbern besetzt und knapp 7.800 Soldaten durch Binnenwerbung gewonnen werden – beispielsweise aus dem Pool der Wehrdienstleistenden.

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