Archiv für Mai 2011

„Kein Bock auf Bund“

Wie bereits vor einigen Tagen geschrieben, wird das Thema „Bundeswehr-Nachwuchsgewinnung“ mittlerweile auch zunehmend von den „großen“ Medien aufgegriffen. Am letzten Mittwoch wurde darüber etwa in der Live-Sendung „ZDF log in“ auf dem „ZDF infokanal“ disktutiert. Gast in der Sendung war Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Vertrauter von Verteidigungsminister de Maizière. Zudem waren Wehrdienstberater Niels-Ole Raßmus, Jürgen Rose von der kritischen Soldatenvereinigung „Darmstädter Signal“ und ich bei der Diskussion dabei. Die ganze Sendung kann man sich hier in der ZDF-Mediathek anschauen.

Es gab auch einige Reaktionen auf meinen Auftritt: von Zustimmung über sachlich-kritische Mails bis zu einem auf diesem Blog geposteten Kommentar, den ich niemandem vorenthalten möchte:

Sehr geehrter Herr Glaßer,

ich finde es beschämend, dass sie sich mit ihrer subjektiven, unsachlichen Meinung herausnehmen, sich im ZDF als „Freier Journalist“ zu bezeichnen. Alle Aussagen von Ihnen waren zu mindestens 50% falsch. Vielleicht sollten Sie sich für die Zukunft überlegen, ob es das nächste Mal nicht mehr Sinn macht, sich ausführlicher zu informieren, statt bei Wikipedia „Bundeswehr“ einzugeben.
In einem Satz: Sie sind eine Schande für den deutschen Journalismus und der Grund dafür, dass die BILD- Zeitung so schreibt, wie sie schreibt.
Haben Sie nicht noch irgendwas in Leben gelernt was Sie machen könnten, statt zu Schreiben und Mist zu erzählen ?
Vielleicht hat ja die Bundeswehr einen Platz für Sie als Küchenfeldwebel.

Mit freundlichen Grüßen, Paul Janssen

Ich empfehle meine vielen Artikel über die Bundeswehr zu lesen und möchte auch auf mein Buch und die darin abgedruckten 857 Fußnoten bzw. Quellennachweise verweisen. Ich stehe dem Militär und ihrer Nachwuchswerbung sowie Öffentlichkeitsarbeit zwar kritisch gegenüber – doch das hat Hand und Fuß.

Schulen verweigern sich den Streitkräften

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 27. Mai 2011

Immer mehr Bildungseinrichtungen erklären sich zu bundeswehrfreien Zonen und erteilen Jugendoffizieren Absagen

Um sich den Zugang zu den potentiellen Rekruten von morgen zu sichern, gibt es mittlerweile in acht Bundesländern Kooperationsvereinbarungen zwischen dem jeweiligen Kultusministeri…

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Filmunterstützung durch die Bundeswehr: „Die Armee will nicht über sich selbst sprechen“

erschienen am 25. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Trotz monatelangem Kontakt und einem Treffen im Verteidigungsministerium in Bonn wollte die Bundeswehr den 2010 veröffentlichten Dokumentarfilm „Der Tag des Spatzen“ nicht unterstützen – weder Interviews mit Militärangehörigen wurden erlaubt noch Drehgenehmigungen für Militärübungsplätze oder auch nur für „Tage der offenen Tür“ an einem Übungsplatz genehmigt. Im Gespräch erläutert Filmemacher Philip Scheffner, warum er für das Filmprojekt Soldaten sprechen wollte und mit welcher Begründung die Bundeswehr die Unterstützung von „Der Tag des Spatzen“ ablehnte.

Militainment.info: Wovon handelt Ihr bereits mit dem „Klaus-Wildenhahn-Preis“ der 7. Hamburger Dokumentarfilmwoche ausgezeichneter Film „Der Tag des Spatzen“?

Philip Scheffner: Der Film ist eine Untersuchung über die Sichtbarkeit der deutschen Beteiligung an Kriegen wie etwa in Afghanistan. Es geht darum, dass, wenn Deutschland im Ausland an Militäreinsätzen beteiligt ist, man das doch auch irgendwo hier – in Deutschland – sehen müsste. Es geht also um Fragen von Nähe und Distanz und der Schwierigkeit bzw. Notwendigkeit „sich in Verhältnis zu setzen“. Der Ausgangspunkt des Films war ein persönliches Erlebnis: Zwei Nachrichten erscheinen nebeneinander auf einer Seite einer Tageszeitung im November 2005. Die eine Nachricht handelte von einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul, bei dem ein deutscher Soldat ums Leben kam. Der andere Zeitungsartikel handelte vom Tod eines Spatzen in einer niederländischen Stadt. Beide Nachrichten sind Nachrichten von Schauplätzen außerhalb Deutschlands, haben aber sonst nichts miteinander zutun. Als ich die Nachrichten gelesen hatte, sah ich vor meinem Fenster einen Spatz. Da war der direkte Zusammenhang mit dem toten Spatz in den Niederlanden. Doch einen Zusammenhang mit dem toten deutschen Soldaten fand ich in meiner Umgebung nicht. Vom Krieg habe ich gar nichts gesehen. Das hat bei mir eine ganze Gedankenkette in Gang gesetzt, der wir im Film gefolgt sind.

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Schlachtfeld Berlin – aber ohne Bundeswehr?

erschienen am 20. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Im November soll das Videospiel „Call of Duty: Modern Warfare 3“ erscheinen. Vor einigen Tagen wurden erste Informationen über das Spiel geleakt . Sie enthüllten: Auch die deutsche Hauptstadt Berlin wird diesmal zum Schauplatz im Kampf russischer Aggressoren gegen den Westen. Unklar ist bisher, ob deutsche Streitkräfte im Spiel zu sehen sein werden.

Die „Call of Duty“-Serie des Publishers Activision gehört zu den erfolgreichsten Videospielen überhaupt. So wurden vom aktuellen siebten Teil „Call of Duty: Black Ops“ innerhalb von 24 Stunden nach Verkaufsstart 5,6 Millionen Exemplare verkauft. „Black Ops“ war mit fast 14 Millionen verkauften Spielen und über einer Milliarde Dollar Umsatz das meistverkaufte Spiel 2010. Und die Fangemeinde des First-Person-Shooters wartet bereits sehnsüchtig auf den nun teilweise enthüllten Teil acht: „Call of Duty: Modern Warfare 3“.

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Veranstaltungen in Karlsruhe und Jena

Weiter geht’s! Am kommenden Sonntag – 22. Mai – werde ich auf der Fachtagung „Schulfrei für die Bundeswehr – Friedenserziehung stärken!“ in Karlsruhe einen Vortrag (+ Diskussion) im Plenum halten und anschließend noch einen Workshop leiten (Flyer). Am Abend des 26. Mai kann man mich dann im thüringischen Jena bei einem Vortrag (+ Diskussion) über die Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen und Universitäten hören und sehen.

Die Bundeswehr-Rekrutierungsversuche werden zunehmend auch von den „großen“ Medien aufgegriffen. Spiegel-Online hat vor wenigen Tagen einen Artikel samt Video dazu veröffentlicht – darin stand zwar nicht wirklich etwas Neues, aber ich wurde – welch Ehre – im Artikel als „militärkritische[r] Autor und Blogger“ zitiert. Lustige Sache ;-)

ZDF übertrug Soldatengottesdienst

erschienen am 18. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Der Luftwaffen-Airbus hätte nicht besser ins Licht gerückt werden können: Aus der Abflughalle der Luftwaffen-Flugbereitschaft am Militärflughafen Köln-Wahn übertrug das ZDF am Sonntag einen evangelischen Gottesdienst (hier in der ZDF-Mediathek zum Nachgucken). Unter der Überschrift „Freiheit – am Hindukusch verteidigt?“ warb die Kirche für Solidarität mit deutschen Soldaten.

Entscheidend beim medial inszenierten Gottesdienst am vergangenen Sonntagmorgen: der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch wurde – und das ist spätestens nach Margot Käßmanns Amtsniederlegung die offizielle Linie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – nicht generell in Frage gestellt. Zwar benannte Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD, den Afghanistan-Einsatz als „Krieg“ und sprach auch davon, dass die Kirche den Einsatz nicht „in allen seinen Punkten gutheißt“, dennoch erging an den ebenfalls beim Gottesdienst anwesenden Verteidigungsminister Thomas de Maizière keine Forderung auf Abzug der deutschen Truppen. Stattdessen warb Schneider um Solidarität für die deutschen Soldaten: „Es ist wichtig, dass die Menschen, die unser Land in einen solchen Einsatz schickt, nicht allein gelassen werden“, so der Geistliche in seiner Predigt. Weiter sagte er: „Es ist wichtig, dass wir als Kirche und Gesellschaft die wahrnehmen, die aus dem Einsatz zurückkehren“. Insbesondere verwundete und traumatisierte Soldaten müssten von der Gesellschaft aufgefangen werden. Zudem sei es wichtig, für die deutschen Soldaten in Afghanistan zu beten.

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Militainment.info

Die Image- und Rekrutierungsarbeit der Bundeswehr an Schulen ist ein spannendes und – sicher auch aufgrund der aktuellen Wehrreform – sehr nachgefragtes Thema. Ich habe bereits viel darüber geschrieben, viele Vorträge dazu gehalten und werde mich auch in Zukunft weiter mit „Soldaten im Klassenzimmer“ beschäftigen. Dennoch gibt es auch andere spannende Bereiche militärischer Öffentlichkeitsarbeit: zum Beispiel „Militainment“, ein aus den Wörtern „Militär“ und „Entertainment“ zusammengesetzter Begriff.
Kriegsfilme und militärische Videospiele gehören heute zur Massenkultur und führen zu einer Banalisierung des Militärischen im Zivilen. Die mit Abstand meisten in Deutschland veröffentlichten Militainment-Produktionen kommen – wie nicht anders zu erwarten – aus den USA. Doch auch die Bundeswehr ist zunehmend Akteur in Unterhaltungsproduktionen und unterstützt beispielsweise immer mehr Filmproduktionen. Seit Anfang Mai werfe ich auf der Website www.militainment.info einen kritischen Blick auf die Darstellung des Militärs in Kino, Fernsehen und Videospiel.

Jeden Mittwoch soll es auf der Seite einen neuen Beitrag – einen Artikel, ein Interview oder eine Rezension – geben. Zudem soll es zwischendurch auch Hinweise auf andere interessante Texte, Videos, etc. zum Thema geben. Im Kommentar-Bereich der Texte ist Platz für Diskussionen – über die bisher erschienenen zwei Artikel wird bereits kontrovers diskutiert (hier und hier).
Wie sich Militainment.info entwickeln wird – bisher mache ich das Projekt allein –, wird die Zeit zeigen. Momentan bin ich aber sehr motiviert ;-)

Unsägliche Symbolik

erschienen am 11. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Die politische Auseinandersetzung um weltweite Bundeswehr-Einsätze wird auch medial ausgetragen. Die Armee ist bemüht, sich in Massenmedien gut in Szene zu setzen um für ihre Einsätze von einem breiten Publikum Zustimmung und Interesse zu gewinnen. Die Offenheit der Bundeswehr, sich von Kamerateams begleiten zu lassen oder Medienanstalten selbstgedrehtes Filmmaterial zur Verfügung zu stellen, kann für die Armee aber auch nach hinten losgehen. Die Transparenz gibt einen Einblick, wie es um die Truppe wirklich steht – zumindest für den Zuschauer, der genau hinsieht.

Ab dem 2. Mai strahlte der Fernsehsender RTL Regional Niedersachsen wohlwollende, kurze Reportagen über das Leben deutscher Soldaten in Afghanistan aus. Kein einfaches Leben führen die Soldaten dort: Furcht vor Angriffen der Taliban und auch den Soldaten der Afghan-National-Army (ANA) trauen die Bundeswehr-Soldaten nicht mehr recht, nachdem ein ANA-Soldat im Februar drei deutsche Soldaten erschoss. Die „Herzen und Köpfe“ der Bevölkerung am Hindukusch konnte die Bundeswehr in Afghanistan noch nicht gewinnen. Sie macht es sich aber auch schwer. Im zweiten Teil der RTL-Reportage ist ein deutscher Soldat im Tarn-T-Shirt zu sehen, der müde aus seinem Schlafsack kriecht. Auf dem Rücken des Shirts der Schriftzug „Afghanistan“. Darunter zu sehen: ein Bundeswehr-Hubschrauber, ein Späh- und ein Truppentransportpanzer. Eingerahmt werden die Militärfahrzeuge von einem Umriss Afghanistans, allerdings nicht einfach schwarz oder in den afghanischen Nationalfarben, sondern in Schwarz-Rot-Gold. Ganz Afghanistan also von Deutschland annektiert? Es ist nicht der erste Fall zweifelhafter Kleidung deutscher Soldaten.

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Kunterbunt statt Olivgrün

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 10. Mai 2011

Die Werbetätigkeit der Bundeswehr mit Hilfe von Sportevents stößt zunehmend auf Kritik. Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linkspartei, fordert ein …

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Beachen und ballern

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 10. Mai 2011

- Heute Sport und morgen tot? In ihrem verzweifelten Kampf um neuen Nachwuchs setzt die Bundeswehr besonders auf Sportevents -

Die Bereitstellung der Einsatzkontingente wird bereits 2012 nicht mehr im heutigen Umfang möglich sein« warnt Bundeswehrgeneralleutnant Werner Freers in einem Brandbrief an den Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Aufgrund sich abzeichnender Personalnot sieht Freers den Afghanistan-Einsatz der deutschen Armee gefährdet. Mit Ende der Wehrpflicht muß die Bundeswehr ihren Nachwuchsbedarf von jährlich etwa 15000 neuen Rekruten vollends aus der Zivilgesellschaft werben – und das gestaltet sich angesichts unpopulärer und gefährlicher Auslandseinsätze sowie immer neuer Militärskandale schwierig. Bei Werbeveranstaltungen versucht die Armee daher, ihre militärische Seite zu verschleiern, und wirbt mit bunten Funsportevents um frisches Blut.
Die »Schul-Liga« ist eine kommerzielle Fußball-Liga für Schülerinnen und Schüler. In Sporthallen treten die Jungs in den Kategorien U14, U16 und U21, Mädchen in den Kategorien U14W und U20W bei Turnieren gegeneinander an. Jede Mannschaft hat vier Feldspieler plus einen festen Torwart. Ein Spiel dauert zweimal sieben Minuten, die Pause beträgt drei Minuten.

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