Unsägliche Symbolik

erschienen am 11. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Die politische Auseinandersetzung um weltweite Bundeswehr-Einsätze wird auch medial ausgetragen. Die Armee ist bemüht, sich in Massenmedien gut in Szene zu setzen um für ihre Einsätze von einem breiten Publikum Zustimmung und Interesse zu gewinnen. Die Offenheit der Bundeswehr, sich von Kamerateams begleiten zu lassen oder Medienanstalten selbstgedrehtes Filmmaterial zur Verfügung zu stellen, kann für die Armee aber auch nach hinten losgehen. Die Transparenz gibt einen Einblick, wie es um die Truppe wirklich steht – zumindest für den Zuschauer, der genau hinsieht.

Ab dem 2. Mai strahlte der Fernsehsender RTL Regional Niedersachsen wohlwollende, kurze Reportagen über das Leben deutscher Soldaten in Afghanistan aus. Kein einfaches Leben führen die Soldaten dort: Furcht vor Angriffen der Taliban und auch den Soldaten der Afghan-National-Army (ANA) trauen die Bundeswehr-Soldaten nicht mehr recht, nachdem ein ANA-Soldat im Februar drei deutsche Soldaten erschoss. Die „Herzen und Köpfe“ der Bevölkerung am Hindukusch konnte die Bundeswehr in Afghanistan noch nicht gewinnen. Sie macht es sich aber auch schwer. Im zweiten Teil der RTL-Reportage ist ein deutscher Soldat im Tarn-T-Shirt zu sehen, der müde aus seinem Schlafsack kriecht. Auf dem Rücken des Shirts der Schriftzug „Afghanistan“. Darunter zu sehen: ein Bundeswehr-Hubschrauber, ein Späh- und ein Truppentransportpanzer. Eingerahmt werden die Militärfahrzeuge von einem Umriss Afghanistans, allerdings nicht einfach schwarz oder in den afghanischen Nationalfarben, sondern in Schwarz-Rot-Gold. Ganz Afghanistan also von Deutschland annektiert? Es ist nicht der erste Fall zweifelhafter Kleidung deutscher Soldaten.

weiterlesen