Filmunterstützung durch die Bundeswehr: „Die Armee will nicht über sich selbst sprechen“

erschienen am 25. Mai 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Trotz monatelangem Kontakt und einem Treffen im Verteidigungsministerium in Bonn wollte die Bundeswehr den 2010 veröffentlichten Dokumentarfilm „Der Tag des Spatzen“ nicht unterstützen – weder Interviews mit Militärangehörigen wurden erlaubt noch Drehgenehmigungen für Militärübungsplätze oder auch nur für „Tage der offenen Tür“ an einem Übungsplatz genehmigt. Im Gespräch erläutert Filmemacher Philip Scheffner, warum er für das Filmprojekt Soldaten sprechen wollte und mit welcher Begründung die Bundeswehr die Unterstützung von „Der Tag des Spatzen“ ablehnte.

Militainment.info: Wovon handelt Ihr bereits mit dem „Klaus-Wildenhahn-Preis“ der 7. Hamburger Dokumentarfilmwoche ausgezeichneter Film „Der Tag des Spatzen“?

Philip Scheffner: Der Film ist eine Untersuchung über die Sichtbarkeit der deutschen Beteiligung an Kriegen wie etwa in Afghanistan. Es geht darum, dass, wenn Deutschland im Ausland an Militäreinsätzen beteiligt ist, man das doch auch irgendwo hier – in Deutschland – sehen müsste. Es geht also um Fragen von Nähe und Distanz und der Schwierigkeit bzw. Notwendigkeit „sich in Verhältnis zu setzen“. Der Ausgangspunkt des Films war ein persönliches Erlebnis: Zwei Nachrichten erscheinen nebeneinander auf einer Seite einer Tageszeitung im November 2005. Die eine Nachricht handelte von einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul, bei dem ein deutscher Soldat ums Leben kam. Der andere Zeitungsartikel handelte vom Tod eines Spatzen in einer niederländischen Stadt. Beide Nachrichten sind Nachrichten von Schauplätzen außerhalb Deutschlands, haben aber sonst nichts miteinander zutun. Als ich die Nachrichten gelesen hatte, sah ich vor meinem Fenster einen Spatz. Da war der direkte Zusammenhang mit dem toten Spatz in den Niederlanden. Doch einen Zusammenhang mit dem toten deutschen Soldaten fand ich in meiner Umgebung nicht. Vom Krieg habe ich gar nichts gesehen. Das hat bei mir eine ganze Gedankenkette in Gang gesetzt, der wir im Film gefolgt sind.

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