Legitimation der Kriegspolitik

erschienen am 18. Juni 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Die regierende Politik nutzte in den letzten Wochen die Trauerfeiern für in Afghanistan getötete Bundeswehr-Soldaten, um die deutsche Bevölkerung auf die von ihr forcierte Kriegspolitik einzuschwören – die Kirchen und die öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen machen sich zu Steigbügelhalterinnen dieser Politik.

Die Fernsehübertragung im WDR sei ein „großes Glück“, freute sich der Leiter des Presse- und Informationszentrums des Heeres am 10. Juni vor versammelten Journalisten in Detmold. Der Anlass der einstündigen Live-Übertragung war allerdings ein tragischer: gesendet wurde der Trauergottesdienst für einen am 2. Juni in der afghanischen Provinz Baghlan getöteten Bundeswehr-Soldaten. Bei der Berichterstattung überließen die Militär-Planer nichts dem Zufall: den Fotografen und Kamerateams wurde vor Beginn in einer „Einsatzbesprechung“ anhand von Karten genau gezeigt wo sie zu stehen hatten, wer fotografiert werden darf und wer nicht. Fotos vom Gottesdienst selbst durfte nur das Team einer Fotoagentur machen, zudem hatte der öffentlich-rechtliche WDR gleich fünf Fernsehkameras im Innern der Heilig Kreuz-Kirche in Detmold aufgestellt. Die Bilder sollten ihre Wirkung nicht verfehlen und den Kurs der Regierung so gut es geht vermitteln.

Zu Beginn der Zeremonie sprach der evangelische Militärdekan Ulrich Brates die Gefühle der Zuhörer an: „Ich weiß von seinen Kameraden, dass sie ihn vermissen.“ Sein katholischer Amtskollege Rainer Schnettker sprach beim Gottesdienst vom „Vertrauen darauf, dass der Einsatz seines Lebens [des gefallenen Soldaten, d.A.] nicht sinnlos war.“ Verteidigungsminister Thomas de Maizière lobte den toten Soldaten – den er wohl nie persönlich kannte – in höchsten Tönen, sprach von „Mut“ und „Tapferkeit“: „Wir können als Bundesrepublik stolz sein auf ihn, dankbar für den Dienst, den er unserem Land geleistet hat.“ Zudem nutzte der CDU-Minister die Aufmerksamkeit zur Verbreitung von Durchhalteparolen: „Noch immer ist Afghanistan weit davon entfernt, ein befriedetes Gebiet zu sein. Aber unser Weg ist richtig. Unsere Ziele sind richtig. Opfer dürfen nicht vergeblich sein.“ Die deutsche Bevölkerung, die dem Krieg in Afghanistan zumeist ablehnend gegenübersteht, soll von dem Einsatz überzeugt werden.

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Hinweis: in der Tageszeitung jungeWelt ist am 21. Juni ein ähnlicher Artikel von mir erschienen – siehe hier.