Archiv für Juli 2011

Feldzug auf den Rechnern

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) vom 21. Juli 2011

Der Armee fehlt der Nachwuchs. Also wirbt sie dort, wo sich junge Menschen tummeln: im Netz, mit Youtube, Facebook und eigenen Foren. Doch die Web-Offensive ist umstritten

„Taliban töten“, „Afghanistan killing“ oder auch „Zivilisten töten in Afghanistan“: Wer bei You­tube nach einer dieser Wortkombinationen gesucht hat, bekam noch vor wenigen Wochen Werbung der Bundeswehr zu sehen. Die Armee hatte sich bei der populären Videoplattform für rund eine Million Euro entsprechende „AdWords“-Werbung gekauft: Tippt man bestimmte Wörter in die Suchmaske ein, erscheint als erstes Suchergebnis ein Werbevideo. Eigentlich eine kluge Idee, hätte die Armee nur die richtigen Suchwörter gekauft.

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Übermenschliche US-Soldaten?

erschienen am 20. Juli 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Die US-Army wirbt mit dem neuen „X-Men“-Kinofilm um neue Rekruten. Ein neuer Höhepunkt der zweifelhaften US-Rekrutenwerbung.

Lange Jahre hatte die US-Army massive Probleme genügend Rekruten für ihre Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan zu finden. Die Situation änderte sich erst mit der Wirtschaftskrise 2009. 170.000 Freiwillige meldeten sich in ihrer Not auf der Suche nach Arbeit 2008 und 2009 für den Militärdienst – ein Ansturm den es seit gut 35 Jahren nicht mehr gab. Mit dem langsamen Ende der Wirtschaftskrise wird es wieder schwerer genügend Nachwuchs für die Streitkräfte zu rekrutieren. Die US-Army reagiert darauf mit massiven Werbemaßnahmen.
Bisher wurden Kindern und Jugendlichen in Werbespots der US-Armee ruhmreiche Spaßabenteuer als Soldaten im Auslandseinsatz präsentiert. Nun scheinen die US-Rekrutierer aber jegliche Nähe zur Realität verloren zu haben: die neueste Kampagne der US-Army lehnt sich an den Anfang Juni weltweit in den Kinos angelaufenen Comic-Actionfilm „X-Men: Erste Entscheidung“ an. Der Film handelt von mutierten Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Die Mutanten haben etwa Selbstheilungs-Fähigkeiten oder besitzen enorme Kräfte. In einem 30-sekündigen Werbespot der US-Armee wechseln sich Szenen aus dem Kinofilm mit denen echter US-Soldaten ab. Der mit Fanfaren-Musik unterlegte Sprechtext dazu: „Helden – einfach Leute die herausfinden, dass sie außergewöhnliche Dinge machen können. Mit einzigartigen Talenten und Stärken. Sie stehen beisammen als eine Elite-Einheit. Es ist mehr als eine Uniform. Es ist die Chance Teil etwas Größerem zu sein, das man sich je hätte vorstellen können.“ Am Ende des Werbespots wird auf die Facebook-Seite der US-Militärwerber verwiesen. Dort findet sich ein exklusiver Hintergrund-Kurzfilm zu „X-Men: Erste Entscheidung“ – daneben natürlich allerlei Informationen über den Dienst in den Streitkräften. Auf der offiziellen „X-Men“-Website zum Film findet sich wiederum ein Link zur goarmy.com-Rekrutierungswebsite der Armee.

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Virtuelle deutsche Panzer

erschienen am 11. Juli 2011 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Nicht nur wirkliche Waffensysteme aus Deutschland sind begehrt, sondern auch virtuelle, aber Rüstungs- und Computerspielfirmen sprechen auch darüber nicht so gern -

Die deutsche Regierung hat beschlossen, deutsche Leopard-Panzer an das saudische Regime zu verkaufen, also an ein autoritäres Regime, das die Demokratisierungsbewegung unterdrückt und Menschenrechte nicht achtet, und in ein Krisengebiet. Deutsche Waffen sind beliebt: die Bundesrepublik steht bei den weltweiten Rüstungsexporten momentan auf Platz drei und auch in der virtuellen Welt werden immer häufiger Waffensystem aus Deutschland verwendet. Darüber reden Rüstungs- und Videospiel-Industrie aber nicht gern.

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Ein etwas erweiterter Artikel ist am 13. Juli auf Militainment.info – siehe hier – erschienen.

Jetzt im Netz: utopia 19

Die neunzehnte Ausgabe der utopia ist schon seit rund einem Monat in gedruckter Form in Umlauf – nun ist die neue Ausgabe der libertären Jugendzeitung auch endlich auf der Website einzusehen. Schwerpunktthema ist (Post-)Kolonialismus. Außerdem gibt es Artikel zu deutschen Atom-Exporten, fairem Handel und einiges über Musik zu lesen. Viel Spaß!

utopia 19 (PDF)

Auch ein »Puma« bringt was ein

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 08. Juli 2011

- Zuwendungen flossen an die Union, die SPD und die FDP -

Trotz zahlreicher Mängel an den Prototypen gab die Politik 2009 die Beschaffung hunderter neuer Schützenpanzer für die Bundeswehr in Auftrag – ein Milliardenauftrag für die deutsche Rüstungsindustrie. Im selben Jahr flossen auch ordentlich Parteispenden.

Obwohl es keinen funktionsfähigen Prototypen gab, stimmte der Haushaltsausschuss des Bundestags 2009 der Bestellung von 405 neuen Schützenpanzern vom Typ »Puma« für die Bundeswehr zu. Der Bundesrechnungshof (BRH) warnte bei dem knapp vier Milliarden Euro teuren Rüstungsprojekt vor »erhebliche Risiken«. Laut BRH habe es bei den fünf Erprobungsmodellen »erhebliche technische Probleme« mit Motor, Getriebe und Fahrwerk gegeben. Zudem war absehbar, dass der Panzer schwerer würde als geplant und dies zu Problemen bei der Verlegung mit dem neuen Bundeswehr-Transportflugzeug Airbus A400M kommen könnte.

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Pseudo-Realität

erschienen am 06. Juli 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Videospiele werden immer realistischer – behaupten zumindest die Hersteller der Spiele. Doch gerade bei Videospielen, die Krieg und Militär darstellen, hat die Behauptung klare Grenzen.

Im Herbst erscheint das Videospiel „Battlefield 3“ und wird ersten Berichten zufolge neue Maßstäbe im First-Person-Shooter-Genre setzen. Hersteller „Electronic Arts“ (EA) verspricht viel: „Spüre die Wucht des Schlachtfelds! Mach dich auf den realistischsten Shooter aller Zeiten gefasst, der in diesem Herbst mit Unterstützung der brandneuen Frostbite 2-Engine für Furore sorgen wird“, heißt es auf der offiziellen Website des Spiels. Ohne Frage: schon die im Vorgängerspiel eingesetzte Frostbite 1-Grafik-Engine war beeindruckend. So konnten erstmals auch Teile der Spiel-Umgebung zerstört werden: verpufften die virtuellen Granaten bisher ohne Schaden zu hinterlassen an Häuserwänden rissen die Granaten in „Battlefield: Bad Company“ die Hauswand aus ihrem Fundament. Nun soll die Spielwelt noch eindrucksvoller zerstört werden können: „Mit dieser leistungsstarken Engine als Basis, lässt Battlefield 3 die Spieler emotional und körperlich wie nie zuvor in die Spielwelt eintauchen“, preist EA die neue Engine auf der Battlefield-Website weiter an – und lehnt sich mit dieser Behauptung zu weit aus dem Fenster. Denn ob die virtuelle Hauswand weggerissen wird oder nicht: der Spieler sitzt sicher und gefahrlos vor dem Bildschirm. Körperlich wird der „Battlefield 3“-Spieler – bis auf einen erhöhten Puls aufgrund der visuellen und hörbaren Eindrücke – nicht sonderlich tangiert. Die virtuellen Kugeln fliegen durch die Pixel-Landschaft und dem Spieler kein echtes Blei um die Ohren. Um sein Leben muss der User (glücklicherweise) nicht fürchten – nur um das seines virtuellen Ichs.

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