Archiv für September 2011

Die utopia am Ende?

Bereits im vergangenen Dezember schrieb ich „utopia in Not!“. Zwar hat sich das Finanzierungsproblem mittlerweile gelöst, nach wie vor ist die Redaktion aber (zu) klein. Zudem haben alle „Stamm-RedakteurInnen“ mittlerweile auch andere Projekte, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Was aus der utopia wird – ob es sie weiter geben wird –, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Hier nun erstmal die utopia 20. Das dieses Jubiläum nicht gefeiert wurde zeigt allein schon den Zustand der Zeitung….

utopia 20 (PDF)

Waffen für die Welt

erschienen in utopia (www.jugendzeitung.net) nummer 20 (Herbst 2011)

Ein Skandal! Im Juli wurde bekannt, dass die Bundesregierung den Verkauf von 200 Kampfpanzern aus deutscher Produktion nach Saudi-Arabien genehmigt hat. Die Medien rotierten. Zu Recht! Aber solche Rüstungsdeals sind eigentlich nichts Neues – Deutschland ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur.

Wer sich kritisch mit der deutschen Rüstungsindustrie auseinandersetzt, die tödlichen Produkte kennt und die Berichterstattung in den Medien über militärische Konflikte und Aufstände bis hin zu Revolutionen in anderen Ländern verfolgt, wird immer wieder stutzig: War das nicht gerade ein Maschinengewehr von Heckler & Koch, mit dem der Demonstrant erschossen wurde? Waren das nicht Lastwagen von Mercedes-Benz, mit denen die Panzer an die Front gebracht wurden?
Der erste Vorfall geschah 2007 beim Aufstand der Mönche im südostasiatischen Myanmar. In der Militärdiktatur werden die Pistolen und Gewehre des deutschen Kleinwaffenherstellers Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar in Lizenz gefertigt. Der zweite Vorfall ist aktueller: 2009 und 2010 lieferte der deutsche Automobil- und Rüstungshersteller Mercedes-Benz 25 Panzertransporter, die im Werk Wörth am Rhein gebaut wurden, an den libyschen Diktator Gaddafi. Wie kann das sein?

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USK vs. PEGI vs. alles Mist

erschienen am 21. September 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

In Deutschland sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle – kurz USK – für Altersfreigaben von Videospielen. In anderen europäischen Staaten ist die Pan European Game Information – kurz PEGI – für den Jugendschutz zuständig. Nicht selten vergeben die Institutionen für dasselbe Spiel unterschiedliche Altersfreigaben – wie kommt das? Und sind Altersfreigaben in Zeiten des Internets überhaupt noch wirksam?

Die USK gibt es seit 1994 und hat seit ihrer Gründung über 30.000 Videospiele auf ihre Kinder- und Jugendtauglichkeit geprüft. Seit Mai 2008 firmiert die in Berlin ansässige Institution als „Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH“. Gesellschafter sind der „Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.“ und der „Bundesverband der Entwickler von Computerspielen G.A.M.E. e.V.“ – beides Lobbyorganisationen der Videospiele- und Computer-Industrie. Vor Veröffentlichung eines Videospiels in Deutschland muss es der USK – samt Lösungsweg – vorgelegt werden. Die Sichter der USK spielen das Spiel dann durch und bereiten eine Präsentation, in der sich beispielsweise Schlüssel-Szenen des Spielverlaufs befinden, vor. Weder die USK noch die Sichter geben eine Altersbewertung ab, sondern präsentieren das Spiel einem Prüfgremium. Das Gremium besteht aus vier Jugendschutzsachverständigen und einem Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB). Die Sachverständigen geben eine Empfehlung der Altersfreigabe ab, die der Vertreter der OLJB dann annehmen oder ein Veto dagegen einlegen kann. Wenn sich auf eine Alterseinstufung geeinigt wurde, wird dies dem Spiel-Hersteller von der USK mitgeteilt. Der Hersteller hat dann noch zweimal die Möglichkeit in Berufung zu gehen wenn er mit der Alterseinstufung nicht zufrieden ist.

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Der „Flugtag Niederstetten 2011″ im Bild

Mit einem Tag der offenen Tür warb das Transporthubschrauberregiment 30 der Bundeswehr für den Erhalt des Truppenstandorts im baden-württembergischen Niederstetten.

Zudem wurde auf dem „Flugtag“ neuer Nachwuchs für die Bundeswehr rekrutiert und die Armee bmühte sich darum ihr Image aufzubessern. Neben den deutschen Soldaten präsentierten sich auch Militäreinheiten der USA, der Schweiz und Österreichs. Fotos vom „Flugtag Niederstetten 2011″ habe ich bei flickr hochgeladen – hier.

Waffen bleiben Spielzeug

erschienen in der taz (www.taz.de) am 14. September 2011

- Kinderschutz bei der Bundeswehr -

Kinder sind von Waffen fasziniert. Das nutzt die Bundeswehr und lässt die Kleinen auf Panzern turnen. Dafür gibt es nun eine neue Vorschrift.

Ralf Willinger, Referent für Kinderrechte beim Kinderhilfswerk terre des hommes, ist sauer. Noch vor kurzer Zeit hat er das Verteidigungsministerium für eine 2007er Vorschrift gelobt, wonach die Bundeswehr Kinder bei Werbeveranstaltungen nicht an Waffen lassen darf. Bis zum Alter von 18 Jahren darf demnach niemand Zugang zu Handfeuerwaffen oder Munition erhalten. „Für ausgestellte Waffensysteme“, so die Vorschrift, „gilt dies adäquat“.

Doch im Januar 2011 wurde dies geändert: Als „Waffen“ gelten nun nur noch Schusswaffen und Vergleichbares. „Schiffe, Flugzeuge sowie nicht-handelsübliche Fahrzeuge der Bundeswehr sind keine [Hervorhebung im Original] Waffensysteme im Sinne des Waffengesetzes.“ Kinder dürfen bei den Werbeveranstaltungen der Armee also kein Gewehr in die Hand nehmen, aber sich in einen Leopard 2-Kampfpanzer oder einen Eurofighter-Kampfjet setzen.

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„Wir sind selbst in der Rüstungsbranche tätig“

erschienen am 14. September 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Bohemia-Interactive wurde durch das 2001 veröffentlichte Videospiel „Operation Flashpoint“ bekannt. Das Spiel gilt als Meilenstein im Genre der Taktik-Shooter. Es folgten die Spiele „ArmA: Armed Assault“ (2006) und „ARMA 2“ (2009). Letzteres wird vom Entwickler mit den Worten „Die ultimative Militärsimulation“ beworben. Im Frühjahr 2012 soll „ARMA 3“ folgen. Auf der Gamescom 2011 beantwortete Martin Vaňo, Senior Designer bei Bohemia-Interactive, einige Fragen zur Verbindung der Videospiel-Serie mit dem echten Militär und der Rüstungsindustrie – das Interview ist eine Ergänzung zum kürzlich auf Militainment.info erschienenen Artikel über das tschechische Entwicklungsstudio.

Militainment.info: Arbeiten Sie bei der Entwicklung ihrer Videospiele mit dem Militär zusammen?

Martin Vaňo: Wir haben viele militärische Berater, meist sind es ehemalige Marines oder sie waren Mitglieder von Spezialeinheiten. Ehemalige Soldaten haben den Vorteil viel offener über ihre Erfahrungen im Militär und im Einsatz sprechen zu können als Aktive, die oft zu Verschwiegenheit verpflichtet sind. Die Ex-Soldaten arbeiten eng mit uns zusammen und erklären uns wie Kämpfe im Krieg ablaufen und sich anfühlen. So können wir das Spiel nach ihren Erfahrungen realitätsnah programmieren. Auch mit der Rüstungsindustrie arbeiten wir zusammen.

Wie sieht die Kooperation mit der Industrie denn genau aus?

Wir haben zu einer Handvoll Leuten aus der Rüstungsindustrie Kontakt: unter anderem zu Waffendesignern und Waffentestern. ARMA 3 spielt etwa zwanzig Jahre in der Zukunft, weshalb die Rüstungsexperten am besten wissen wie die Waffen der Zukunft aussehen und welche Leistungen sie haben werden. Auch die schon erwähnten ehemaligen Soldaten geben uns wertvolle Informationen über Waffen. Für Fahrzeuge nutzen wir oft Fotos um diese so originalgetreu wie Möglich im Computer zu erschaffen. Da wir mit unserem Simulationsprogramm „Virtual Battelspace“ (VBS) selbst in der Rüstungsbranche tätig sind, finden wir aber auch leicht Kontakt zu anderen Firmen der Branche.

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Ein Offizier liest mein Buch

Kieron Kleinert, Historiker, Politikwissenschaftler und Offizier der Bundeswehr hat mein Buch „An der Heimatfront“ gelesen und rezensiert – siehe hier. Die – wenn ich richtig gezählt habe – siebte Rezension des Buchs!

Videospiele für’s Militär

erschienen am 7. September 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Die Verbindungen zwischen der Videospiel-Branche und der Rüstungsindustrie sind fließend. Dies wird beispielhaft an der tschechischen Softwarefirma „Bohemia Interactive“ deutlich.

Am 21. August ging Europas größte Videospielmesse zu Ende. Rund 275.000 Besucher kamen zur diesjährigen „Gamescom“ in die Kölner Messehallen. Mehr als 550 Aussteller aus fast 40 Ländern präsentierten sich der Öffentlichkeit und warben für neue Projekte. Auch das tschechische Videospielstudio Bohemia Interactive war mit einem kleinen Stand vertreten. Das Studio erlangte 2001 durch die Veröffentlichung des sehr realitätsnahen Spiels „Operation Flashpoint“ Bekanntheit. Das Spiel gilt als Meilenstein im Genre der Taktik-Shooter. Es folgten die Spiele „ArmA: Armed Assault“ (2006) und „ARMA 2“ (2009). Auf der Gamescom 2011 präsentierte das Unternehmen ihr neues Spiel „ARMA 3“, das Anfang 2012 auf den Markt kommen soll.

Schon im Mai dieses Jahres war Bohemia Interactive mit einem Stand in den Messehallen von Köln vertreten. Damals ging es aber nicht um Spiele sondern um die Ausbildung von Soldaten: Bohemia Interactive stellt nicht nur Videospiele her sondern auch Trainingssimulatoren für das Militär. „Bohemia Interactive Simulations ist ein weltweit führender Anbieter von Simulations-Technologien und integrierten Lösungen für die Ausbildung militärischer und ziviler Organisationen rund um den Globus“, warb das Unternehmen damals für seinen Auftritt auf der ITEC in Köln, der größten Messe für Militärsimulatoren in Europa.

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„Schulen werden unter Druck gesetzt“

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) vom 1. September 2011

Veranstaltungen der Bundeswehr müssen für Schüler freiwillig sein, fordert der Pädagoge Lothar Krappmann, der Mitglied des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes war

Der Freitag: Seit dem Ende der Wehrpflicht rekrutiert die Bundeswehr immer stärker auch an Schulen. Herr Krappmann, Sie waren bis Februar Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes. Was halten Sie von Militär-Werbeveranstaltungen an Schulen?

Lothar Krappmann: In der UN-Kinderrechtskonvention und auch im Zusatzprotokoll „Kinder in bewaffneten Konflikten“ steht nichts über Werbung in Schulen oder anderen Einrichtungen für Jugendliche. Insofern verstößt die Bundeswehr mit ihren Veranstaltungen nicht gegen ein aus­drückliches Verbot. Allerdings waren die Vertragsstaaten überzeugt, dass Kinder – im Sinne der Vereinten Nationen sind das alle Menschen unter 18 Jahren – vor Übervorteilung und Ausnutzung fehlender Kenntnisse und Erfahrungen geschützt werden müssen. Eltern, Lehrer und auch Kinder reagieren bei Werbe­veranstaltungen aller Art in Schulen grundsätzlich sehr abwehrend …

… zum Beispiel, wenn Firmen ihre Produkte anpreisen.

Die Bundeswehr hat gewiss einen anderen Status als kommerzielle Unternehmen. Dennoch dürfen ihre Informa­tionsveranstaltungen in Schulen nicht die Grundsätze der UN-Konvention infrage stellen. Der Besuch derartiger Angebote kann für Schülerinnen und Schüler nur freiwillig sein, außerdem müssen Schulen die Durchführung solcher Veranstaltungen verweigern können. Allerdings gibt es in immer mehr deutschen Bundesländern Kooperationsabkommen zwischen dem jeweiligen Bildungsminis­terium und der Bundeswehr. Die Schulen werden damit unter Druck gesetzt, mit dem Militär zu kooperieren. Das halte ich für sehr fragwürdig.

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Auf Reisen

2010 haben die Jugendoffiziere der Bundeswehr insgesamt 7.350 Veranstaltungen mit 176.862 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Vor allem an Schulen sind die Soldaten aktiv um schon die jungen Leute vom Sinn und Zweck der Armee und ihren weltweiten Einsätzen zu überzeugen. Der Werbefeldzug der Bundeswehr nimmt in Folge der wegfallenden Wehrpflicht zu und auch das Interesse daran steigt: Wie sieht es aus, wenn Jugendoffiziere und Wehrdienstberater an Schulen kommen? Welche anderen Wege hat die Armee eingeschlagen um junge Leute zu erreichen? Diese und viele weitere Fragen zum Thema „Bundeswehr an Schulen“ werde ich auf einer kleinen Veranstaltungstour (+ Diskussionen) klären. Hier sind die Termine – über zahlreiche Besucherinnen und Besucher würde ich mich wie immer sehr freuen:

3. September 2011, 10Uhr – Heide Camp in Schlaitz am Muldenstausee (Flyer)

5. September 2011, 19.00Uhr – Frankenthal, Dathenushaus, Kanalstraße 6 (Flyer)

6. September 2011, 18.30Uhr – Landau, Uni-Campus, Fordstr. 7 (Flyer)

7. September 2011, 18.30Uhr – Chemnitz, Rothaus, Lohstraße 2 (Website der Veranstalter)

8. September 2011, 19.30Uhr – Göttingen, ver.di-Haus, Groner-Tor-Straße 32

13. September 2011, 20Uhr – Paderborn, Kulturwerkstatt, Cafeteria, Bahnhofstraße 64 (Website der Veranstalter)