„Schulen werden unter Druck gesetzt“

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) vom 1. September 2011

Veranstaltungen der Bundeswehr müssen für Schüler freiwillig sein, fordert der Pädagoge Lothar Krappmann, der Mitglied des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes war

Der Freitag: Seit dem Ende der Wehrpflicht rekrutiert die Bundeswehr immer stärker auch an Schulen. Herr Krappmann, Sie waren bis Februar Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes. Was halten Sie von Militär-Werbeveranstaltungen an Schulen?

Lothar Krappmann: In der UN-Kinderrechtskonvention und auch im Zusatzprotokoll „Kinder in bewaffneten Konflikten“ steht nichts über Werbung in Schulen oder anderen Einrichtungen für Jugendliche. Insofern verstößt die Bundeswehr mit ihren Veranstaltungen nicht gegen ein aus­drückliches Verbot. Allerdings waren die Vertragsstaaten überzeugt, dass Kinder – im Sinne der Vereinten Nationen sind das alle Menschen unter 18 Jahren – vor Übervorteilung und Ausnutzung fehlender Kenntnisse und Erfahrungen geschützt werden müssen. Eltern, Lehrer und auch Kinder reagieren bei Werbe­veranstaltungen aller Art in Schulen grundsätzlich sehr abwehrend …

… zum Beispiel, wenn Firmen ihre Produkte anpreisen.

Die Bundeswehr hat gewiss einen anderen Status als kommerzielle Unternehmen. Dennoch dürfen ihre Informa­tionsveranstaltungen in Schulen nicht die Grundsätze der UN-Konvention infrage stellen. Der Besuch derartiger Angebote kann für Schülerinnen und Schüler nur freiwillig sein, außerdem müssen Schulen die Durchführung solcher Veranstaltungen verweigern können. Allerdings gibt es in immer mehr deutschen Bundesländern Kooperationsabkommen zwischen dem jeweiligen Bildungsminis­terium und der Bundeswehr. Die Schulen werden damit unter Druck gesetzt, mit dem Militär zu kooperieren. Das halte ich für sehr fragwürdig.

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