Archiv für November 2011

Kollateralschäden?

erschienen am 30. November 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Im kürzlich erschienen First-Person-Shooter „Call of Duty: Modern Warfare 3“ ist es auch möglich, Zivilisten und unbewaffnete Feinde zu erschießen – die Genfer Konvention bleibt dabei außer Acht.

Was war das für ein Skandal, als im 2009 erschienenen Videospiel „Call of Duty: Modern Warfare 2“ in der Mission „Kein Russisch“ auf einem Flughafen Dutzende Zivilisten und Polizisten im wahrsten Sinne des Wortes niedergemetzelt wurden. In der deutschen Version des Spiels war dies zwar nicht erlaubt – wer auch nur einen Schuss auf die Zivilisten abgab, musste das Level wiederholen –, für das Massaker sorgten aber die virtuellen Kameraden des Spielers. Erst später im Level durfte der Spieler gegen Mitglieder einer Polizei-Sondereinheit aktiv werden und schießen.
Nun ist Anfang November der Nachfolger „Modern Warfare 3“ erschienen. Zwar gibt es im Spiel diesmal kein umstrittenes Massaker-Level, dafür darf der Spieler diesmal aber auch selbst ungestraft auf Zivilisten schießen. Etwa in der Mission „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ ist es möglich, in einer U-Bahn Station auf am Boden kauernde Zivilisten zu schießen – auch in der deutschen Version.

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Kinderkriegsspiele

erschienen am 12. November 2011 in der Zweiwochenschrift „Ossietzky“ (www.sopos.org/ossietzky) Ausgabe 23/2011

Lange war es der Bundeswehr zumindest auf dem Papier verboten, bei ihren Werbeveranstaltungen unter 18-Jährige an Waffen zu lassen. Seit Februar 2011 ist die Regelung geändert. Nun dürfen Kinder und Jugendliche zwar weiterhin nicht mit Pistolen und Gewehren hantieren, dafür aber in Kampfpanzern und Jagdbombern Platz nehmen.

Ralf Willinger, Referent für Kinderrechte beim Kinderhilfswerk »terre des hommes« ist sauer. Noch vor wenigen Monaten hatte er das Verteidigungsministerium dafür gelobt, daß es 2007 eine Vorschrift erlassen hatte: »Bei allen Veranstaltungen der Truppe, die der Informationsarbeit dienen, ist durch geeignete Vorkehrungen und Dienstaufsicht sicherzustellen, daß Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr keinen Zugang zu Handfeuerwaffen oder Munition erhalten. Für ausgestellte Waffensysteme gilt dies adäquat«, hieß es damals im Ministerialblatt des Bundesministeriums der Verteidigung. Doch im Januar 2011 wurde die für Soldaten bindende Vorschrift geändert: »Zugang zu Handfeuerwaffen, Munition und Waffensystemen im Sinne des Waffengesetzes«, lautet die Überschrift nun. Warum sich das Ministerium neuerdings auf das deutsche Waffengesetz beruft, geht aus einer Fußnote in dem 40-seitigen Schriftstück hervor: »Als Waffen im Sinne des Waffengesetzes gelten insbesondere Schußwaffen, Schußapparate, Hieb- und Stoßwaffen oder vergleichbare Gegenstände. Schiffe, Flugzeuge sowie nicht-handelsübliche Fahrzeuge der Bundeswehr sind keine [Hervorhebung im Original, M. Sch.] Waffensysteme im Sinne des Waffengesetzes.« Kinder dürfen bei den Werbeveranstaltungen der Armee also kein Gewehr in die Hand nehmen, aber sich in einen »Leopard 2« Kampfpanzer oder einen »Eurofighter«-Kampfjet setzen.

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REMEMBER: BILDUNGSSTREIK

Demonstrationen mit hunderten SchülerInnen und StudentInnen, eine Hörsaal-Besetzung und ein Trauermarsch für die „verstorbene Bildung“: das waren die Bildungsstreik-Aktionen im nordhessischen Kassel 2008, 2009 und 2010. Die meisten Proteste habe ich mit der Kamera begleitet. Daraus ist nun – unterstützt vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität Kassel – eine Fotoausstellung geworden.

Bis zum 22. Dezember 2011 kann man sich die aus 37 Bildern von sechs Bildungsstreik-Aktionen bestehende Ausstellung im Eingangsbereich des AStA der Uni-Kassel (Nora-Platiel-Straße 2) von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18Uhr ansehen – Eintritt frei!
Die Fotos kann man natürlich auch online hier auf meinem flickr-Account angucken – großformatig auf Papier sehen sie aber besser aus ;-)

Drei Vorträge (+ Diskussionen)

In den nächsten Tagen geht es für mich nach Gießen, Bochum und Kassel. Dort werde ich jeweils einen Vortrag zum Thema „Bundeswehr an Schulen“ halten (und in Gießen auch noch etwas über die Aktivitäten der deutschen Armee an Universitäten erzählen). Nach den Vorträgen gibt es dann hoffentlich immer spannende Diskussionen mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern:

21. November 2011 / 19Uhr / Café Amelié (Walltorstraße 17), Gießen (Website der Veranstalter)

23. November 2011 / 19.30Uhr / Kulturbahnhof Langendreer (Wallbaumweg 108), Bochum (Website der Veranstalter)

27. November 2011 / 10Uhr / Uni Kassel (Wilhelmshöher Allee 73), Kassel (Website der Veranstalter)

Anti-Atom-Aktion in Kassel

In Kassel gingen heute dutzende Atomkraftgegner gegen das geplante Atommüll-Endlager Gorleben auf die Straße – die nordhessische Stadt liegt auf der (wahrscheinlichen) Route des kommenden Castor-Transports nach Gorleben. Mit einem großen, gelben X – einem Symbol des Anti-Atom-Widerstands – und einer Castor-Attrappe machten die Umweltschützer auf ihr Anliegen aufmerksam: sie fordern eine neue und ergebnisoffene Endlagersuche.

Ich habe den Protest in Bildern festgehalten. Die Fotos von der Aktion gibt es hier auf meinem flickr-Account.

PR-Schlacht um die Shooter-Krone

erschienen am 05. November 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Das Ende Oktober erschienene Videospiel „Battlefield 3“ von „Electronic Arts“ schickt sich an den bisherigen Platzhirsch im Genre der First-Person-Shooter – die „Call of Duty“-Reihe von „Activision“ – zu verdrängen. Es tobt eine PR-Schlacht. Electronic Arts griff dabei jüngst auch zu zweifelhaften Methoden und warb mit einem echten Kampfflugzeug, mit Panzern und echten Söldnern für „Battlefield 3“. Activision wirbt für das am 8. November erscheinende „Call of Duty: Modern Warfare 3“ traditioneller – zumindest in Deutschland.

In der Bundesrepublik setzt Activision bisher vor allem auf Werbung in Massenmedien. Ein Trailer von „Modern Warfare 3“ wurde erstmals am 28. Mai diesen Jahres während der Halbzeitpause des UEFA-Champions League-Finales im Fernsehen ausgestrahlt. Ein neuerer Werbespot fand seine Ausstrahlung u.a. am 2. November in der Halbzeitpause des Champions-League Fußballspiels FC Bayern gegen SSC Neapel auf dem Fernsehsender Sat1 (1. Halbzeit: 6,93 Millionen Zuschauer, Marktanteil 20,4 Prozent; 2. Halbzeit: 8,26 Millionen Zuschauer, Marktanteil 28,4 Prozent). Auch beim einen Tag später stattgefundenen UEFA Europa League-Spiel FC Schalke 04 gegen AEK Larnaka wurde der Werbespot in der Halbzeitpause gezeigt.

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„Die Jungs sind super drauf“

erschienen auf taz.de (www.taz.de) am 31. Oktober 2011

- Söldner bei Computerspiel-Release -

Bei einer PR-Veranstaltung des First-Person-Shooters „Battlefield 3″ erklärten die Kämpfer einer umstrittenen deutschen Söldnerfirma echte Kriegstaktiken.

Das frisch veröffentlichte Computerspiel „Battlefield 3″ des US-Publishers Electronic Arts (EA) setzt in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe. Bereits 10 Millionen Exemplare wurden in der ersten Verkaufswoche abgesetzt. Die Grafik- und Geräuschkulisse des Kriegsspiels ist beeindruckend und bietet eine so noch nie da gewesene Atmosphäre. Genauso beeindruckend ist allerdings der Werbeaufwand: Rund 100 Millionen US-Dollar soll die weltweite Kampagne gekostet haben.
So ließ EA am Freitag echte Panzer durch London rollen. Und schon im August sorgte das Unternehmen für Aufregung, als es auf der weltgrößten Videospielmesse Gamescom in Köln einen echten Kampfjet ausstellte. Die Messebesucher konnten in olivgrüne „Battlefield 3″-Overalls schlüpfen und sich vor dem Flugzeug fotografieren lassen, damals protestierten die Kölner Grünen gegen die PR-Maßnahme.

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